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Zuletzt aktualisiert: 29.06.2010 um 20:41 UhrKommentare

Musters Comeback ging klar verloren

Thomas Muster hat sein erstes Profitennismatch nach elf Jahren "Urlaub" und nur drei Wochen Training wie erwartet glatt verloren.

Thomas Muster: Chancenlos bei Comeback-Versuch

Foto © APAThomas Muster: Chancenlos bei Comeback-Versuch

Der 42-jährige Österreicher unterlag am Dienstag beim mit 150.000 Dollar dotierten Challenger (2. Kategorie) von Braunschweig dem Iren Conor Niland nach 76 Minuten mit 2:6,1:6. Muster hatte seit 1998 kein professionelles Match auf der ATP-Tour mehr gespielt.

Trotz der glatten Niederlage gab sich Muster nach seinem nicht nur in Deutschland viel beachteten "Comeback-Match" zufrieden. "Das war genau das, was ich nach drei Wochen Training erwarten konnte", sagte der ehemalige Weltranglisten-Erste. "Jeder Ball hat Spaß gemacht und vom Kopf her könnte ich noch drei Stunden spielen. Nur machen meine Füße noch nicht das, was der Kopf schon könnte", ergänzte der Paris-Sieger von 1995 und bilanzierte: "Ich habe jede Minute da draußen genossen."

Was zunächst vielfach als PR-Gag gehandelt worden war, ist für Muster aber gerade Mal ein Neu-Anfang. Denn der ehrgeizige Steirer, der in seiner erfolgreichen Karriere 44 ATP-Turniere gewonnen hat, ruht sich auch jetzt nicht auf den Lorbeeren. 2010 will er noch intensiv trainieren und einige Überprüfungsturniere spielen, bis 2012 sollen dann aber sogar noch ATP-Turniere folgen. "Meine Frau hat mir bis 45 erlaubt, meine spätpubertäre Phase auszuleben und Tennis zu spielen", scherzte Muster.

Die Chance lebt

An die 2.000 Fans waren trotz Fußball-WM und fast 30 Grad im Schatten in den Braunschweiger Bürgerpark gekommen, um auf der Anlage des örtlichen Tennis- und Hockey-Clubs das "Urlaubsende" des offiziell nie zurückgetretenen Österreichers mitzuerleben. Was sie sahen war bemerkenswert unterhaltend, auch wenn Muster wie befürchtet das Tempo des 28-jährigen Iren, der gerade einen Challenger in Israel gewonnen hat und als 165. der Welt sein Karriere-Hoch erlebt, oft nicht mitgehen konnte.

Während auf dem Nebenplatz Österreichs aktuelle Nummer zwei Daniel Köllerer mit dick bandagiertem Oberschenkel gegen den Tschechen Lukas Rosol 3:6,3:6 verlor, kämpfte Muster auf dem Centercourt um die Erkenntnis, was ein 42-Jähriger noch zu leisten imstande ist. Muster hatte dabei natürlich die Gunst des Publikums auf seiner Seite, das Rad der Zeit konnte er aber wie erwartet nicht zurückdrehen.

Zumindest im ersten Satz machte der frühere Weltranglisten-Erste seinem um 14 Jahre jüngeren Gegner mit seinem Winkelspiel und langen Ballwechseln aber durchaus Probleme und bewies, dass er mit ernsthaftem Training durchaus ein ernstzunehmender Gegner werden kann. Nach schnellen 0:2-Rückstand schaffte Muster das Rebreak und als er sogar Breakball auf eine 3:2-Führung hatte, war für den Leibnitzer eigentlich nichts mehr zu verlieren.

Weil der verheiratete Vater zweier Kinder aber dann körperlich zurückfiel und sich auch die Fehler häuften, war die Geschichte danach schnell gegessen. Muster machte nur noch ein Game und während alleine der erste Satz 53 Minuten gedauert hatte, war das gesamte Match dann nach 76 Minuten vorbei.

"Wie erwartet"

"Es war genau wie erwartet. Bei 45 Minuten bis eine Stunde liegt derzeit eben mein Potenzial", erklärte der Steirer. "Auch das Resultat ist okay. Im zweiten Satz war die koordinative Seite aufgrund der körperlichen Verfassung einfach nicht gegeben. Defizite gibt's bei mir derzeit noch praktisch überall, schlagtechnisch ist es schon recht okay", ergänzte Muster. "Für so eine Leistung nach nur drei Wochen muss ich mir eigentlich selbst Respekt zollen."

Muster wird beim Turnier in Braunschweig, dessen Schirmherr der niedersächsische Ministerpräsident und Präsidentschafts-Kandidat Christian Wulff ist, auch noch Doppel spielen und seinen Ex-Kollegen Michael Stich als inoffizieller 2. Turnierdirektor unterstützen. Bisher hatte Muster in der "Löwen-Stadt" zwischen Hannover und Berlin nur Schaukämpfe bestritten und der Reihe nach Boris Becker, Mats Wilander und zuletzt Michael Stich besiegt.

Jetzt aber will es Muster nochmals wirklich wissen, "ich will aber niemandem außer mir selbst etwas beweisen." Deshalb hat er sich nun 12 Monate intensives Training vorgenommen. "Braunschweig kam sicher etwas zu früh", machte Muster klar, dass das Match gegen Niland aus seiner Sicht erst der Anfang war.

Dass er sich selbst als Denkmal demontieren könnte, weist Muster von sich. "Man wird weder das Stade Roland Garris sprengen noch das Papier vernichten, auf dem steht, dass ich 44 Turniere gewonnen habe. Kritische Stimmen sind gut, weil sie polarisieren, waren mir aber immer schon wurscht."


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