"Jojo" Melzer fordert Superstar Roger Federer
Wenn man sich bei einem Grand-Slam-Event ins Turnier "reinspielen" kann, ist einiges möglich. Jürgen Melzer beweist dies nun schon zum dritten Mal in Folge. Nun folgt Duell mit King Roger.

Foto © GEPAJürgen Melzer
Nach zwei Fünf-Satz-Siegen in den ersten beiden Runden mit nicht so überzeugenden Leistungen hat sich der 29-jährige Österreicher Jürgen Melzer am Samstag (Ortszeit) gewaltig gesteigert. Er ließ Juan Carlos Ferrero (ESP-22) beim 7:5,6:3,6:1 nach 1:44 Stunden keine Chance. Damit gelang Melzer der Achtelfinal-Hattrick bei einem Major nach den French Open und Wimbledon. Erstmals erreichte er auch bei den US Open in New York die zweite Woche und trifft nun auf Roger Federer.
Sensationelles Jahr für Melzer
Ein sensationelles Jahr für Melzer erfährt nun also auch in Flushing Meadows seine Fortsetzung: Halbfinale in Roland Garros, Achtelfinale in Wimbledon und sogar der Doppel-Titel im Tennis-Mekka, und nun steht er schon wieder unter den besten 16 der Welt. Wenn Melzer auch in der Hallen-Saison so weiterspielt, dann könnte ein weiterer Traum für ihn wahr werden: Die Teilnahme am ATP-World-Tour-Finale. Mit dem Achtelfinale ist er in einer Zwischenwertung bereits auf Platz 10 geklettert - die Top 8 sind in London dabei.
Der als Nummer 13 bei einem Grand Slam so hoch wie noch nie gesetzte Niederösterreicher ist dieser Einstufung also gerecht geworden. Nun wartet am Montag, voraussichtlich in der "Night Session" und sicher erstmals im Arthur-Ashe-Stadion, der wohl beste Tennisspieler aller Zeiten: Roger Federer.
"Das Jahr war auch schon vor den US Open toll, aber dass ich hier im Achtelfinale stehe, ist eine geile Sache. Ich habe den Ball hundertmal besser gespürt als an den Tagen zuvor", freute sich Melzer, der schon beim Einschlagen den gewissen "Touch" am Schläger gespürt hatte. Vergessen war die Aufschlag-Schwäche, die ihn schon seit Beginn einer bis New York enttäuschenden Hartplatz-Saison geplagt hatte. "Wenn du dich so wohl fühlst von der Grundlinie, dann denkst auch an den Aufschlag nicht so viel."
Der glatte Sieg über Ferrero, übrigens der dritte im siebenten Duell, kam für ihn nur bedingt überraschend. "Jein. Aber so wie sich das Match entwickelt hat, habe ich das Gefühl gehabt, dass er mir wenig bis gar nichts tun kann, wenn er nicht wirklich voll riskiert und in die Ecken trifft. Wenn der Ball im Spiel war, habe ich ganz gut dagegen gehalten und meistens die Oberhand gehabt."
6.000 Fans sorgen für Stimmung
Die rund 6.000 Zuschauer auf dem drittgrößten Platz haben zwar wenig Spannendes erlebt, freuten sich aber trotzdem mit Melzer, als dieser seine ersten "offiziellen" Bälle ins Publikum werfen durfte - eine Zeremonie, die auf den großen Plätzen hier üblich ist. Zuvor hatte er von der Stimmung "nicht viel mitgekriegt, weil ich war so in meiner 'Zone' irgendwie drinnen. Ich habe mich durch nichts drausbringen lassen. Es war gesteckt voll - schon eine geile Atmosphäre."
Zum dritten Mal en suite unter den besten 16 der Welt - bis Paris hatte er es insgesamt 31 Mal erfolglos versucht, diese Phase zu erreichen. "Es zeigt mir selbst auch, dass ich nicht umsonst im Ranking dort stehe, und dass ich dort auch hingehöre", sagte Mlezer.
Melzer freut sich auf das Match gegen Federer
Roger Federer ist am Montag aber fast schon ein Quantensprung in Sachen Spielstärke im Vergleich zu den ersten drei Gegnern. "Ich freue mich auf das Match. Ich hätte mich natürlich nicht drauf gefreut, wenn ich mich in der Form befunden hätte wie vor dem (Ferrero-) Match." Natürlich ist Melzer gegen den 16-fachen Major-Sieger, der allein in New York fünf Titel geholt hat, krasser Außenseiter. Aber: "So wie ich jetzt gespielt habe, habe ich nichts zu befürchten. Ich fühle mich wieder toll, habe den Ball super am Schläger und kann, glaube ich, auch mit ihm mithalten."
Der Vergleich zum bisher einzigen Duell mit Federer heuer in Wimbledon, als er 3:6,2:6,3:6 unterlag? "Dort hat er halt sehr, sehr gut serviert. Schwierig, wenn ich gar keinen Rhythmus bei seinem Aufschlag kriege. Ich muss selber auch meine Serviceleistung oben halten. Ich glaube eigentlich dran, dass ich schon auch meine Chancen haben werde." Endlich wird auch Melzer auf der größten Tennisbühne der Welt, das Arthur-Ashe-Stadion fasst 23.771 Zuschauer, einlaufen. "Das hat mir noch gefehlt, ich freu mich richtig auf die Stage."
Gegen Federer spielt Melzer heuer schon sein zehntes Match gegen einen Top-Ten-Spieler, wovon er freilich sehr profitieren kann. "Man entwickelt sich auch selbst weiter, gewöhnt sich ans Tempo." Auch in natürlich mehr gewordenen Trainingseinheiten mit der Weltspitze kann er sich einiges erarbeiten. "Ich hoffe, dass ich bald selbst dazuzähle", hofft er auf den baldigen Vorstoß in die Top Ten. In einer inoffiziellen Jahreswertung 2010 hat er es vorläufig als Zehnter schon geschafft.
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