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Zuletzt aktualisiert: 23.06.2011 um 18:06 UhrKommentare

Warten im Morgengrauen

"The Queue" ist in Wimbledon Kult.

Foto © Reuters

Es macht Spaß." "Das macht wirklich Spaß?" "Ja, es macht Spaß", grinst Peter Crichton. Der Mann, der extra aus einem Nest nahe Southampton angereist ist, stellt sich gerade an. Aber nicht etwa bei der Wurstabteilung im hiesigen Supermarkt. Nein, Peter Crichton ist einer von rund 7000 (!), die in der "Queue" (übersetzt "Schlange") Schlange stehen. "The Queue" - das ist jener berühmte Ort in Wimbledon, wo die Zuschauer darauf warten, ein Ticket für den Turniertag zu ergattern.

Erstreckte sich die "Queue" früher über mehr als einen Kilometer entlang des Gehsteigs der Church Road, so hat man die Warteschlange nun aus Sicherheitsgründen und wegen Platzmangels auf einen angrenzenden Acker verlegt. Und das Schauspiel ist wahrlich imposant: Wartende Menschen, so weit das Auge reicht. Die zwei überlebenswichtigsten Komponenten beim "Queuen": Disziplin und Geduld. Und die Briten können ganz offensichtlich mit Beidem dienen. Gemeckert wird quasi nie, Vordrängeln ist absolut tabu.

Wer gute Aussichten auf ein Ticket haben will, der stellt sich schon am Vorabend an (übernachtet wird in mitgebrachten Zelten), um ab dem Morgengrauen einen Platz in vorderster Reihe zu haben. Denn das Motto lautet: Wer zuerst kommt, malt zuerst. Für den Center Court liegen täglich nur 500 Karten auf. Die Ticketkosten steigen jeden Tag an - ab Freitag muss man bereits 76 Euro (es wird nur Bargeld angenommen) berappen. Sind die 500 Karten weg, gibt's trotzdem noch Chancen auf ein Center-Court-Ticket. Denn wer das Turnier vorzeitig verlässt, wirft seine Karte in eine rote Box. Die Tickets werden dann für einen guten Zweck wiederverkauft. Eine andere Variante: Man erspart sich das Anstellen und bestellt das Ticket via Internet - zum Preis von bis zu 1500 Euro!

Peter Crichton hat nicht in der "Queue" gecampt. Er will ja auch nicht auf den Center Court, sondern nur ein normales "Ground Ticket" (18 Euro). Noch stellen sich vor ihm geschätzte 3500 Leute an. Doch der Engländer gibt sich gelassen: "Kein Problem, in ein, zwei Stunden bin ich an der Reihe."

ALEX TAGGER, WIMBLEDON

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