"30 ist das neue 20"
Der Verlauf der US Open bestätigt es: Die Zeit der Wunderkinder ist im Spitzentennis vorbei, der Altersschnitt in den Top Ten steigt an. Warum? Das weiß Gilbert Schaller.

Foto © AP"Oldie, but Goldie": Roger Federer
Der Blick auf die Achtelfinal-Paarungen der heurigen US Open bestätigt es: Das Durchschnittsalter bei den Damen beträgt 25 Jahre, bei den Herren gar 26,5. Ja, die Zeiten, in denen die Tour von pickelgesichtigen Wunderkindern dominiert wurde, gehören der Vergangenheit an. Das bestätigt auch Tennis-Grande-Dame Serena Williams, die nach ihrem heurigen Wimbledon-Triumph erklärte: "30 ist das neue 20."
Wie wahr, Williams zählt 30 Lenze und ist noch immer die größte Hürde, die es auf dem Weg zu einem Titel zu nehmen gilt. Bei den Herren weilt der Welt-Beste Roger Federer bereits seit 31 Jahren auf dem Planeten und im Doppel hat der Weltranglisten-Erste Daniel Nestor gar schon 40 Jahre auf dem Buckel. Kurz gesagt: Das Gesicht des Profi-Tennis wird ein immer älteres.
So ist laut ATP sowohl bei den Herren als auch bei den Damen das Durchschnittsalter der Top Ten in den letzten zehn Jahren um drei Jahre gestiegen (Herren: 27,0, Damen: 25,1). Da drängt sich natürlich die Frage auf, warum das so ist. Die Antwort kann Österreichs Ex-Daviscup-Kapitän und jetziger Südstadt-Trainer Gilbert Schaller geben.
"Erstens gibt es keine Ausnahmetalente mehr, wie es ein Nadal oder ein Gasquet noch vor ein paar Jahren waren. Zweitens kommt das vor wenigen Jahren neu eingeführte Punktesystem den Top-Spielern entgegen. Denn große Sprünge kann man etwa auf Challenger-Ebene nur noch mit Turniersiegen machen."
Damit sind wir beim Hauptgrund für die "Vergreisung" im Spitzentennis. Schaller: "Es dauert heutzutage einfach viel länger, bis die jungen Spieler in der Weltrangliste nach vorne kommen." Das sei aber nicht unbedingt eine Frage des Niveaus. "Der von mir betreute Kroate Mate Pavic kam dank Wild Cards ins Hauptfeld von Hertogenbosch und Umag. Dort schlug er Robin Haase bzw. Juan Carlos Ferrero. Es liegt also nicht an mangelnder Spielstärke, sondern vielmehr daran, die Chance zu bekommen, gegen solche Kapazunder spielen zu können."
Ebenso erschwerend für den Nachwuchs: "Da viele Spieler erst spät in die Spitze vorstoßen, kosten sie das natürlich so lange wie möglich aus und beenden nicht wie früher noch vor dem 30. Lebensjahr ihre Karriere."













