Wenn er nur aufhören könnt' . . .
Mit knapp 42 Jahren ist Patrik Järbyn eine Art Methusalem im alpinen Schisport. Aber noch hat der Schwede nicht genug vom Schisport.

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Er ist vielleicht der Einzige, der dem Kitzbüheler Schlechtwetter Positives abgewinnen kann. Schließlich erholt sich Patrik Järbyn gerade von einer Gehirnerschütterung, die er sich in Wengen geholt hat. Beim Sturz nach der Minsch-Kante. Eigentlich sind Weltcup-Abfahrten ja auch kein Ort, an dem man 41-Jährige erwarten würde. Järbyn ist trotzdem nach wie vor hier. "Ich hätte sicher Besseres zu tun", sagt er lachend. Und ergänzt: "Aber meine Liebe zum Schisport überbietet einfach alles. Außer die zu meiner Familie. Ich freue mich über jeden Tag, den ich auf Schiern stehen darf."
Verletzungen und Schmerz
Jeder, sagt Järbyn, müsse den Zeitpunkt, um aufzuhören, für sich finden. Und dann mit dieser Entscheidung leben. Bei ihm sei dieser Zeitpunkt eben noch nicht gekommen. "Ich habe das Gefühl, dass noch was Besseres kommt. Ich kann ja nicht sagen, dass ich noch einmal gewinnen werde, weil ich noch nie gewonnen habe, aber vielleicht kommt eines Tages doch noch mein Tag."
In Wengen kam er nicht, Järbyn landete im Netz. Diagnose: Gehirnerschütterung. Trotzdem will er in Kitzbühel starten. "Alle Klassiker sind toll. Aber ich liebe Kitzbühel . . . Wenn es ein Rennen gibt, das ich gerne gewinnen würde, dann dieses. Noch vor einer WM oder Olympia." Die Sehnsucht zu siegen - vielleicht ist es das, was ihn noch antreibt. Ein Mal war der Schwede bisher Zweiter, 1998 in Kvitfjell, hinter Hans Knauß. Sechs Jahre später lernte er übrigens seine heutige Frau Randi kennen, die die Tochter des Besitzers des Kvitfjell-Schigebietes ist. "Sie unterstützt mich. Und mit ihr habe ich im Frühjahr auch ausführlich gesprochen, bevor ich gemeint habe, doch noch weiterzufahren."
Zwei Mal war Järbyn zudem Dritter in Weltcup-Rennen, der Sprung nach ganz oben blieb ihm verwehrt. "Ganz einfach deswegen, weil ich nicht gut genug bin", sagt er erstaunlich offen. "Aber ich merke nach wie vor eine Steigerung", ergänzt er dann. Auch mit 41 Jahren. Und obwohl der Sieg fehlt, ist er stolz: "Schau, ich komme aus Borås, nahe Göteborg. Da gibt es einen Hügel mit 250 Metern Länge. Dafür bin ich doch weit gekommen, ich messe mich mit den Besten der Welt, den Besten der Erde!"
Bei der Heim-WM 2007 in Åre war er die Sensation. Der Verband warf ihn im Sommer davor aus dem Kader, Järbyn trainierte auf eigene Kosten. "Das war teuer, aber lehrreich. Du weißt dann, wer deine Freunde sind." Sein Triumph: Er gewann Bronze in der Abfahrt, die einzige Medaille für Schwedens Herren in Åre.
Einzelkämpfer
Järbyn war lange Einzelkämpfer. Erst seit drei Jahren hat er mit Hans Olsson einen Teamkollegen: "Man kann sich nicht vorstellen, wie viel leichter das alles macht. Man hat Ansprache, Herausforderung, Ablenkung. Da haben die Österreicher oder Schweizer schon einen großen Vorteil", sinniert er. Und vergisst nicht, seine Trainer, Helmut Krug und den Südtiroler Luis Prenn, zu loben: "Sie leisten tolle Arbeit."
Seit 1992 ist er jetzt auf den Weltcup-Pisten unterwegs, Stürze haben Spuren hinterlassen: "Ich wurde nicht verschont. Gerissene Kreuz- und Innenbänder, die Zähne eingeschlagen, alles. Aber ich hab' keine Schmerzen."
Noch ist er nicht fertig mit dem Schisport, auch wenn er nichts verdient. Järbyn: "Ich hatte nie einen Sponsor. Aber ich sage mir: Lieber Schulden nach der Karriere, als sich mit 60 zu sagen: Warum hab' ich aufgehört? Wäre ich doch noch ein Jahr gefahren."
Bald wird er mehr Zeit für die Söhne Erik und Lukas haben - für die er nur einen Wunsch hat: "Hoffentlich wollen sie nicht Schi-rennfahrer werden."





