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Zuletzt aktualisiert: 03.02.2009 um 19:25 UhrKommentare

Österreich ist der Weltmeister der Analyse

Um die richtige Linie für den WM-Berg zu finden, gibt es eine riesige Datenmenge - exklusiv für Österreich.

Herren-Boss Toni Giger

Foto © GEPAHerren-Boss Toni Giger

Sie ist eines der größten Geheimnisse der Schi-Nation Nummer eins - die Suche nach der Ideallinie, die ein Analyse-System ausspucken soll. Doch genau auf der "Face de Bellevarde", wo am Mittwoch um Super-G-Gold gefahren wird, "wissen wir so wenig wie sonst nirgends", sagt Martin Sparber, neben Herren-Boss Toni Giger der Chef-Analytiker. Die Strecke wird erstmals seit Olympia 1992 und der WM-Generalprobe im Dezember wieder befahren. Wobei die ÖSV-Rechner glänzend tiefstapeln. "So wenig" heißt im Detail: 50 Gigabyte Datenmaterial.

"Super, super, super Zeitlupe". Das ermittelten die ÖSV-Trainer. Giger legte eine GPS-Uhr - wie sie keine andere Nation hat -, an, um Strecken- und Höhenprofile zu erstellen. An acht Positionen werden die Trainer am Donnerstag die Strecke im Abfahrtstraining säumen, um mit zehn Kameras jede Bewegung der Österreicher einzufangen. Eine Gegenhang-Kamera liefert die andere Perspektive, eine Highspeedkamera 250 Bilder pro Sekunde. "Diese super, super, super Zeitlupe zeigt jeden kleinen Fehler gnadenlos", erklärt der Südtiroler Sparber: "Zum Beispiel auch jede Schwingung und Biegung der Schier."

Wettbewerbsvorteil. Über viele Jahre hat der ÖSV das System mit der Uni Innsbruck entwickelt. Den Wettbewerbsvorteil - vor allem mit Head-To-Head-Analysen - will der ÖSV nicht teilen. Sparber: "Wir haben viele Anfragen, aber die gehört exklusiv uns." Die Erkenntnisse sollen streng geheim bleiben. Giger verrät nur: "Das Geschwindigkeitsprofil auf der Abfahrt ist anders als sonst. Das ist ,Stop and Go'. Erst bremst du, dann beschleunigst du voll."

Analyse. Etwa eine Dreiviertelstunde lang analysieren die Trainer mit jedem Läufer einzeln das Datenmaterial. Und versuchen, ihnen dann bei der Besichtigung den rechten Weg zu erklären. "Hier gibt es eine Ideallinie, die lässt sehr wenig Spielraum", sagt Sparber. Ob das dem feinfühligen Fahrer Benjamin Raich entgegenkommt? "Ja. Er fährt sehr genau und zieht das durch, was man ihm sagt." Doch dass Zahlen nicht alles sind, dafür müsste Giger nicht Mathematik studiert haben. Sparber: "Du musst dich in der Linie trotzdem gehen lassen. Weltmeister wird am Ende der, der am wenigsten bremst."

MARLIES CZERNY, VAL D'ISERE

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