"WM verschieben, Weltcup verkürzen"
FIS-Präsident Gian-Franco Kasper plant eine Revolution im Schisport. Der Osten soll Weltcup-Rennen bekommen, vor dem WM-RTL gibt es eine Qualifikation und der Nationenwechsel für Läufer wird erschwert.

Foto © APGian-Franco Kasper bei der Eröffnung
Noch bevor am Freitag die 39. Alpine Schi-WM in Aare eröffnet wurde, ging FIS-Präsident Gian-Franco Kasper mit seinen revolutionären Ideen in Sachen Schisport an die Öffentlichkeit. Geht es nach dem Schweizer, bleibt kein Stein auf dem anderen.
Qualifikation für WM-RTL: Erstmals in der WM-Geschichte gibt es vor einem Rennen eine Qualifikation. "Wenn der Schisport ein Weltsport sein will, darf man keine Nation ausgrenzen. In Schweden sind über 150 Herren für den RTL genannt. Aus TV-Gründen sollen aber nur 75 in den Kampf um Medaillen gehen. Die ersten 50 der Weltrangliste sind fix dabei, der Rest fährt um 25 Startplätze", erklärte Kasper.
Zukunft der WM: Bis 2011 bleibt alles beim Alten. "Ab 2013 könnte alles anders werden. Da denken wir daran, die Veranstaltung erst Ende Februar durchzuführen, dafür die Nordische WM auf Anfang Februar vorzuziehen. Die Dauer der alpinen WM wird von 16 auf zwölf Tage verkürzt, die Abfahrtstrainings sind noch vor der Eröffnung geplant. So sparen wir Tage", verriet der erste "Schifahrer der Welt".
Auswirkungen auf den Weltcup: Der sollte dann vor der Weltmeisterschaft enden. "Einigen wir uns darauf, würde das weniger Rennen bedeuten", berichtete der Chef, "was angesichts des Klimawandels nicht falsch wäre, denn Anfang März werden Abfahrten in unseren Kernländern immer mehr zu einem Glückspiel."
Weltcuprennen im Osten und Asien: Mit 18 Millionen Euro Entwicklungshilfe unterstützte die FIS im vergangenen Jahr aufstrebende und neue Mitglieder. "Früher waren darunter auch Kirgisistan, Kasachstan, Weißrussland usw. Jetzt haben sie Investoren gefunden und tolle Schistationen hingebaut. Klar wollen nun auch diese Länder im Weltcup mitspielen. Wir werden uns dagegen nicht wehren können. Es muss aber allen klar sein - das kann nur zu Lasten des Westens gehen. Mehr Weltcuprennen wird es nicht geben", stellte der Schweizer klar.
Nationenwechsel für Läufer: Das ist Kasper ein "besonderer Dorn im Auge". Daher will der FIS-Vorstand noch in Åre einen Vorschlag ausarbeiten. "Die Verbände bilden Leute aus, investieren bis zu einer Million Euro in einen Läufer. Und nur, weil der dann nicht mehr im Kader ist, wechselt er die Nation. Wer in Zukunft für ein anderes Land an den Start gehen will, muss mindestens zwei Jahre in diesem Staat wohnen, dort seinen Lebensmittelpunkt haben", sagte Gian-Franco. Auch das Internationale Olympische Comittee denkt an eine Aufnahme dieses Passus.
Arbeitsfreiheit in der EU: Die ist für den Schi-Chef trotzdem "kein Problem. "Im Weltcup gehen ja nicht Klubs, sondern Nationalteams an den Start. So kann es diesbezüglich keine Probleme geben. Auch im Fußball wird nie ein Brasilianer für Österreich die Tor schießen können."
Features
Steckbrief
Geboren am 24. Jänner 1944 in St. Moritz
Verheiratet mit Heidi Schiess, ein Sohn (Gian, 29)
Wohnort: Thun (Schweiz)
Karriere: Präsident des Internationalen Schi-Verbandes FIS seit 1998, Präsident der Vereinigung der Internationalen Olympischen Wintersport-Verbände AIOWF (2000 bis 2002





