Pointner: "Im ÖSV-Team ist für jeden Star Platz"
ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner erklärt zum Jahresausklang in Garmisch-Partenkirchen im Interview wie er und seine Trainerkollegen für Harmonie sorgen.

Foto © GEPAÜber das Geheimnis sich zu freuen, wenn ein Teamkollege ganz oben steht
Ihre Mannschaft dominiert die Konkurrenz. Muss man sich denn
nicht Sorgen machen, dass sich die eigenen Leute gegenseitig
zerreiben?
ALEXANDER POINTNER: Wir arbeiten schon einige Jahre daran, dass
wir in dem Bereich besser werden. Wir haben vor zwei Jahren die
Tournee vielleicht verloren, weil wir noch nicht so weit waren, dass
mehrere absolute Spitzenspringer im Team Platz gehabt haben. Damals
waren die großen Favoriten Morgenstern und Schlierenzauer, letztlich
ist Ahonen dann als Sieger in Bischofshofen von der Schanze gegangen.
Ich arbeite schon seit Beginn meiner Tätigkeit als Cheftrainer an
diesem Teamgefüge... Es hat schon viele Situationen gegeben, wo man
gemerkt hat, dass der gegenseitige Respekt und die Wertschätzung da
ist, und dass es auch was Schönes ist, wenn man mannschaftlich so gut
ist und sich auch freuen kann, wenn ein anderer ganz oben steht.
Wie funktioniert es denn eigentlich so viele verschiedene
Charaktere unter einen Hut zu bringen? Da muss es doch auch zu
Spannungen kommen.
POINTNER: Es ist sicher nicht so, dass wir etwas unterdrücken,
sondern wir versuchen, Sachen anzusprechen. Mit dem
Improvisationstheater spielen wir verschiedene Situationen durch, die
einen kleinen Hintergrund haben. Das haben wir jetzt schon zwei
Jahre gemacht. Wir versuchen auch mit der audiovisuellen
Wahrnehmungsförderung (einer Entspannungsmethode mit Musik-Anm.), das
auch eine sehr gute prosoziale Wirkung hat, die Leute auf einem
gleichen Level zu halten.
Erfolge können Sportlern auch zu Kopf steigen oder an anderen
nagen. Wie geht man damit um?
POINTNER: "Hätte ich das Gefühl, dass wir nicht vorbereitet sind,
hätten wir was verpasst. Diese Situation haben wir schon einige
Jahre. Wir haben aus den Jahren eines Andi Goldberger, der eine
One-Man-Show gehabt hat, gelernt, als die restliche Mannschaft daran
zerbrochen ist. Es hat gut getan, dass ich das selbst miterlebt habe.
Ich habe gewusst, wenn ich als Trainer beginne, war immer der
Teamgedanke oberste Priorität. Gemeinsam kann man viel stärker sein.
Man erinnert sich noch an Pressekonferenzen, als nur einer
geredet hat.
POINTNER: "Das gibt's erstens nicht mehr, weil jeder eine so
wertvolle Geschichte hinter sich hat, die die Leute interessiert.
Andererseits habe ich auch versucht, die Pressekonferenzen anders zu
gestalten. Es hat jeder die Möglichkeit, sich auf dieser Plattform
mitzuteilen, das hat es früher nicht gegeben. Da ist halt früher nur
Andreas Goldberger gefragt worden. Jetzt läuft das anders ab. Jeder
muss sich was überlegen, was er sagt, egal, ob er gut oder schlecht
springt. Das gehört dazu zu einem Sportler.
Wenn man einen Topstar herauspicken will, dann ist es
eigentlich Gregor Schlierenzauer mit seinen 26 Siegen, mit seinem
Alter und dem Potenzial, das er immer noch hat. Wie kann man ihm in
der jetzigen Situation helfen?
POINTNER: "Erstens helfen ihm seine Team-Kameraden, da sie viel
Erwartungsdruck von seinen Schultern nehmen. Er kann in Ruhe in
ärztliche Behandlung gehen. Er wird vom Team aufgefangen. Es wird
sicher nicht die Krankheit als Ausrede gesucht. Das hat weder er noch
wir nötig. Wir wissen, dass er exzellent auch in der Verfassung
springen kann.
Tourneeleader Andreas Kofler hat gemeint, dass das Team heuer
noch stärker ist. Die Konkurrenz wird sich sagen, dass diese Serie
irgendwann doch zu Ende gehen muss. Habt ihr auch solche Gedanken?
POINTNER: "Wir versuchen uns immer weiterzuentwickeln, jeder
einzelne Betreuer. Ich könnte nicht fünf Jahre immer das Gleiche tun.
Die letzte Änderung ist, das wir das Stützpunktsystem ausgebaut
haben. Seit diesem Jahr gibt es wirklich ein lückenloses
Betreuungssystem. Wir arbeiten mit vielen Spezialisten zusammen.
Verliert man da nicht leichter den Überblick?
POINTNER: "Das System ist noch größer geworden, d.h. es muss eine
sehr gute Kommunikation stattfinden. Es gibt keinen Athleten, der
von uns von einem Trainingskurs weggeht, ohne dass die Informationen
dann beim Stützpunkttrainer sind. Es läuft bei uns wie in der
Wirtschaft auch, dass es alle Informationen gesammelt in einem
Dokument gibt, vom körperlichen, gesundheitlichen, technischen
Zustand, somit kann der Stützpunkttrainer direkt damit weiterarbeiten
und nach einer Woche Stützpunkt werden die Athleten ebenso wieder
übergeben. So gibt es eine lückenlose Betreuung.
Die Deutschen arbeiten aber auch schon mit österreichischem
Know-how und drei Österreichern im Trainerstab.
POINTNER: "Sie haben eine ganz andere Ausgangsposition. Vielleicht
wurde da irgendwann einmal vom System her nicht so gut gearbeitet,
sonst wären vielleicht mehrere Spitzenspringer da. So schnell kann
man das nicht kopieren, weil bei uns einfach alle Teile so gut
zusammenarbeiten. Man muss erstmal solche Betreuer und Spezialisten
finden, die so teamfähig arbeiten können.










