Das historische Comeback der Kim Clijsters
Nach ihrer Babypause zeigt sich Kim Clijsters in Hochform. Die Belgierin gewann das Finale der US Open gegen Caroline Wozniacki.

Foto © ReutersTochter Jada gratuliert zum Grand-Slam-Sieg
Einmal erlernt, ist es angeblich unmöglich, das Radfahren wieder zu vergessen. Bei US-Open-Siegerin Kim Clijsters scheint es sich mit dem Tennis ähnlich zu verhalten. Nach einer rund zweijährigen Babypause krönte die 26-Jährige ihre Rückkehr ins Profigeschäft am Sonntag - in ihrem erst dritten Turnier nach dem Comeback - mit dem Gewinn ihres zweiten Grand-Slam-Titels. So unerwartet, dass sie das Geleistete in den Bereich der "Surrealität" verwies.
Spagat zwischen Mutterrolle und Profitennis
Keine Aufzeichnungen vergangener Spiele, keine Gegner-Analyse auf DVD. Nein, Kim Clijsters brachte sich mit "Ice Age" für das US-Open-Finale in Stimmung - Töchterchen Jada, zarte 18 Monate alt, wünschte es so. Bezeichnend für die Situation der "Tennis-Mama", die seit drei Monaten den Spagat zwischen Mutterrolle und Profitennis bewältigen muss - und das ganz offensichtlich mit großem Erfolg. Als erste Mutter seit Evonne Goolagong Cawley 1980 in Wimbledon hat sie wieder ein Grand-Slam-Turnier gewonnen.
Noch zu Jahresbeginn war davon freilich keine Rede, da spielte Jada noch die erste Geige. Dann aber kam die Einladung für ein Exhibition-Match gegen ihr einstiges Idol Steffi Graf in Wimbledon - und schon war Clijsters wieder vom bereits verschüttet geglaubten Ehrgeiz beseelt. Sie suchte um Wildcards für die Turniere in Cincinnati, Toronto und für die US Open an, das Feuer war wieder entfacht. Auch wenn sie an einen Titelgewinn keinen Gedanken verschwendete. "Ich wollte wieder in den Rhythmus finden und mich an die Umgebung gewöhnen", sagte Clijsters, die für ihr Comeback hart schuftete und dabei nicht nur einmal ordentlich geflucht haben will.
Clijsters scheint körperlich die Alte, geistig aber gereift zu sein. "Ich kann mich besser auf das Spiel, auf meine Emotionen einstellen. Das ist gerade in großen Spielen wie diesen wichtig", konstatierte die Flämin, die in den vergangenen Monaten auch den Tod ihres Vaters und langjährigen Förderers Leo verarbeiten musste ("Ich spüre stets seine Präsenz"). Halt findet sich auch bei Ex-Profi-Basketballer Brian Lynch, der sie 2007 in ihrer flämischen Heimatstadt Bree ehelichte. Noch 2004 hatte sie den vereinbarten Hochzeitstermin mit dem australischen Tennis-Profi Lleyton Hewitt nur Wochen davor platzen lassen.
Indirekt führte Clijsters, die 2003 als erste Belgierin Platz eins der Weltrangliste einnahm, auch Sybille Bammer als Vorbild an. Die Ottensheimerin war bisher die einzige Frau mit Kind unter den Top-Hundert. "Sie macht das wirklich gut", befand Clijsters. "Und es ist schön zu sehen, dass das möglich ist."
Glaubt man Clijsters, spielt die Familie nach wie vor die erste Geige. "Mutter und Ehefrau zu sein, genießt meine Priorität", betonte sie nach dem US-Open-Triumph. Ein schnelles Ende der Doppelbelastung ist offensichtlich aber kein Thema. "Ich habe Glück, beides kombinieren und dabei auf die Unterstützung meiner Familie zählen zu können."
Features
Fotoserie
Fakten
Geburtsdatum: 8. Juni 1983
Geburtsort: Bilzen/Belgien
Wohnort: Bree/Belgien
Größe: 1,74 m
Gewicht: 68 kg
Familienstand: Verheiratet, 1 Tochter (Jada Ellie, 18 Monate)
WTA-Tour-Debüt: 1999
Karrierepause: Mai 2007 - August 2009
Rechtshänderin
Beste Platzierung in der Weltrangliste: 1. (August 2003, insgesamt 19 Wochen)
Turniersiege: 35 - davon 2 Grand-Slam-Titel (US Open 2005 und 2009)
Beste Resultate bei Grand Slams
- Australian Open: Finalistin 2004
- French Open: Finalistin 2001 und 2003
- Wimbledon: Semifinalistin 2003 und 2006
- US Open: Siegerin 2005 und 2009, Finalistin 2003















