Melzer und Haider-Maurer wollen in Runde drei
Melzer trifft voraussichtlich am Donnerstag entweder auf Hertogenbosch-Sieger Tursunow oder auf den Letten Gulbis, Haider-Maurer kennt mit Nalbandian seinen Gegner bereits. Melzers Doppel wurde gestrichen.

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Gerade noch haben es Jürgen Melzer und Andreas Haider-Maurer am Dienstag beinahe im Gleichschritt geschafft, sich für die zweite Wimbledon-Runde zu qualifizieren. Knapp 20 Minuten später wurde es dunkel an der Church Road und eine Vertagung bringt in der Regel gute Möglichkeiten für den zurückliegenden Spieler.
Melzer, im Vorjahr erst im Achtelfinale gegen Roger Federer ausgeschieden, ist wohl ein Stein vom Herzen gefallen, als er die Faust zum Sieg ballen konnte. Der Druck, der auf den Spitzenspielern gerade vor einer ersten Grand-Slam-Runde lastet, ist schon besonders groß, das hatte zuvor auch Andy Roddick bestätigt. "Es ist unmöglich, vor der ersten Runde bei einem Major nicht aufgeregt zu sein", sagte der US-Amerikaner.
Für Melzer war es doppelt schwierig. Schließlich hatte er sein letztes Match vor knapp vier Wochen in der zweiten Paris-Runde gespielt, ehe er seinem Rücken die nötige Pause verschafft hat. Und dann wurde er von Falla, dem Paris-Achtelfinalisten, der im Vorjahr beinahe Federer in der ersten Wimbledon-Runde ausgeschaltet hätte, auch tatsächlich sehr gefordert.
Befreit aufspielen
Nach verlorenem ersten Satz lag er im Tiebreak des zweiten Durchgangs 2:5 zurück. "Das Gute ist, dass ich dabei geblieben bin und auch im Tiebreak noch zurückgefightet habe. Als ich das gewonnen habe, habe ich mich befreiter aufspielen getraut", gab Melzer am späten Dienstagabend zu. "Ich bin froh, dass ich das Match abhaken kann."
Dies hat wohl auch den Unterschied zwischen der Nummer 11 und der Nummer 88 der Welt ausgemacht: die Routine. "Je öfter man damit konfrontiert wird, umso gelassener nimmt man es", sagt Melzer, der es im Laufe der Jahre gelernt hat, sich aus Situationen, mit dem Rücken zur Wand stehend, noch zu befreien.
Natürlich fehlt dem Wahl-Wiener noch die absolute Topform, schließlich ist er ohne Matchpraxis nach London gekommen und er hatte ja auch schon vor Paris ziemliche Probleme gehabt. "Man hat schon gemerkt, dass diese Selbstverständlichkeit noch ein bisserl fehlt: In den entscheidenden Situationen dann auch das Risiko zu nehmen." Körperlich ist er hingegen wieder in Ordnung, versicherte er. "Das Wichtigste ist, dass ich wieder Matches kriege."
Vorteil "Verzögerung"
Bei der nächsten Partie am Donnerstag wird er wohl noch einen Gang zulegen müssen. Tursunow und Gulbis mussten am Mittwoch länger auf die Fortsetzung ihres am Vortag bei 1:1-Sätzen und 5:5 abgebrochenen Spiels warten. Nach der Dunkelheit verzögerte zunächst der Regen die Entscheidung.
"Keine Frage. Da wird es noch extremer sein, die haben auch beide einen ersten Aufschlag, da kannst du Passagier sein", weiß Melzer über beide möglichen Gegner.
Wimbledon-Debütant Haider-Maurer kennt seinen nächsten Gegner bereits. David Nalbandian ist die aktuelle Nummer 23 der Welt und immer noch ein großer Name auf der Tour. Der Argentinier ist nicht nur elffacher Turniersieger, er stand vor neun Jahren auch im Wimbledon-Endspiel.
Während Nalbandian von dem Niederösterreicher wohl noch nie gehört hat, ist er selbst für Haider-Maurer immer sein "großes Vorbild" gewesen. "Er war immer mein Lieblingsspieler. Der kann eigentlich alles. An einem guten Tag kann er Typen wie Federer und Nadal auch schlagen." Österreichs zweiter Top-100-Spieler, aktuell 78., hat nach Paris auch im Tennis-Mekka sein erstes Match im Hauptfeld gewonnen. Mit einer unglaublichen Aufschlagleistung: Sogar auf 39 Asse wurde seine Bilanz korrigiert. 89 Prozent seiner ersten Aufschläge waren Punkte. Und das in nur drei Sätzen.
Ich habe eine Chance
Dementsprechend führt Haider-Maurer auch eine Assen-Statistik des bisherigen Turniers an. "Es wird sicher sehr schwierig, aber wenn ich meine Aufschlagleistung halte, wovon ich überzeugt bin, dann habe ich auch da meine Chance", hat der Wahl-Innsbrucker dementsprechend Selbstvertrauen getankt.
Dieser Aufschlag ist die größte Waffe des Waldviertlers. Doch es kommt nicht von ungefähr. Jeden Tag nach dem normalen Training macht er eine Extra-Service-Einheit mit etwa 150 Aufschlägen. "Den Aufschlag kann man immer mehr ausbauen und sicherer machen", betont "AHM".
Seit dem Wien-Finale hat er einen kleinen Durchbruch geschafft. "Ich fühle mich schon wesentlich kompakter. Ich kann sicherlich mit den guten Leuten sehr gut mitspielen und auch gewinnen. Trotzdem liegt noch sehr harte Arbeit vor mir." Er will sich im Hinblick auf die Top 50 keinen Druck machen, sich die Top 100 per Jahresende sichern. "Wenn es schneller geht, ist es super."














