Wimbledon-Titel für Venus Williams nach Sieg über Serena
Fünfter Einzel-Titel nach 111 Minuten in Wimbledon für die ältere der beiden Geschwister, Venus. Siegerin: "Kann nicht glauben, dass es jetzt fünf sind".

Foto © ReutersÄrger bei der "kleinen" Schwester: Serena verlor im Finale gegen Venus Williams
Venus Williams hat ihren Vorjahres-Titel im "Sister Act" in Wimbledon gegen Serena Williams erfolgreich verteidigt. Die 28-jährige US-Amerikanerin rang ihre 13 Monate jüngere Schwester nach 1:51 Stunden mit 7:5,6:4 nieder und holte damit nach 2000, 2001, 2005 und 2007 bereits ihren fünften Siegerscheck beim traditionsreichsten Tennisturnier der Welt in London. Während Venus den "Venus-Rosewater-Teller" gen Himmel streckte und dafür auch rund 945.000 Euro kassierte, musste sich die sichtlich enttäuschte Serena mit der Hälfte des Preisgeldes begnügen.
Windiger Samstag.
Venus verkürzte an diesem windigen Samstag an der Church Road damit im Head-to-Head auf 8:9 und hat im dritten Anlauf erstmals ein Wimbledon-Finale gegen ihre Schwester gewonnen. Für die 1,85 m große Venus war es ihr insgesamt siebenter Grand-Slam-Erfolg, die beiden weiteren hatte sie 2000 und 2001 in Flushing Meadows bei den US Open für sich entschieden.
Jetzt sind's fünf.
"Ich kann nicht glauben, dass es jetzt fünf sind", sagte Venus Williams, die hinter Martina Navratilova (9 Titel), Steffi Graf (7) und Billie Jean King (6/davon 2 Titel vor 1968) nun die Nummer vier der siegreichen Tennisprofis auf dem "Heiligen Rasen" ist. Nach einer durchwachsen verlaufenen Saison war es ihr erster Turniersieg des Jahres, nachdem die Weltranglisten-Siebente wie ihre Schwester bei den Australian Open im Viertelfinale und bei den French Open sogar schon in der dritten Runde gescheitert war.
Eigene Kollektion.
In ihrer selbst entworfenen Tennis-Kollektion musste Venus Williams zunächst allerdings einen verschlafenen Beginn wiedergutmachen. Denn die einen Platz besser eingestufte Serena trumpfte in ihrem engen weißen Kleid zunächst mächtig auf. Mit großen silbernen und mit Edelsteinen besetzten Reifen in den Ohren, spielte sie so druckvoll auf, als wolle sie schon in den ersten Ballwechseln für klare Verhältnisse sorgen. Auf dem vor allem an den Grundlinien kahl gewordenen Rasen des neuen Center Courts nahm sie ihrer Schwester gleich den Aufschlag ab.
Eiskalt.
Doch die 2:0-Führung hatte nicht lange Bestand. Die Titelverteidigerin war nicht gewillt, ihrer kleinen Schwester hilfreich den Vortritt zu lassen. "Als große Schwester fühle ich mich immer irgendwie verantwortlich", hatte Venus Williams einmal gesagt, ohne damit den Grund dafür zu konstruieren, warum sie von den bis dato sechs Grand-Slam-Finali nur das erste 2001 bei den US Open gewonnen hat. Im entscheidenden Moment blieb Venus Williams eiskalt und holte sich mit dem zweiten Break nach 53 Minuten den ersten Satz.
Entschlossenheit.
Eine Vorentscheidung war das noch nicht. Das zeigte sich schonungslos im dritten Spiel des zweiten Satzes, das Serena nach 13 Minuten gewann und Venus damit den Aufschlag abnahm. Das Kreischen und Ächzen hüben und drüben des Netzes wurde nun noch lauter. Aber Venus kämpfte diesmal zurück mit einer Entschlossenheit, der wohl auch die früh ausgeschiedenen Maria Scharapowa, die 2004 gegen Serena Williams siegte, und French-Open-Gewinnerin Ana Ivanovic nicht standgehalten hätten.
"Heiliger Rasen".
Nach dem Rebreak jedenfalls ließ sich Venus auf keine Kompromisse mehr ein und brachte ihren insgesamt siebenten Grand-Slam-Titel unter Dach und Fach. Für Serena Williams blieb nur der Trostpreis und der knappe Vorsprung im schwesterlichen Wettstreit. Denn noch hat sie einen Grand-Slam-Titel mehr auf ihrem Konto, wenngleich Venus in Wimbledon mit 5:2 Triumphen klar im Vorteil ist. "Es ist ein großer Tag für unsere Familie", sagte die Verliererin und verließ im weißen Trenchcoat den "Heiligen Rasen".
Chancen waren da.
Serena hätte es durchaus in der Hand gehabt, das Endspiel zumindest in einen dritten Satz zu bringen. Von 13 Breakbällen nützte die Nummer 6 des Turniers nur zwei, während ihre Schwester mit 4 von 7 Möglichkeiten eine bessere Chancenauswertung aufwies. Da nützten Serena 9 gegenüber nur 4 Assen von Venus ebenso nichts wie 32 Winner gegenüber 27. Am Ende hatte Venus neun Punkte mehr gemacht als die insgesamt achtfache Major-Gewinnerin.
Gemeinsamer Doppel-Titel.
Venus und Serena hatten am späteren Nachmittag einen weiteren Titel in die Familie zu holen: Die beiden waren im Doppel-Finale gegen Lisa Raymond/Samantha Stosur (USA/AUS) klare Favorits. "Serena hat auch einen Titel verdient, jetzt werde ich noch mehr kämpfen", versprach Venus ihrer Schwester.













