Fortsetzung des Interviews
Eure tragische Geschichte hat in der Bevölkerung eine große Anteilnahme ausgelöst. Hat Dich das überrascht?
KLEMENSCHITS: Ja, denn das ist alles andere als selbstverständlich. Wir sind jedem, der für uns gespendet hat, zu großem Dank verpflichtet. Die Anteilnahme hat auch Dani sehr viel Kraft gegeben - ich weiß das.
Hast Du ihren Tod schon ein wenig verarbeiten können?
KLEMENSCHITS: Es geht mir damit einmal gut und einmal weniger gut. So etwas dauert eben seine Zeit. Ich versuche jetzt, in die Zukunft zu blicken und mir neue Aufgaben zu stellen. Daniela wird immer meine Schwester bleiben, aber ich will mich nicht mehr fallen lassen und versuchen, Spaß am Leben zu haben. Dass soll aber nicht heißen, dass ich Daniela aus meinem Leben, meinen Gedanken verbannen will. Im Gegenteil, wenn ich in Bad Gastein auf den Platz gehe, werden wir eine CD von Dani spielen, wo sie ein eigenes Gedicht und vier Lieder aufgenommen hat. Ich freue mich schon sehr darauf, denn so etwas gibt mir Kraft und ist ein Dankeschön an alle. Dani war ein super Mensch - ich weiß, dass das in ihrem Sinn ist.
Hat sich Deine Einstellung gegenüber dem Leben geändert?
KLEMENSCHITS: Ich weiß jetzt, dass es im Leben nichts Wichtigeres gibt als jede Sekunde zu genießen und seine Gesundheit zu schätzen. Das will ich jetzt machen. Gesundheit und auch Familie waren in meinem bisherigen Leben zwar auch schon immer vorrangig, doch will ich das alles jetzt noch mehr intensivieren.
Bist Du gläubig?
KLEMENSCHITS: Nicht unbedingt. Aber ich spüre, dass zwischen Daniela und mir nach wie vor eine Verbindung besteht. Wir waren eineiige Zwillingsschwestern. Vielleicht habe ich deshalb auch das Gefühl, wenn ich im Bett bin, dass sie neben mir liegt. Außerdem spüre ich ab und zu, dass sie da ist und mit mir spricht. Und ich spreche auch mit ihr.
Für Dich beginnt jetzt quasi ein zweites Leben. Gibt es da irgendeinen Traum, denn Du Dir erfüllen möchtest?
KLEMENSCHITS: Nein, eigentlich nicht. Ich bin mit meinem jetzigen Leben prinzipiell zufrieden. Ich will auch nicht weg von hier, auf eine Insel oder so - Österreich ist ein sehr schönes Land. Die Hauptsache ist, dass ich gesund bleibe.
Ich habe gehört, dass Dich Kurt Waltl auch weiterhin so gut wie möglich unterstützen wird.
KLEMENSCHITS (lacht): Ja, er ist in Bad Gastein sogar unser Betreuer. Und er macht seine Sache auch wirklich gut. Er versprüht viel Optimismus und wir gehen voll positiv an das Ganze heran. Aber er wird mir natürlich auch abseits des Tennisplatzes weiterhin stets zu Seite stehen. Er ist einfach der Beste. Er ist ein Geschenk Gottes. Jemanden wie ihn zu haben, ist das Schönste was einem passieren kann.
Weißt Du auch schon, wie es bei Dir nach Bad Gastein weitergehen wird?
KLEMENSCHITS: Wie gesagt, ich mache derzeit in Innsbruck die Ausbildung zur Tennistrainerin. Und die Herausforderung ist groß, denn ich habe rasch gemerkt, dass ein guter Spieler nicht automatisch auch ein guter Trainer ist. Im September haben wir Prüfung - das wird bestimmt nicht einfach. Aber man darf im Leben vor nichts davonlaufen, man muss sich im Leben allem stellen.
Features
Sandra Klemenschits
- Geboren: 13. November 1982
- ^Wohnort: Anif
- Karriere-Preisgeld: 89.214 Dollar
- Bilanz, Einzel: 151:100-Siege; Doppel: 216:148-Siege
- Höchstes Ranking, Einzel: 318; Doppel (mit Daniela): 95
- Größte Erfolge: 5 ITF-Einzel- und 20 ITF-Doppel-Titel
Spenden für Sandra
Volksbank Salzburg, Konto-Nummer.: 067025; Bankleitzahl: 45010













