Li Na schafft Sensations-Sieg gegen Venus Williams
Der 27. Jänner 2010 ist ein historischer Tag für das chinesische Tennis: Li Na hat nach Jie als zweite Chinesin das Halbfinale in Melbourne erreicht.

Foto © GEPALi Na kann jubeln
Die 27-Jährige besiegte am Mittwoch in Melbourne die als Nummer sechs gesetzte US-Amerikanerin Venus Williams und machte mit ihrem 2:6,7:6(4),7:5-Erfolg das mögliche Halbfinale der Williams-Schwestern zunichte. Li Na erfüllte sich mit dem Sieg auch einen Traum, denn sie ist damit ab Montag die erste Chinesin überhaupt in den Top Ten.
"Das war das beste Match meines Lebens", sagte die (noch) Weltranglisten-17. "In die Top Ten zu kommen, das ist genial. Vielleicht werde ich am Abend ein Bier trinken", freute sich Li. Sie trifft nun in der Vorschlussrunde auf Titelverteidigerin Serena Williams, die sich mit 4:6,7:6(4),6:2 gerade noch gegen die Weltranglisten-Siebente Victoria Asarenka aus Weißrussland durchsetzte. Die zweite Chinesin, Zheng Jie , die schon 2008 im Semifinale in Wimbledon (und damit erste Chinesin in einem Major-Halbfinale überhaupt) gestanden war, spielt im Semifinale am Donnerstag gegen Justine Henin aus Belgien.
Position verteidigen
Für Venus Williams lief es nicht nach Wunsch. "Ich habe mich gut gefühlt, vor dem Match und auch während des Matches. Aber im Tennis ist es ganz einfach: Du musst auch die Punkte machen. Unglücklicherweise habe ich das heute nicht getan." Beinahe wäre auch ihre Schwester Serena ausgeschieden, als sie nach verlorenem ersten Satz auch im zweiten mit 0:4 zurücklag. Doch von einem Schlag auf den anderen klappte bei der topgesetzten Serena Williams plötzlich all das, was noch Minuten vorher schiefgegangen war. "Beim 0:4 habe ich wirklich nicht mehr daran geglaubt, das Match noch gewinnen zu können. Ich bin sehr froh", sagte die Nummer eins der Tennis-Welt, die diese Position auf jeden Fall erfolgreich verteidigen wird.
Die Schlagzeilen im Damen-Bewerb des ersten Grand-Slam-Turniers gehören aber der geballten Chinesen-Power. Erstmals in der Geschichte stehen gleich zwei Chinesinnen im Halbfinale eines Majors. Die 27-jährige Li Na hatte in der Vergangenheit nicht nur mit Verletzungen, sondern auch mit dem offiziellen China zu "kämpfen". Die Entscheidung der chinesischen Führung, dass sie gemeinsam mit Peng Shuai, Zheng Jie und ihrer Doppelpartnerin Yan Zi nun endlich ihre eigene Turnierplanung vornehmen und auch das Gros ihrer Preisgeld-Einnahmen behalten darf, war für chinesische Verhältnisse eine bahnbrechende.
Diese neue Freiheit, die Li auch ermöglichte, mit dem schwedischen Coach Thomas Högstedt zusammenzuarbeiten, lässt sich an ihren Erfolgen ablesen. "Ich fühle mich gut, weil ich jetzt mein Team habe", sagte Li. "Und wenn ich einmal faul bin und nicht trainieren möchte, sage ich meinem Team einfach: 'Wir nehmen den Tag frei'" In früheren Zeiten, als sie von nationalen Trainern gecoacht wurde, musste sie fragen, ob sie pausieren darf. "Und manchmal haben sie auch 'nein' zu mir gesagt", erinnert sich Li. Li hoffte nur, dass der Sieg über Venus Williams nicht ihr schönster bleibt. "Das Turnier ist noch nicht vorbei", strahlte sie. Ihr Ziel, 2010 die Top Ten zu erreichen, hat Li jedenfalls schon jetzt erreicht. In China wird der Tennis-Sport dadurch mit Sicherheit einen Boom erleben, die Live-Übertragungen werden im Land der Mitte von vielen Millionen Fans verfolgt.
Ob es nun gar zu einem rein-chinesischen Major-Finale kommen könnte, daran wollte man auch vonseiten des chinesischen Tennisverbandes (CTA) noch nicht denken. "Ich hoffe, es geht ihnen gut in ihren nächsten Matches, aber ich mache keine Vorhersagen", meinte CTA-Präsident Gao Shenyang.














