Kathrin Zettel hat noch nicht genug
Kathrin Zettel stellte sich nach ihrem ersten Weltmeister-Titel der Presse und beschrieb den Augenblick des Erfolgs so: "Ein Moment, den ich länger haben will".

Foto © APAKathrin Zettel
Kathrin, haben Sie schon realisiert, dass sie nun
Weltmeisterin sind?
Zettel: "Ganz noch nicht, es war noch keine Zeit zum Nachdenken.
Ich bin bis jetzt von einem Medientermin zum anderen. Es ist einfach
ein Wahnsinnstag für mich. Ich freue mich irrsinnig, dass wir auch
mannschaftlich so stark sind, ein dritter Platz noch dazu. Ich
glaube, es ist heute echt ein Wahnsinn."
Was bedeutete Ihnen dieser WM-Titel?
Zettel: "Das ist unbeschreiblich, hier Gold zu holen. Und
überhaupt in der Kombination, das war nicht realistisch für mich,
weil da die Lindsey, die Maria, die Anja, obwohl die mit der Strecke
nicht ganz zusammengekommen ist, waren. Es ist der schönste, beste
Tag bis jetzt in meiner Karriere, ich hoffe, dass noch manche solche
Tage folgen."
Wie hört sich Weltmeisterin für Sie an?
Zettel: "Weltmeisterin hört sich traumhaft ab, aber ich muss mich
zusammenreißen, dass ich nicht umschaue, ob da nicht wer anderer
hinter mir steht, der noch schneller war. Voll cool ist das."
Wie schwierig war es im Ziel, auf Lindsey Vonn zu warten?
Zettel: "Das war nervenaufreibend. Lindsey kann im Slalom genau so
schnell fahren oder schneller als ich. Nach dem Fehler dachte ich
mir, das kann jetzt eng werden, als das dann inkorrekt war, ist mir
ein irgendwo rießengroßer Stein vom Herzen gefallen."
Woher nehmen Sie die Nervenstärke?
Zettel: "Ich habe keine Ahnung. Heuer habe ich einen sehr guten
Lauf, ich habe Rennen gewonnen, man wächst mit dem mit, lernt immer
neue Sachen dazu. Da wird man geprägt davon, da sieht man manches
lockerer und manches leichter."
Sie gehen auch gern auf die Jagd - ist das der Auftakt zur
großen Medaillenjagd in Val d'Isere gewesen?
Zettel: "Möglicherweise. Besser kann es fast nicht werden, aber
ich werde versuchen, dass ich ungefähr auf diesem Niveau weiterfahre.
Wir haben jetzt einen ganz guten Schnitt - zwei Rennen, drei
Medaillen. Aus Damensicht können wir nicht meckern. Und es stehen
noch ein paar Rennen vor der Tür, ich hoffe, dass da noch was möglich
ist."
Gewähren Sie uns einen Blick in Ihre Gefühlswelt, Sie
wirken so ruhig...
Zettel: "Tränen werde ich vielleicht am Abend bei der Siegerehrung
vergießen. Ich denke, ich werde schon groß feiern und mir das nicht
entgehen lassen, denn morgen habe ich frei, da können wir uns schon
was gönnen. Ich bin ziemlich durcheinander momentan. Ich werde ein
bisserl von einem Eck ins andere geschupft derzeit, habe lauter
Fragen zu beantworten, auf Englisch auf Deutsch. Ich bin gerade ein
bisserl überfordert, habe aber eine Riesenfreude. Ich bin auch ruhig
irgendwo, denn das ist einfach ein Moment in meinem Leben, den ich
auch genießen möchte und ein bisschen länger haben möchte."
Der Schlüssel zum Erfolg war die Abfahrt - wie haben Sie
die als Technikerin so gut gemeistert?
Zettel: "Im oberen Teil war ich sehr schnell, herunten habe ich
durch einen blöden Fehler verloren, da war ein Schlag nach der
Schrägfahrt, den habe ich in keinem von den beiden Trainings gut
erwischt und heute auch nicht. Auch heute habe ich wieder Zeit
aufgerissen, aber trotzdem bin ich sehr zufrieden mit der
Abfahrtsleistung, weil ich nicht so oft auf langen Bretteln stehe,
und dafür passt es ganz gut."
Kann Sie nach wie vor niemand überreden, die Spezialabfahrt
zu fahren?
Zettel: "Nicht unbedingt. Ich brauche meine Kraft für die anderen
Rennen, und das werde ich auch so machen."






