Von Nieten, Schuhen und stotternden Motoren
Die 61. Vierschanzen-Tournee sparte heuer nicht mit Überraschungen und servierte Griffe in die Trickkiste. Das Springer-Spektakel im Rückspiegel.

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Das war sie also, die 61. Vierschanzentournee. Mit einem überragenden Gregor Schlierenzauer, der mit seiner erfolgreichen Titelverteidigung alles überstrahlte. Mit einem Anders Jacobsen, der quasi aus dem Nichts wie Phönix aus der Asche aufstieg und Schlierenzauer das Springer-Leben bis zum allerletzten Flug schwer machte.
Doch das Kräftemessen im Herzen der Alpen bot natürlich noch weit mehr als dieses packende Duell. Wie etwa die Tatsache, dass sowohl Experten als auch die Medienwelt irren können. Denn aus dem prognostizierten Länderkampf zwischen Österreich und Deutschland wurde nichts. Einerseits zeigte sich, dass den wiedererstarkten Mannen von DSV-Trainer Werner Schuster doch noch einiges fehlt, um ganz vorne mitmischen zu können. Anderseits begehrten vor allem die Norweger auf und mauserten sich dank Jacobsen, Anders Bardal und Tom Hilde zur Top-Nation der Tournee.
Die Gründe für den Höhenflug der "Wikinger" sind vielfältig. Großen Anteil trägt Coach Alex Stöckl. Der Tiroler formte die einstigen Federgewichte zu Athletikern und impfte ihnen neues Selbstvertrauen ein. Inwieweit die neuen "Wunder-Schuhe", die von Stöckls Papa Paul entwickelt wurden, den Aufwind im norwegischen Lager unterstützten, bleibt offen.
Verdächtigungen
Für Aufregung sorgte auch die angeblich im ÖSV-Betreuerstab geäußerte Verdächtigung, dass FIS-Kontrolleur Sepp Gratzer bei den laut Gerüchten in Oberstdorf und Garmisch regelwidrigen Anzügen der "Norsker" (diese sollen im Schritt zu weit gewesen sein) ein Auge zugedrückt haben soll. Der Kärntner dementierte aber auf das Entschiedenste.
Während der 61. Tournee wurde aber vor allem Andreas Kofler durch die Anzug-Problematik heftig durchgeschüttelt. Auch wenn der Tiroler eine Absicht vehement bestreitet, blieb nach seiner heuer bereits dritten Disqualifikation wegen eines zu weiten "Federkleids" ein fahler Beigeschmack. Dass Kofler mit dieser schiefen Optik selbst nicht zurechtkam, spiegelte sich in den enttäuschenden Ergebnissen, die der einstige Tournee-Triumphator nach Oberstdorf einflog, wider.
Erwartungen
Doch Kofler war nicht der einzige ÖSV-"Adler", der abschmierte. Auch der Motor von Thomas Morgenstern, der eigentlich durch die Geburt von Tochter Lilly hätte beflügelt sein sollen, stotterte gewaltig. Ebenso, wie jener von Wolfgang Loitzl. Dass sich dann auch noch Manuel Fettner, der mit dem elften Zwischenrang überraschend zweitbester Österreicher war, in der Qualifikation für das Dreikönigsspringen verletzte (Riss-quetschwunde am Ellbogen und Prellungen ), passte irgendwie in das Gesamtbild der schwächelnden Österreicher.
Auch wenn der Tournee-Sieger dank Schlierenzauer zum fünften Mal in Serie aus Österreich kommt, zeigte das 61. Schanzen-Spektakel doch unverblümt auf, dass es mit der Vorherrschaft der ÖSV-Adler vorbei ist. Will man die tolle WM-Bilanz von 2011 (Österreichs Springer holten in Oslo alle Gold- sowie in den Einzelbewerben noch zusätzlich zwei Silber-Medaillen) ab Mitte Februar bei der WM in Predazzo auch nur annähernd wiederholen, muss Cheftrainer Alex Pointner die Form-Ruder bei seinen Top-Fliegern schleunigst nach oben reißen.
Denn die Konkurrenz schläft nicht. Das zeigt auch die erfreuliche Vielfalt an Nationen in den Top 15 der Tournee. Und FIS-Rennleiter Walter Hofer jubelte zu Recht: "Diese Tournee hatte eine unglaubliche Dynamik."












