"Francesca Nazionale": die "Königin von Frankreich"
Die Italienerin holte sich den Titel bei den French Open mit einem Erfolg über Sam Stosur. Schiavone avancierte zur ersten italienischen Siegerin eines Grand-Slam-Turniers.

Foto © APFrancesca Schiavone erfüllt sich Traum
Plötzlich war Italiens neue Nationalheldin in einem Menschenknäuel auf der Tribüne verschwunden. Jede Menge begeisterter Freunde und Familienmitglieder zerrten an der kleinen Francesca Schiavone nach ihrem French-Open-Triumph in Paris gegen Samantha Stosur. Als sie wieder heil über die Balustrade zurück auf den "Court Central" geklettert war, bekam die erste italienische Siegerin eines Grand-Slam-Tennis-Turniers ein Handy gereicht: Staatspräsident Giorgio Napolitano persönlich wollte der neuen Tennis-Königin von Paris gratulieren.
"Das hier zeigt, dass jeder die Chance hat, das zu werden, was er werden möchte und wirklich alles schaffen kann im Leben. Das ist mir jetzt passiert", sagte Schiavone, die am 23. Juni immerhin schon 30 wird. In ihrer langen Karriere hatte sie schon 38 Grand-Slam-Turniere gespielt, und immer war vor Paris 2010 spätestens im Viertelfinale Endstation gewesen.
Kussritual
Schon immer hatte sie ein großen Kämpferherz. Warum sie nun auf einmal das Turnier ihres Lebens spielte, weiß sie selber nicht. Ihr Meisterstück lieferte sie am Samstag mit dem 6:4,7:6(2)-Finaltriumph gegen die Australierin Stosur ab. Schiavone rannte und rackerte, begeisterte mit klugem und variablem Spiel und zig Netzattacken. Das Tennis der Mailänderin - mit einhändiger Rückhand und viel Spielwitz - ist unkonventionell. Auch abseits des Tennisplatzes ist Schiavone ein unkomplizierter Typ.
Sie wirkt auf den ersten Blick etwas herb. Die Herzen der französischen Fans erwärmte sie aber vor allem mit ihrem Kussritual: Nach ihren letzten drei Matches küsste sie jeweils den roten Sand ("Das schmeckt gut, sooo gut."). Und in ihrer Heimat wurde sie von der "Gazzetta" bereits als "Francesca I., Königin von Frankreich" geadelt.
Von ihren 1,12 Millionen Euro Preisgeld müsse sie nun bestimmt ein neues Familienhaus für ungefähr 50 Leute kaufen, mutmaßte Schiavone bei der Sieger-Pressekonferenz. Sie selbst will sich nur eine Jeans-Hose leisten. Amüsiert war die 29-Jährige über eine Schar von Freunden aus Kindertagen, die sich spontan für das Finale zehn Stunden ins Auto gesetzt hatten und auf der Tribüne "Nothing is impossible"-Shirts trugen.
Die unterlegene Stosur erwies sich als faire Verliererin. Die sonst so cool wirkende Powerfrau vergoss einige Tränen der Enttäuschung. Am Ende dieser "großartigen Reise" in ihr erstes Grand-Slam-Endspiel habe sie auch auf "das ganze Märchen" gehofft, sagte die 26-Jährige von der Gold Coast. Dieses wurde aber nicht wahr, da sie nicht an ihre vorherigen Leistungen bei ihren Siegen gegen Justine Henin, Serena Williams und Jelena Jankovic hatte anknüpfen können. Im zweiten Satz verspielte sie sogar eine 4:1-Führung.
Stosur wurde am Ende auch gefragt, was Schiavones Sieg für das Damen-Tennis bedeute: Dass man für große Turniersiege kein "teenage wonderkid superstar" sein müsse, lautete die Antwort der Australierin.
Features
Fotoserie
Damen-Finale:
Francesca Schiavone (ITA-17) - Samantha Stosur (AUS-7) 6:4,7:6(2)
Fotoserie
Siegerinnen seit 2000
- 2000 Mary Pierce (FRA)
- 2001 Jennifer Capriati (USA)
- 2002 Serena Williams (USA)
- 2003 Justine Henin-Hardenne (BEL)
- 2004 Anastasia Myskina (RUS)
- 2005 Justine Henin-Hardenne (BEL)
- 2006 Justine Henin-Hardenne (BEL)
- 2007 Justine Henin-Hardenne (BEL)
- 2008 Ana Ivanovic (SRB)
- 2009 Swetlana Kusnezowa (RUS)
- 2010 Francesca Schiavone (ITA















