Top-Favorit Andy Roddick fliegt aus dem Bewerb
Weltranglisten fünfter Andy Roddick verlor das Duell gegen John Isner und ist somit ausgeschieden. Auch die topgesetzte Russin Safina ist out. Köllerer spielt heute.

Foto © APAAndy Roddick
Mit einigen gewaltigen Überraschungen ist am Samstag der sechste Tag der mit 21,664 Mio. Dollar dotierten US Open in New York zu Ende gegangen. Der als Nummer 5 gesetzte Andy Roddick, der nach seinem sensationellen Wimbledon-Auftritt (hauchdünne Finalniederlage gegen Roger Federer) als einer der Favoriten gehandelt worden war, musste sich seinem mit 2,06 Metern riesenhaften Landsmann John Isner mit 6:7,3:6,6:3,7:5,6:7 geschlagen geben.
Die zweite Sensations-Niederlage kam eigentlich gar nicht so überraschend: Denn die topgesetzte Dinara Safina hatte schon in den Runden davor viel Mühe gehabt. Die Weltranglisten-Erste, die damit ihren Wunsch, den ersten Major-Titel zu gewinnen, auf 2010 verschieben muss, unterlag der Tschechin Petra Kvitova mit 4:6,6:2,6:7(5). Bei den Damen ist damit das Achtelfinale komplett und erstmals seit 1976 sind nur noch 7 aus den Top 16 noch dabei.
"Schwer enttäuscht"
Roddick, der es gewohnt ist, seinen Gegner die Asse um die Ohren zu schießen, musste diesmal selbst 38 Asse sowie 42 Netzpunkte von Isner zur Kenntnis nehmen. "Ich bin glücklich für ihn, aber es macht mich verrückt, dass dies offensichtlich auf meine Kosten zustande kam", so ein schwer enttäuschter Roddick, dem viele seinen zweiten US-Open-Titel nach 2003 zugetraut hatten.
Der Weltranglisten-55. Isner war freilich mehr als nur froh. "Das ist natürlich der größte Sieg meiner Karriere", meinte der 24-jährige US-Amerikaner. "Bei manchen Punkten in diesem Match sind mir die Haare zu Berge gestanden", beschrieb er die Energie, die im Arthur-Ashe-Stadion geherrscht hatte.
Safina und Scharapova out
Die Atmosphäre des größten Tennis-Stadions der Welt blieb der Nummer 1 der Damen versagt. Wegen des langen Duells zwischen Roddick und Isner war das Match von Dinara Safina gegen Petra Kvitova (CZE) ins Louis-Armstrong-Stadion verlegt worden. Kvitova, die Weltranglisten-72., schaffte die Sensation im kleineren Stadion um 0:47 Uhr Ortszeit, nachdem sie zuvor drei Matchbälle abgewehrt hatte. Kvitova siegte mit 6:4,2:6,7:6.
"Ich bin die Nummer 1 der Welt, warum haben sie mich verlegt?", fragte Safina, die in ihren ersten beiden Matches zwei knappe Dreisatz-Siege errungen hatte. "Das ist keine Ausrede, aber ich denke, das war keine faire Entscheidung." Damit ist im ersten Viertel der Damen überhaupt keine Gesetzte mehr übrig.
Ausgeschieden war zuvor u.a. auch Maria Scharapowa: 21 Doppelfehler und damit insgesamt 63 unerzwungene Fehler waren zuviel. Nutznießerin war die erst 17-jährige US-Amerikanerin Melanie Oudin, die allerdings schon mehrfach bewiesen hat, dass sie diese Geschenke gar nicht nötig hat. So auch in Flushing Meadows, hat sie doch Mitfavoritin Jelena Dementjewa ebenfalls in drei Sätzen eliminiert. Oudin, deren Nachname sich wegen eines Urgroßvaters aus Frankreich französisch ausspricht, trifft nun auf Nadja Petrowa, bereits die vierte Russin in Folge.
Federer und Djokovic
Der fünffache US-Open-Titelverteidiger Roger Federer und der als Nummer 4 gesetzte Mitfavorit Novak Djokovic sind am Samstag in der dritten Runde in Flushing Meadows erstmals richtig gefordert worden. Federer setzte sich nach 2:33 Stunden im Duell der Tennis-Väter mit Lleyton Hewitt (AUS) mit 4:6,6:3,7:5,6:4 durch und sicherte sich damit, unabhängig vom weiteren Verlauf, dass er auch nach dem letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres die Nummer 1 der Welt bleibt.
Und auch Djokovic musste sich überraschenderweise gegen den unbekannten US-Amerikaner Jesse Witten, der als Nummer 276 der Welt und als Qualifikant bei seinem ersten zweiten Major-Turnier in die dritte Runde gekommen war, auch sehr plagen. 3:28 Stunden benötigte der Serbe zum 6:7,6:3,7:6,6:4 und Einzug ins Achtelfinale gegen Radek Stepanek (CZE-15).
Djokovic, in den ersten beiden Runden ohne Satzverlust, zeigte sich dabei nicht in so guter Form, erst nach einem Break zum 5:4 im vierten Satz waren die Weichen zum Sieg gesetzt.
Auch Federer wurde erstmals richtig getestet. Schon vor dem Match hatte er trotz zuletzt 13 Siegen en suite gegen den wieselflinken Australier Respekt gezeigt. Federer gelang die Vorentscheidung mit einem Break zum 7:5 im dritten Satz. Zwar verkürzte Hewitt im vierten Satz noch einmal von 1:5 auf 4:5, dann war Federer aber durch. Er trifft nun auf Tommy Robredo (ESP), der sich in drei Sets gegen James Blake durchsetzte.
"Ich bin erleichtert, durchgekommen zu sein", gestand Federer. "Wenn man gegen Lleyton einen Satz zurück liegt, dann ist das immer eine schwierige Situation. Mach einen Fehler mehr und Du bist vielleicht im fünften Satz, oder verlierst."
Weitergekommen sind im Herrenbewerb auch Nikolaj Dawydenko, der den Lauf des Schweizers Marco Chiudinelli mit einem Dreisatz-Sieg stoppte, und Radek Stepanek. Der Tscheche, nun Gegner von Djokovic, machte zunächst Tommy Haas mit einem Vier-Satz-Sieg über Philipp Kohlschreiber zum letzten Deutschen im Hauptbewerb. Dieser kämpfte gegen Fernando Verdasco (ESP-10) zwar wie ein Löwe, musste sich nach 3:45 Stunden aber mit 6:3,5:7,6:7(8),6:1,4:6 geschlagen geben. Verdasco bekommt es nun mit Isner zu tun, Dawydenko mit Paris-Finalist Robin Söderling, der den US-Open-Series-Sieger Sam Querrey (USA) ausschaltete.
Damit war Daniel Köllerer kurioserweise neben Roger Federer der letzte Akteur im Einzel aus dem deutschsprachigen Raum (bei Damen und Herren). Köllerer trifft am Sonntag im dritten Match nach 17:00 Uhr MESZ allerdings auf den als Nummer 6 gesetzten Argentinier Juan Martin del Potro und ist klarer Außenseiter.













