Tamira Paszek und ihre Liebe zum Spiel
Viele hatten Tamira Paszek trotz ihrer erst 20 Jahre schon abgeschrieben. Nun ist sie nach vielen Rückschlägen und Verletzungen an der Church Road auf ihrem Lieblingsbelag auf die große Bühne des Sports zurückgekehrt.

Foto © GEPA I Grieves
Der 11:9-Erfolg im dritten Satz am Samstag über die Weltranglisten-Sechste Francesca Schiavone war Tamira Paszeks zweiter Sieg über eine Top-Ten-Spielerin. Auch im Achtelfinale am Montag (13.00 MESZ) gegen Xenia Perwak (RUS) hat sie gute Chancen.
Paszek könnte als erst zweite Österreicherin nach Judith Wiesner 1996 die Runde der letzten acht in Wimbledon erreichen. Gegen die Weltranglisten-89. Perwak geht sie jedenfalls nicht als Außenseiterin auf den Platz 14. "Ich kenne sie von den Junioren, aber wir haben noch nie gegeneinander gespielt. Ich weiß nur, dass sie Linkshänderin ist, und sehr flach und auch aggressiv spielt", sagte Paszek über ihre kommende Gegnerin.
Ende 2009 war Paszek nach einem Bandscheibenvorfall bis auf Platz 186 zurückgefallen, 2010 sammelte sie mit einem Challenger-Sieg in Izmir und dann im Herbst ihrem zweiten WTA-Titel in Quebec City Punkte und Selbstvertrauen. Heuer hat es nach Erstrunden-Niederlagen bei den Australian und den French Open erst so richtig auf Rasen zu laufen begonnen, nach drei Vorbereitungsturnieren auf ihrem Lieblingsbelag ist Paszek nun ausgerechnet in Wimbledon wieder der Knopf aufgegangen.
"Höhen und Tiefen als etwas Positives"
"Ich sehe die ganzen Höhen und Tiefen als etwas Positives. Vor allem auch die Chance, die man mir nach dem Bandscheibenvorfall gegeben hat", spricht sie ihr "protected ranking" an, mit dem sie 2010 als Nummer 63 wieder einsteigen konnte. Die Querelen um ihre Nichtnominierung für die Olympischen Spiele 2008 und die Androhung, die Nationalität zu wechseln, sind vielleicht nicht vergessen - Thema ist es jedoch keines mehr für Paszek. "Das ist jetzt einige Jahre her. Ich bin überglücklich zu Hause und lieb' meine Heimat. Ich habe so viele Leute zu Hause, die mir immer die Daumen drücken."
Der Fokus liegt ganz auf ihr selbst und ihren Zielen. Und ihr Ziel sind die Top Ten. "Ich habe immer daran geglaubt, dass ich meinen Weg gehe, ob da jetzt ein paar Hindernisse dazwischen sind oder nicht." Unkenrufer lässt sie links liegen. "Was andere zu den Zielen denken, kann und will ich nicht beeinflussen. Ich möchte meinen Weg gehen, ohne rechts oder links zu schauen."
Ein Weg, der geprägt ist von der Hingabe für den weißen Sport. Geld ist ihr da nicht so wichtig, meint sie. "Das Preisgeld ist das allerletzte, woran ich denke. Klar ist es mein Beruf, man muss Geld verdienen. Aber ich spiele Tennis, weil es meine Leidenschaft ist, weil ich den Sport über alles liebe und weil ich Ziele im Leben hab, die ich erreichen will."
Ziel: Sieg über Perwak
Das nächste Ziel hat sie klar vor Augen: ein Sieg über Perwak. Die Russin hat sich ebenso überraschend wie Paszek mit Siegen über u.a. Shahar Peer (ISR-22) und Andrea Petkovic (GER-11) für das Achtelfinale qualifiziert. Trotz der großen Chance verspürt Paszek überhaupt keinen Druck. "Man hat gesehen, dass ich kämpfen kann und kämpfen will und wie sehr ich gewinnen will. Ich werde mit genau der gleichen Attitude reingehen", versprach die Vorarlbergerin.
Sie glaubt fest daran, dass sie der Weg in Höhen jenseits ihres bisher besten Rankings (Platz 35, Anm.) führen wird. Ihr Blick auf die Entwicklung im Damentennis bestätigt das. "In den letzten zwei Jahren haben sich im Damentennis sehr viele Türen geöffnet, speziell als die Williams weg waren. Es ist auch bedenklich, dass Kim Clijsters nach ihrer Babypause zurückkommt, und zweimal die US Open gewinnt." Was sie daraus schließt? "Dass man sich auf sich selbst konzentrieren soll, und die realistischen Ziele auch möglich sind. Ich muss einfach geradeaus schauen und an meine Ziele glauben."
Auch Melzer freut sich
Der ausgeschiedene Jürgen Melzer freut sich, das Österreich in der zweiten Woche im Einzel noch vertreten ist. "Schön, dass Österreichs Tennis weiterlebt. Sie hat eine lange Durststrecke hinter sich und hat das (Match gegen Schiavone, Anm.) gut rübergebogen." Melzer sieht eine gute Chance für Paszek, das Viertelfinale zu erreichen. "So eine Chance möchte man nützen. Sie hat die Möglichkeit, auf Rasen wirklich gut zu spielen mit ihrem Spiel."
Sollte Paszek auch die vierte Hürde meistern, bekäme sie es bereits am Dienstag entweder mit der als Nummer vier gesetzten Weißrussin Wictoria Asarenka oder der Russin Nadja Petrowa zu tun.















