French Open: 30 Jahre Sehnsucht
In Paris beginnen am Sonntag die French Open. Frankreich wartet seit 1983 auf einen Sieg bei den Herren.

Foto © GEPAJo-Wilfried Tsonga
Früher war alles besser. Zumindest für die Franzosen bei ihrem Heim-Grand-Slam-Turnier in Paris. Die allererste Ausgabe gewann mit dem Briten H. Briggs, von dem nicht einmal der Vorname überliefert ist, zwar ein Brite, doch danach sollte 36 Mal in Serie ein Einheimischer erfolgreich bleiben. Lang, lang ist's her, denn nach dem zweiten Weltkrieg trugen sich bei den Herren nur noch zwei Franzosen in die Siegerliste ein: Marcel Bernard 1946 und Yannick Noah 1983. Die Sehnsucht nach einem Erfolg währt also schon 30 Jahre.
Die Tristesse könnte aber bald ein Ende haben, denn so gut wie 2012 waren die Franzosen schon lange nicht aufgestellt. Mit Jo-Wilfried Tsonga (ATP-Rang fünf) gibt es einen Star. Gleich neun weitere Franzosen liegen in der Weltrangliste in den Top 100, darunter mit Gilles Simon (12), Gaël Monfils (13) und Richard Gasquet (20) sogar noch drei unter den Top 20.
Die Hoffnungen der Franzosen ruhen aber vor allem auf Tsonga, der die Anlage in Roland Garros (übrigens ein französischer Held des ersten Weltkriegs) wie seine Westentasche kennt. "Ich habe in der Jugend drei Jahre hier gelebt, im Leistungszentrum des französischen Verbandes", erzählt der mittlerweile 27-jährige aus Le Mans. Neben Paris gibt es drei weitere nationale Leistungszentren, dazu 14 Hoffnungszentren und insgesamt 70 Verbandstrainer. Die Franzosen tun etwas dafür, dass die Zeit der Dürre endet.
Der besondere Druck macht Tsonga jedenfalls nichts aus. "Nervös bin ich vor jedem Spiel, aber ich habe gelernt, die Aufregung positiv zu kanalisieren. Interessant ist, dass ich vor einem Erstrundenspiel nervöser bin als vor einem Halbfinale", sagt Tsonga, der 2008 schon im Finale der Australian Open stand.
Etwas freundlicher sieht die Bilanz bei den Damen aus, wo es dank Mary Pierce 2000 in diesem Jahrtausend schon einen Sieg gab. Auch hier gibt es mit Marion Bartoli (Nummer acht) eine Top-Ten-Spielerin, hinter ihr folgen aber nur drei weitere Landsfrauen in den Top 100.
Von den vier Österreichern in Paris sind keine großen Dinge zu erwarten. Jürgen Melzer ist als erster des Quartetts bereits am Sonntag gegen Michael Berrer im Einsatz. Seine Hüfte hält. Die drei anderen spielen nicht vor Montag.













