Benni Raich muss die Last auf den Schultern tragen
Österreichs Herren noch ohne Medaille - wieder einmal soll Benjamin Raich die Schi-Nation vor einer weiteren Pleite bewahren. Doch dem behagt die Rolle als Retter der Nation so gar nicht.

Foto © GEPA"Oldie" Benni Raich zählt zu den Favoriten in der Super-Kombi
Benjamin Raich ist es gewöhnt, dass man ihm immer alles zutraut. Um nicht zu sagen, dass Erfolg von ihm gefordert wird. Und in Zeiten, in denen die österreichischen Schi-Herren bei einer Schi-WM nach Super-G und Abfahrt ohne Medaille da stehen, ruft die Schi-Nation nach einem Retter: Benjamin Raich.
Retterrolle. "Ich war schon einige Male Hoffnungsträger, das stimmt schon", sagt Raich - und versucht ruhig zu bleiben. Denn davon, dass er wieder einmal als Retter der Nation in die Bresche springen soll, will er vor der Super-Kombination der Herren am Montag (10 Uhr Abfahrt/17 Uhr Slalom) schlicht nichts wissen.
Herren-Team
"Zu viel Druck".
"Ich habe am Start sicher nicht im Hinterkopf, dass ich die Nation retten soll. Und ehrlich: Das muss ich auch nicht. Wir haben schon oft genug gezeigt, dass die ganze Mannschaft schlecht ist. Wenn das Wohl der Nation aber jetzt auf einmal auf meinen und den Schultern meiner Kollegen in der Kombination liegt, dann wäre das wohl doch zu viel Druck", sagt Raich.
Selbstverständlich.
Nein, er wolle und werde sich nicht in diese Rolle drängen lassen. Denn es sei ohnehin selbstverständlich, dass er eine Medaille will. "Aber", sagt der 30-Jährige, "auch wenn in Österreich die Kombination nicht diesen Stellenwert hat: Es ist alles andere als leicht, eine Medaille zu machen."
Alpiner Universalist. Raich selbst schätzt die Kombination alles andere als gering: "Man muss in zwei grundverschiedenen Disziplinen gut fahren, man muss wirklich ein perfekter Allrounder sein. Das ist schwer genug, denn der Tag wird sehr, sehr lang." Und auch, wenn er die Last des Retters ablehnt, jene als Favorit kann er nicht abstreifen. "Ich habe zwar im Dezember hier gewonnen, aber es gibt genug andere, die stark sind: Grange, Miller, Ligety, Zrncic-Dim, Janka..."
Überraschung.
Österreicher nennt Raich, der "Senior" des ÖSV-Quartetts, nicht. Doch mit Romed Baumann spekuliert zumindest einer mit einer Überraschung: "ich fühle mich auf diesem Berg wirklich wohl. Und wenn alles klappt, dann kann ich durchaus auch um die Medaillen mitreden."
Erfahrungen.
Für Marcel Hirscher (19) und Bernhard Graf (20) geht es dagegen eher darum, Erfahrung zu sammeln. "Im Herbst habe ich mir gar nicht vorstellen können, bei der WM dabei zu sein", erzählte etwa Hirscher, der hier erst seine dritte Abfahrt bestreitet. "Und deswegen geht es für mich vor allem um eines: Erfahrung sammeln. Medaille wird es für mich keine geben", sagt er.






