Ein düsterer Blick in die Zukunft
Der Abstieg von der Tennis-Weltgruppe in den Keller des Davis Cups kann sehr schnell gehen. Das Beispiel Marokkos soll Österreich eine Warnung sein.

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Droht Österreich ein Schicksal wie Marokko? Es ist genau zehn Jahre her, da bezwang Spanien in der Davis-Cup-Weltgruppe nicht Österreich, sondern Marokko. Und sogar hauchdünn mit 3:2. Die Nordafrikaner hatten 2002 mit Youness el Aynaoui (schlug den jetzigen Kapitän Alex Corretja und Juan-Carlos Ferrero), Hicham Arazi und Karim Alami drei Top-30-Spieler. Zehn Jahre später ist Marokko nur noch 65. der Davis-Cup-Rangliste. An diesem Wochenende unterlagen Mehdi Ziadi (ATP-Nr. 614) und Kollegen Monaco mit 2:3 und steigen somit in die vierte und niedrigste Leistungsstufe des Davis Cups ab.
Nach dem 1:4 im Viertelfinale gegen Titelverteidiger Spanien stellt sich für Österreichs Mannschaft die Frage, wo es in zehn Jahren stehen wird. Davis-Cup-Kapitän Clemens Trimmel hat angekündigt, die Schlüsse aus Oropesa 2012 ziehen. Unter den Viertelfinalisten war Österreich das einzige Team mit nur einem Top-100-Spieler im Einzel. Weil Oliver Marach (31), Alexander Peya (30), Jürgen Melzer (30) und Kaderspieler Julian Knowle (37) nicht jünger werden, muss sich Trimmel um Alternativen umschauen. Andreas Haider-Maurer ist 25 Jahre alt, und wenn er seine Verletzungsanfälligkeit in den Griff bekommt, "ein Kandidat für die Top 50" (O-Ton Alexander Antonitsch). Doch dahinter klafft ein großes Loch. Martin Fischer (25) ist derzeit in der Weltrangliste im Retourgang unterwegs. Sein Weggefährte Philipp Oswald (26) dümpelt seit Jahren auf Challenger-Niveau herum, auch wenn er jetzt wieder leicht im Aufwind ist.
Die restlichen neun Monate des Jahres hat Clemens Trimmel Zeit, sich seinen Aufgaben als Sportdirektor zu widmen. "In den vergangenen Monaten habe ich mir einen guten Überblick über den Nachwuchs verschafft", sagt Trimmel. Hoffnungsträger sind Michael Linzer, Jürgens zehn Jahre jüngerer Bruder Gerald Melzer und Marc Rath, die sich in den beiden vergangenen Jahren zumindest deutlich nach vorne gearbeitet haben. Doch ernsthafte Verstärkungen für das Tennis-Nationalteam sehen anders aus.
Ein Team um Thiem?
Bleibt ein Name, der derzeit stets als Heilsbringer herhalten muss: Dominic Thiem. Der 18-jährige Niederösterreicher war im Vorjahr die Nummer eins der ITF-Jugend-Weltrangliste und stand im Finale des Junioren-Bewerbs der "French Open" in Paris. Mit Günter Bresnik hat er einen prominenten Manager. Selbst Österreichs Top-Talent ist aber schon recht spät dran, denn Jürgen Melzer zog als 18-Jähriger in das Davis-Cup-Team ein, war 330. im Doppel und machte innerhalb von zwei Monaten einen Sprung von Rang 1056 auf 460. Und Alexander Peya war bei seinem Einstieg als 18-Jähriger die Nummer 200 im Doppel. Daher bremst Trimmel übertriebene Erwartungen: "Frühestens in fünf Jahren wird Dominic ein Kandidat für die Top 100 der Welt sein."
Auch in der ITF-U18-Weltrangliste sind nur 16 junge Österreicher gelistet, darunter nur einer unter den ersten 100 (Dominic Weidinger als 98.) Die größten Talente sind die beiden 15-jährigen Lucas Miedler (Rang 144.) und Sebastian Ofner (745.). Es wird an Neo-Präsident Ronnie Leitgeb und Clemens Trimmel liegen, alle privaten Trainingsinitiativen des Landes so einzubinden, dass sich Österreich 2022 nicht auf Rang 65 wieder findet. Den Marokkanern wünschen wir, dass auch sie dann wieder in der Weltgruppe spielen. - vielleicht sogar gegen den Weltklassespieler Dominic Thiem und seine Mannschaftskollegen.














