ÖTV zog Saisonbilanz mit gemischten Gefühlen
Nach einem Jahr mit vielen Berg- und Talfahrten im österreichischen Tennis hat die Verbandsspitze am Mittwoch Resümee gezogen und gleichzeitig ihre Zukunftspläne präsentiert.

Foto © GEPATeuschl, Schaller und Wolner
Dabei hat der ÖTV noch einen Monat Zeit, um für die Davis-Cup-Partie gegen die Slowakei von 5. bis 7. März einen Austragungsort zu finden. Kapitän und ÖTV-Sportdirektor Gilbert Schaller ließ anklingen, dass er neben Jürgen Melzer auch erstmals Daniel Köllerer ins Boot holen will. Im Doppel könnte Oliver Marach Julian Knowle als Nummer eins im Team ablösen.
2009 sorgten Melzer und Köllerer im Einzel sowie Marach und Knowle/Melzer im Doppel vor allem auf der ATP-Tour für viel Licht, gekrönt durch Melzers Triumph in der Wiener Stadthalle. Dazu hat sich "Bad Boy" Köllerer in den Top-80 der Welt etabliert und wie etwa bei den US Open endlich nicht nur durch Eskapaden auf sich aufmerksam gemacht. Marach kann beim derzeit laufenden ATP-World-Tour-Finale in London noch einen draufsetzen.
Verletzungen
Den Highlights auf der Tour, die sich bei den Damen durch gesundheitliche Probleme von Sybille Bammer und Tamira Paszek in Grenzen hielten, stand jedoch viel Schatten in den Teambewerben gegenüber. Im Fed Cup konnten die ÖTV-Damen mit einem Rumpfteam in allerletzter Sekunde den Gang in die Drittklassigkeit abwehren und das Davis-Cup-Team musste nach knappen und bitteren Pleiten in Deutschland und Chile in die Euro-Afrika-Zone absteigen.
"Das Ziel beider Nationalteams lautet ganz klar Aufstieg", betonte ÖTV-Generalsekretär Peter Teuschl. Während sich das Damen-Team von Kapitän Jürgen Waber mit Sybille Bammer, Patricia Mayr und einer fitten Tamira Paszek mehr oder weniger von selbst aufstellt, sieht sich Schaller mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert. "Ich habe mit Daniel gute Gespräche geführt, wir sind in ständigem Kontakt", ließ Schaller ein Davis-Cup-Debüt der Nummer zwei in Österreich und 75 der Welt anklingen.
Persönliche Eitelkeiten stellte Schaller hinten an: "Das Verhältnis zwischen den Spielern ist für mich zweitrangig. Ich will gegen die Slowakei mit dem stärksten Team antreten. Zu gut soll die Stimmung auch nicht sein. Man hat gesehen, wie Jürgen reagiert, wenn Daniel Dampf macht. Das ist gut so, wenn Pfeffer drinnen ist." Köllerer hatte beim Stadthallen-Turnier seinen Anspruch auf Österreichs Nummer eins kundgetan, Melzer daraufhin sensationell das Turnier gewonnen. Boykotts gegen eine Köllerer-Nominierung wie zuletzt stünden nicht im Raum.
"Marach spielte tolle Saison"
Eine heikle Situation kommt auf Schaller in der Besetzung des Doppels zu. Leidtragender könnte Julian Knowle werden. "Ich war in Chile nur dabei, weil Oli abgesagt hat. Diesmal werde ich aber sicher nicht mehr so lange abwarten, bis mir Schilli (Schaller/Anm.) sagt, 'Oli mag nicht, jetzt darfst du.' So darf ein Team nicht funktionieren", stellte Österreichs jahrelanges Aushängeschild und Weltklasse-Doppelspezialist im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur klar.
Knowle wirft Schaller vor, keine klare Linie zu haben. "Es sollte nicht sein, dass Spieler einberufen werden, wenn es ihnen gerade in den Plan passt. Entweder man ist immer für die Mannschaft da oder nicht", sagte Knowle, der trotzdem gleichzeitig sagt, dass Marach "eine super Saison gespielt hat. Das freut mich für ihn." Schaller selbst, der laut Knowle nicht zwei Doppelspezialisten einberufen wird, ist sich dieser Situation bewusst: "Ich muss mich wahrscheinlich für einen von beiden entscheiden."
Ebenfalls noch nicht entschieden ist, wo der Länderkampf gegen die Slowaken Anfang März stattfinden wird: "Wir sind mit den Verantwortlichen des Wiener Dusika-Stadions in Verhandlung. Auch in Vorarlberg und der Steiermark würde es Möglichkeiten geben", erklärte Teuschl. Bis Ende Dezember müsse der Veranstaltungsort jedenfalls feststehen. "Generell ist die Situation, in Österreich im Winter ein Tennisevent zu veranstalten, sehr schlecht. Wegen fehlender Mittel und Infrastruktur konnten wir uns nicht für die Austragung des Fed Cups im Februar bewerben", so Teuschl.
Die Situation rund um das drohende Aus des Tennisturniers in Kitzbühel kann der ÖTV auch nur als Außenstehender beobachten: "Wir wissen nur, dass es Konflikte zwischen verschiedenen Institutionen in Kitzbühel gegeben hat. Fakt ist auch, dass sich die ATP dazu noch nicht geäußert hat. Die Lizenz hat Ronnie Leitgeb und das letzte Wort ist noch nicht gesprochen", erklärte ÖTV-Präsident Ernst Wolner.
Ebenso wie das Turnier in Kitzbühel ist die Zukunft des heimischen Tennis vor allem vom Nachwuchs abhängig. "Wir haben mit Andreas Haider-Maurer, Philipp Oswald und Martin Fischer drei Spieler zwischen 21 und 23 Jahren, die die Lücke zu Melzer und Köllerer in den nächsten drei Jahren schließen können. Ich bin überzeugt, dass sie das Potenzial dazu haben", meinte Schaller. Er verwies darauf, dass viele Österreicher Spätstarter sind: "Leute wie Köllerer, Marach, Alexander Peya, Werner Eschauer oder Knowle haben den Sprung in die Top-100 alle erst spät geschafft. Die Weichen für 2015 sind gestellt."









