"Uns fehlt eine Nummer zwei"
Am Freitag startet das Davis-Cup-Duell gegen Belgien. Österreichs scheidender Kapitän Gilbert Schaller plaudert über Zukunft, Vergangenheit und die Verfassung der österreichischen Tennismannschaft.

Foto © GEPAGilbert Schaller
Auf geht's in Ihre letzte persönliche Davis-Cup-Runde. Nach dem Duell gegen Belgien legen Sie Ihre Ämter als Kapitän und ÖTV-Sportdirektor zurück. Wie ist das Befinden?
Gilbert Schaller (lächelt): Ganz gut. Die Zuversicht ist groß, die Nervosität steigt, die Chancen stehen bei 50:50, wobei ich vor allem im Doppel leichte Vorteile bei uns sehe.
Seit 2007 sind Sie im rot-weiß-roten Davis-Cup-Team am Ruder, nach vier Siegen und fünf Niederlagen verlassen Sie nun nach diesem Wochenende die Kommandobrücke - warum?
Schaller: Seit Anfang des Jahres habe ich wieder intensiv begonnen, mit Nachwuchsspielern auf dem Platz zu arbeiten. Das gefällt mir und dort sehe ich meine Zukunft. Doch diesen Job mit den anderen Aufgaben unter einen Hut zu bringen, geht nicht. Die Rolle als Davis-Cup-Kapitän ist zwar nur phasenweise zeitaufwendig, doch nimmt das Amt des Sportdirektors viele Ressourcen in Anspruch - daher der Schlussstrich.
Sie arbeiten künftig also als Touring-Coach?
Schaller: Ich werde 25 bis 30 Wochen im Jahr unterwegs sein.
Mit welchem Ziel?
Schaller: Mit dem Ziel, einen heimischen Spieler unter die Top 20 der Welt zu führen.
Die Suche nach Ihrem Nachfolger erweist sich als schwierig. Haben Sie jemanden auf Ihrem Wunschzettel?
Schaller: Ich werde mich in diesen Prozess bestimmt nicht einmischen. Vielmehr entscheidend ist, dass die Spieler ein großes Mitspracherecht haben! Zwischen ihnen und dem neuen Kapitän muss die Chemie stimmen.
Wir haben uns im Davis Cup den Ruf einer Pendlernation "erarbeitet", für den Einzug ins Weltgruppen-Viertelfinale hat es auch in Ihrer Ära nie gereicht ...
Schaller: Zieht man ins Viertelfinale ein, gehört man zu den acht besten Nationen der Welt. Ganz ehrlich, das ist derzeit nicht unser Niveau. Ich sehe Österreich zwischen den Plätzen 13 und 20. Wir haben es zuletzt nie geschafft, eine Top-acht-Nation zu bezwingen. Dafür haben wir die gleichwertigen Nationen mehrheitlich besiegt.
Liegt es vielleicht auch daran, dass Jürgen Melzer in den letzten Jahren den Erwartungen nicht immer gerecht wurde?
Schaller: Es wäre absolut unfair, dem Jürgen verabsäumte Erfolge des Teams anzulasten. Auf ihm hat immer ein enormer Druck gelastet - damit muss man erst einmal umgehen können. Ich denke, die ganz großen Würfe blieben aus, weil wir keine Nummer zwei haben - jemanden auf Top-40-Niveau.
Ihre schönste und Ihre schlimmste Erinnerung?
Schaller: Die Auswärtssiege gegen Israel und Großbritannien waren schön, weil sie unerwartet kamen. Die unnötige Niederlage gegen die Deutschen hat hingegen sehr geschmerzt.
Muss man sich um Österreichs Tennis-Zukunft Sorgen machen?
Schaller: Potenzial ist vorhanden. Und gemessen an der Größe unseres Landes brauchen wir uns mit unseren Leistungen bestimmt nicht zu verstecken.
Features
Djokovic wackelt
Der Einsatz von Novak Djokovic im Eröffnungseinzel gegen David Nalbandian am Freitag ist unsicher. Der 24-jährige Weltranglistenerste ist nach seinem Triumph bei den US Open müde und hat zudem seit seiner Ankunft am Donnerstag in Belgrad mit dem Jetlag zu kämpfen. Als Ersatz stehen Nenad Zimonjic und Viktor Troicki bereit.













