Bei Melzer spielt der Kopf nicht mit
Wie erwartet hatte Jürgen Melzer in Madrid gegen Rafael Nadal mit 3:6, 1:6 das Nachsehen. Die bisherige Saison servierte für Österreichs Nummer eins viele Tiefschläge. Eine Analyse.

Foto © GEPAJürgen Melzer
Einen Tag vor dem Daviscup-Hit gegen die Deutschen Anfang März in Garmisch hatte die Presse unserer Erzrivalen geätzt: "Wenn Melzer auf dem Tennisplatz nur halb so erfolgreich wäre wie bei den weiblichen Kolleginnen, würde er längst unter den Top 10 stehen." Melzer wollte auf diese Häme mit "Champagner-Tennis" antworten, doch wurde Garmisch für den Niederösterreicher zum Waterloo.
Outing. Österreich verlor 2:3 - die Hauptschuld trug Melzer, der gegen Philipp Kohlschreiber einen sicheren Sieg aus der Hand gab und im Doppel seinen Dienst an der Nation verweigerte. Erst Wochen danach servierte der 28-Jährige ein einsichtiges Outing: "Die Kritik an meiner Person war berechtigt. Mit dem Daviscup habe ich mir viel zerstört: Mein Selbstvertrauen und meinen Ruf."
Selbstvertrauen fehlt. Wie schon so oft scheiterte Melzer auch in Garmisch an sich selbst. Denn im Tennis steht nun einmal die mentale Stärke mit in vorderster Reihe. Und genau dort liegt die größte Schwäche des Österreichers. Es fehlen die Abgebrühtheit und das nötige Selbstvetrauen, um im entscheidenden Moment das Beste aus sich herauszuholen. "Ich werde hingegen immer unsicher, verliere meinen Plan und fühle mich dann wie gelähmt", gesteht er.
Große Chance vertan. Wie jedes Jahr startete der Linkshänder auch heuer top motiviert in die Saison. Die Aussichten waren gute, hatte Melzer doch im Frühjahr kaum Punkte zu verteidigen. Doch wie jedes Jahr zerbrach der Traum vom Einzug in die Top 20 an unnötigen Erstrunden-Pleiten. "Ich kapier's nicht - vielleicht setze ich mich selbst zu sehr unter Druck", sucht Melzer nach einer möglichen Erklärung.
Rückfall. Bis dato hat er in dieser Saison erst 330 ATP-Punkte gesammelt - trotzdem spuckte ihn am Montag die Weltrangliste als 27. und damit mit seinem bisher besten Ranking aus. Doch patzt die heimische Nummer eins in dieser Tonart weiter, so droht ihm ein tragischer Rückfall. Denn bis nach den US Open hat Melzer 1200 Punkte zu verteidigen.
Überzeugt. Dass ihm ein erster Schritt in diese Richtung in der zweiten Runde von Madrid verwehrt bleiben würde, war abzusehen. Immerhin musste sich Melzer Tennis-Dominator Rafael Nadal stellen. Und so hieß es am Ende auch wenig überraschend 6:3, 6:1 aus Sicht des Spaniers. Melzer: "Trotzdem bin ich überzeugt, das Zeug für die Top 20 zu haben." Gut gebrüllt! Doch was jetzt noch fehlt, sind die Beweise.
Features
Jürgen Melzer
Geboren: 22. Mai 1981
Wohnort: Wien
Aktuelles Ranking: 27
Preisgeld: 3,108.078 Millionen Dollar
Trainer: Joakim Nyström
Größte Erfolge: ein Einzel-Titel (Bukarest 2006), sechs Final-Einzüge sowie vier Doppel-Titel
Foto

Nadal ist nicht zu schlagenFoto © Reuters













