Stehaufmännchen Haas und sein ganz besonderes Gefühl
34 Jahre und kein bisschen müde. Tommy Haas feierte heuer seine x-te Auferstehung und gilt bei den US Open als Geheimfavorit. Er fühlt auch, "dass er jeden schlagen kann."

Foto © APATommy Haas
Keine Frage - neben einer überdurchschnittlichen Grundausstattung in Sachen spielerisches Können ist das größte Ass im Ärmel eines jeden Tennis-Profis das Selbstvertrauen. Schwebt ein Spieler mental auf Wolke sieben, kann er über sich hinauswachsen (siehe Jürgen Melzer 2010). Ist das Selbstvertrauen hingegen angeknackst oder gar im unaufhaltsamen Marsch Richtung Keller, klappt's auch auf dem Platz nicht.
Roger Federer ist nach seinem Wimbledon-Triumph und der Rückeroberung des Tennis-Throns definitiv ganz oben auf und ließ sich jetzt in Flushing Meadows gar zu der für ihn untypischen Aussage "Wenn ich gut spiele, dann bestimme ich, wer gewinnt und wer verliert" hinreißen. Mit nicht minder breiter Brust bläst derzeit aber auch Tommy Haas in ein ähnliches Horn. So verlautbarte der Deutsche inklusive alpenrepublikanischer Wurzeln (Papa Peter ist ein Grazer), das Gefühl zu haben, "dass ich jeden schlagen kann."
Eine mutige Ansage für die aktuelle Nummer 21 der Weltrangliste. Aber ganz ehrlich, so weit hergeholt scheint das nicht. Haas, seines Zeichens ein nach einer Vielzahl an Verletzungen unbeugsames Stehaufmännchen, (in der Krankenakte finden sich vorrangig Schulter- und Hüft-Operationen, die zu mehrmonatigen Pausen zwangen) legt heuer eine Saison hin, wie sie ihm wohl kaum jemand noch zugetraut hätte. Halbfinale in Dallas, Halbfinale in München, Turniersieg in Halle (Rasen), gefolgt von den Endspielen in Hamburg (Sand) und Washington (Hartplatz). Dabei startete die einstige Nummer zwei (Mai 2002) nur als Nummer 205 in das Jahr - doch dann ging es Schlag auf Schlag. In New York schlägt der 34-Jährige (zum Auftakt gegen den Letten Gulbis) zum 15. Mal auf - und viele Experten attestieren ihm beim letzten Grand Slam des Jahres die Rolle des Geheimfavoriten. Nicht zu unrecht, ist der Tennis-Ästhet, doch nach wie vor hungrig nach Erfolgen.
Seinen ersten Hunger gestillt hat Federer mit dem ungefährdeten 6:3, 6:2, 6:4-Auftaktsieg über Donald Young. Ebenfalls souverän agierte Olympiasieger Andy Murray, der den Russen Alex Bogomolow jr. verabschiedete.














