Bei den Anzügen klemmt es noch
Die Skispringer jagen seit diesem Sommer mit hautengen Anzügen über den Bakken. Noch gibt es aber Probleme. Indes gewann das ÖSV-Team Samstagabend den Sommer-GP-Mixed-Bewerb in Hinterzarten.

Foto © KKAnprobe. Weltmeisterin Daniela Iraschko nimmt bei ihrem steirischen Kollegen David Zauner Maß
Das Erwachen war ein böses. Um die neuen, hautengen Anzüge erstmals in einem Wettkampf zu testen, reiste Österreichs Überflieger Gregor Schlierenzauer extra zum Sommer-GP nach Hinterzarten an. Bei der sonntägigen Einzel-Konkurrenz ist der 22-jährige Superstar aber nur Zaungast, wurde er doch bei der Qualifikation wegen eines angeblich regelwidrigen Anzugs disqualifiziert. Ist das neu eingeführte "Federkleid" gar ein Schuss nach hinten?
Einfachere Kontrollen
"Keineswegs", betont FIS-Rennleiter Walter Hofer. "Es handelt sich auch nicht um neue Anzüge, wir haben nur die Passform geändert. Die neue Regel lautet ,Körpergröße ist gleich Anzugsgröße.'" Was der internationale Verband mit der neuen, zweiten Haut erreichen will? "Der erste positive Effekt ist, dass wir uns das mühsame Prozedere beim Kontrollieren sparen, weil man ja quasi mit freiem Auge sieht, ober der Anzug passt oder nicht", erklärt Hofer. Und ein weiterer Effekt? "Durch die Anzüge haben wir in Sachen Aerodynamik wieder mehr Spielraum gewonnen. Dadurch lassen sich die Bewerbe bei widrigen Verhältnissen leichter steuern."
Die Kritik aus dem Lager der Österreicher, dass sich das Material zu leicht ausdehnen würde und stets mit der Nähmaschine nachgearbeitet werden müsste, lässt Hofer nicht gelten. "Erstens haben die Österreicher erst später als viele andere Nationen mit der Umstellung auf die neuen Anzüge begonnen und hinken daher mit den Erfahrungswerten etwas nach. Und zweitens hat es sich so eingependelt, dass man mit einem Anzug 20 Mal springen kann, ehe man ihn nachbessern muss." Und das sei bei den Skiern nicht anders - diese müsse man auch vor jedem Sprung neu präparieren.
Zu kalt, zu gefährlich
Bleibt noch die Frage, warum man nicht gleich wie etwa bei den alpinen Skifahrern die ganz dünnen, hautengen Anzüge eingeführt hat. Aber auch dafür hat der 57-jährige Kärntner plausible Erklärungen parat. "Das hat mehrere Gründe. Wenn wir etwa im finnischen Kuusamo bei minus 20 Grad springen und der Athlet oben beim Anlauf in einem so dünnen Anzug zehn Minuten warten muss, geht das nicht." Ebenfalls zu bedenken sei, dass man sich bei einem Sturz beim Mattenspringen mit so einem dünnen Anzug schnell Verbrennungen auf der Haut zuziehen würde.










