Respekt für Haas: Rückschläge machten ihn stark
Er war dicht dran zu verzweifeln. Die Schmerzen in der rechten Schulter wollten nicht verschwinden und machten das Dasein des Tennisprofis Thomas "Tommy" Haas zu einer Tortur - ohne Aussicht auf Besserung.

Foto © GEPADer Schwarzenegger-Freund feiert auf Rasen seinen zweiten Frühling
"Warum ich nicht aufgegeben habe, weiß ich selber nicht so genau. Aber die Zeit ohne Tennis hat mir gezeigt, wie wichtig mir mein Sport ist." Doch wirklich reden will er über das "Tal der Tränen" nicht mehr. "Ich stehe im Halbfinale von Wimbledon gegen Roger Federer - das ist, was zählt", meinte er nach dem tollen Viertelfinalsieg gegen den Serben Novak Djokovic.
Der "Heilige Rasen" war für den 31-Jährigen bisher mehr Fluch als Segen. Zum elften Mal ist er im All England Lawn Tennis Club dabei. Doch seinen Frieden mit dem grünen Gras hat der Halle-Sieger erst jetzt gemacht, wo es gegen den übermächtigen Federer geht. Haas, dessen Vater aus Graz stammt und seinerzeit mit Arnold Schwarzenegger die Schulbank gedrückt hat, hat das Einmaleins des Tennis bei Nick Bollettieri in Florida erlernt und war dazu schon mit 13 Jahren "ausgewandert".
Rückschläge. Seine Karriere war von vielen Rückschlägen geprägt, auch in Wimbledon: 2005 - als er vor dem ersten Match auf einen Tennisball trat und mit Bänderriss abreiste. Oder 2007 - als er sein bestes Ergebnis vorlegte, im Achtelfinale gegen Federer aber wegen eines Risses in der Bauchmuskulatur nicht antreten konnte. Oder 2002 - als er in Wimbledon gar nicht antrat, weil seine Eltern nach einem Motorrad-Unfall um ihr Leben rangen. Damals stand ihm übrigens der erwähnte Schwarzenegger zur Seite, ein Umstand, den Haas bis heute nicht vergessen hat.
Viel Zeit bei Ärzte. Doch ohne die Verletzungen, Rückschläge und persönlichen Sorgen wäre die märchenhafte Rückkehr in die Belle Etage des Tennis kaum möglich gewesen. Der Luftikus von einst, der in 14 Profijahren auf allen Belägen Titel (12) gewann und am 13. Mai 2002 einmal Platz zwei der Weltrangliste belegte, ist ein Musterprofi geworden. Vieles im Leben ist ihm nicht mehr selbstverständlich. Dazu hat er zu viel Zeit bei den Ärzten zugebracht. Die Schulter, die am 20. Dezember 2002 bei einem Spezialisten in New York zum ersten Mal operiert wurde - zwei weitere folgten -, erinnerte ihn immer wieder an die Schattenseiten.
Zwangspause. Selbst der stete Kreislauf von Schmerzen, Zwangspause und Comeback zermürbte ihn nicht vollends. "Es ist erstaunlich, wie schnell er jedes Mal wieder Top-Niveau erreicht hat", sagte Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen, der bei den All England Championships eine Woche lang Berater, Freund und Sparringspartner war. Das Team um den ältesten Spieler im Turnier ist der Stützpfeiler des neuen Aufschwungs, der spätestens mit dem Titel in Halle vor Wimbledon dokumentiert wurde.
Magische Hände. Allen voran steht wohl Physiotherapeut Alex Schober. Dieses Geld hatte Haas immer sparen wollen. Doch der Münchner mit den magischen Händen, der schon Pete Sampras "geknetet" hat, ist offenbar jeden Cent wert. "So gut wie im Moment habe ich noch nie aufgeschlagen", erzählte Haas wie zum Beweis dafür, wie prächtig es seiner Schulter nach den Behandlungen geht.
Schauspielerin Sara Foster. Die gute Seele im Haas-Team ist natürlich eine Frau: die amerikanische Schauspielerin Sara Foster. Ihre herrlich normale Art, bescheiden im Hintergrund, tut dem Sonnyboy von einst gut. So gut, dass er immer öfter vom Heiraten spricht. "Warum nicht - schau'n wir mal."














