Einst ein Held, jetzt der Watschenmann
Der zweifache Wien-Sieger Jürgen Melzer startet am Mittwoch gegen Gilles Muller in das Stadthallen-Turnier. Der 31-Jährige wurde zuletzt hart kritisiert. Nicht immer zu Recht.

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Der Weg vom Helden zum Watschenmann war für Jürgen Melzer ein kurzer. Bis zum Mai 2011 als Weltranglisten-Achter sowie Ex-Paris-Halbfinalist und Bezwinger von Roger Federer und Rafael Nadal noch groß gefeiert, bekam Österreichs Nummer eins nach dem überraschenden Turniersieg im heurigen Februar in Memphis in regelmäßigen Abständen nur noch eine auf den Deckel.
Den letzten wirklich schmerzenden Magenstrudel auf dem Tennisplatz fasste der Frischvermählte mit der Erstrunden-Niederlage bei den US Open gegen die Nummer 489 der Welt (Bradley Klahn hieß der Mann) aus. Auf verbaler Ebene musste der 31-Jährige erst am Wochenende einen Tiefschlag von Legende Thomas Muster einstecken. Der Steirer, der seine Aufgabe als Turnierbotschafter des Stadthallen-Turniers wohl kurzfristig verkannt hatte, stichelte: "Solange er Geld verdient und Doppel spielt, ist er eben dabei." Autsch.
Volle Kraft voraus
Natürlich, wäre Melzer der Sieg in Memphis nicht "passiert", würde sich die aktuelle Nummer 34 ohne die gewonnenen 500 Punkte in der Weltrangliste gerade mal auf Position 95 wiederfinden. Das weiß Melzer auch: "Die Höhepunkte der Saison sind rasch aufgezählt. Für die Misserfolge braucht man schon länger." Doch macht es in der jetzigen Situation natürlich keinen Sinn, in den Wunden der Vergangenheit zu rühren. Daher lautet Melzers Motto bei seinen letzten drei Auftritten im heurigen Jahr (nach Wien geht's noch nach Valencia und Paris) auch "volle Kraft voraus".
Mit dem Erreichen des Viertelfinales von Peking hat der Linkshänder zur rechten Zeit ein Lebenszeichen von sich gegeben und vor dem 13. Antreten bei seinem Heimturnier (Melzer: "Ja, man wird älter"), das er 2009 und 2010 gewonnen hatte, das nötige Selbstvertrauen gesammelt. Dieses soll am Mittwoch Gilles Muller zu spüren bekommen. Aber der Österreicher warnt: "Wenn der den Aufschlag trifft, kann man schnell zum Passagier werden."
Die Ohrfeige von Muster relativiert Melzer übrigens: "Ich habe mit Tom geredet. Manches wird nicht so geschrieben, wie es gesagt wurde. Außerdem hat er Fehler von mir aufgezählt - und damit hatte er ja recht. Ich hätte auch lieber eine bessere Saison gespielt. Aber eine Grippe, Hüftprobleme und ein Bänderriss haben mich zurückgeworfen."
Der tollste Beruf
Daher will Melzer ("Ich kann Kritik durchaus akzeptieren. Nur nicht, wenn es zu persönlich wird oder man mir vorwirft, dass ich nicht alles geben würde") 2013 wieder voll angreifen. Denn, "wenn ich den Ball treffe, kann ich die Topspieler auf alle Fälle noch ärgern." Wie lange er noch der Filzkugel nachjagen will? "Bis auf das nervende Kofferpacken habe ich den tollsten Beruf der Welt. Und das möchte ich so lange wie möglich auskosten."














