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Zuletzt aktualisiert: 16.02.2009 um 18:45 UhrKommentare

Pranger zurück in Gschnitz: Hier wird groß gefeiert

Der Postler hat Manfred Prangers Goldmedaille prophezeit, das Tal ist aus dem Häuschen. Und der Slalom-Held ist trotz durchwachter Nacht munter.

Manfred Prangers nach seinem Sieg im WM-Slalom

Foto © APManfred Prangers nach seinem Sieg im WM-Slalom

Die Gefahr, dass man sich im tirolerischen Gschnitz gegenseitig auf die Zehen steigt, ist wirklich verschwindend klein. Schließlich breitet sich Gemeinde am Ende des Tiroler Gschnitztals nahe der Südtiroler Grenze auf 59 Quadratkilometer aus. Bei gerade einmal 423 Einwohnern. Hier lebt und liebt man noch seine Freiräume. Auch gestern, am Tag danach, am Tag nach dem WM-Titel von Manfred Pranger, ist auf der langgezogenen Dorfstraße nicht gerade viel los. Und doch ist vieles anders: Im Gemeindeamt läutet das Telefon im Minutentakt, von den Balkonen wehen rot-weiß-rote Fahnen und liebevoll gestaltete Glückwunsch-Transparente prägen das Ortsbild. Gschnitz ist stolz. Gschnitz ist Weltmeister. Einer, der dies prophezeit hat, klingelt gerade bei den Prangers an: Erich Gebauer, der Briefträger. Mit zwei Paketen unter dem Arm und aufgesetzter Fanklub-Kappe. "Nach dem Herren-Super-G habe ich gesagt, dass der Manni die einzige Herren-Goldene für Österreich holen wird." Gesagt, getan.

Entspannt. Oben, im zweiten Stock des neugebauten Zweifamilienhauses, erwartet uns ein total entspannter Slalom-Weltmeister. Gattin Karin wickelt gerade das 15 Tage alte Söhnchen Mario, während Manfred bei Kaffee und Kuchen von einer schlaflosen Nacht erzählt. Von 823 selbst gefahrenen Kilometern, von einem kulinarischen Zwischenstopp in Turin ("Unser Pressemann Robert Brunner hat uns wirklich fein eingeladen") und von einem improvisierten Empfang vor der Haustüre. "Verwandte und Bekannte haben nämlich auf uns gewartet. Bis vier Uhr morgens. Bei minus 14 Grad. Verrückt, aber wunderschön."

Kein Schluck Alkohol. Während die Familie noch einen allerletzten Sektkorken knallen ließ, beließ es der neue Weltmeister beim Anprosten. Seinem Credo "Kein Schluck Alkohol während der Saison" bleibt er nämlich treu. "Ich bin immer noch derselbe mit denselben Prinzipien." Das weiß auch Laura, Manfreds zweijähriger Sonnenschein. Also stand der Papa mit ihr um sechs Uhr morgens in der Puppenküche: "Kaffee machen."

Handy leutet pausenlos. Als es Tag wurde im tirolerischen Gschnitz, begann das Handy wieder zu läuten. Pausenlos. Gratulationen, Interview-Anfragen und die Nachricht vom Bürgermeister, dass am Samstag ab 16 Uhr ein großer Empfang steigt. "Zum SMS-lesen bin ich leider überhaupt noch nicht gekommen." Sagt einer, der an der Endstation Sehnsucht angelangt ist. "Endlich", nickt Pranger, "endlich muss ich dieser Medaille nicht mehr nachlaufen."

MAX ISCHIA

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