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Zuletzt aktualisiert: 24.03.2012 um 15:57 UhrKommentare

Matthias Mamedof: Bretter, die die Welt bedeuten

Einst gehörte er zu den besten Nachwuchs-Skispringern im Land, heute spielt Matthias Mamedof auf anderen Brettern die Hauptrolle: im Wiener Volkstheater.

Bühnenstar statt Skisprung-Gold: Die Geschichte von Matthias Mamedof im Sportmagazin

Foto © SPORTMAGAZIN/PINTER/KKBühnenstar statt Skisprung-Gold: Die Geschichte von Matthias Mamedof im Sportmagazin

Applaus brandet auf und Matthias Mamedof verbeugt sich mit einem Lächeln. Die wenigsten Zuschauer wissen wohl, dass sie einem Mann zujubeln, dem früher zwei andere Bretter die Welt bedeutet haben. Denn der 32-jährige Kärntner, der in Nestroys "Der Färber und sein Zwillingsbruder" gerade seine erste (Doppel-)Hauptrolle am Wiener Volkstheater spielt, galt ursprünglich als Gold versprechender Nachwuchsadler. "Ich war das klassische Schülertalent, aus dem später nichts geworden ist", sagt der Bühnenstar im Interview mit dem Sportmagazin. Dabei ist vor 14 Jahren eine Welt zusammengebrochen: "Ich war orientierungslos, nachdem mein Traum vom Olympiagold geplatzt war wie eine Seifenblase. Im Nachhinein betrachtet war es eine wichtige und lehrreiche Zeit, aber damals war es die Hölle." Immerhin verdankt er seinem frühen Scheitern heute seinen akribischen Ehrgeiz: "Damals habe ich mich allein auf mein Talent verlassen. Als Schauspieler will ich mir nie vorwerfen müssen, nicht alles Menschenmögliche versucht zu haben! Ich habe erkannt, dass ich kein Wunderwuzzi bin, sondern für den Erfolg beinhart trainieren muss."

Wie wohl die meisten Kärntner Kinder stand Matthias als Zweijähriger am Ski, in die Luft ging er erstmals mit sieben. Mit 15 wechselte Mamedof, dessen Vater eine Skischule im Bodental betreibt, nach Erfolgen im Alpe-Adria- und im Austria-Cup ins Skigymnasium Stams. Doch so richtig habe er wohl nicht in die Kaderschmiede gepasst: gefärbte Haare, die Liebe zur E-Gitarre, dazu disziplinäre Ausrutscher. "Aber wenn ich heute sehe, wie sich junge Menschen im urbanen Ballungsraum benehmen, war ich ein Waserl." Harald Haim, sportlicher Leiter in Stams, kann sich erinnern: "Er gehörte mit Wolfgang Loitzl und Charly Dorner zu den Top 3 seines Jahrgangs. Er ist ungeduldig geworden, weil er sich nicht rasch genug entwickelt hat. Ich habe größten Respekt: Er hat erkannt, dass Skispringen nicht sein Leben ist und einen anderen Weg eingeschlagen."

Der Anfang vom sportlichen Ende war ein Mattenspringen auf der Villacher Heimschanze: Mamedof verlor fast den Ski, schlug nach 65 Metern auf: "Ich hatte früher auch üble Brez'n gerissen, aber diesmal war das linke Schulterblatt gebrochen." Dann musste der 165 Zentimeter große und damals 52 Kilo leichte Jungadler auch wegen eines neuen Reglements auch noch mit kürzeren Ski springen. Entscheidender war aber eine Schullandwoche: "Paris! Ich war vorher noch nie in einer Großstadt. Ich habe auf diese unglaubliche Stadt geblickt und zum ersten Mal erkannt: Es gibt Menschen, die gar keine Ahnung von Skispringen haben. Es gibt noch ein anderes Leben!"

Der Enkelsohn eines aserbaidschanischen Einwanderers beschloss, Schauspieler zu werden. "Ich habe den Kontakt zur Sportszene komplett abgebrochen, aus Scham. Ich habe mich wie der größte Loser gefühlt. Dann wollte ich allen Leuten zeigen, dass aus dem Mamedof doch noch etwas geworden ist! "

Auch wenn Skispringen und die Schauspielerei auf den ersten Blick ziemlich unterschiedliche Betätigungsfelder sind, sieht Mamedof große Gemeinsamkeiten: "Das beginnt schon mit dem Einsatz: Talent ist nicht schlecht, aber du musst beinhart an deiner Technik arbeiten." Die Rolle des Trainers nimmt am Theater nahezu eins zu eins der Regisseur ein. Ein wichtiger Unterschied liegt in der Teamfähigkeit: "Klar, als Sportler trainierst du in der Gruppe, aber du musst alle anderen besiegen wollen. Als Schauspieler bist du ein Egoist, aber auf der Bühne kannst du nur mit den Kollegen gemeinsam so richtig abheben und Großes schaffen."

Eines hat Mamedof aus den geplatzten Träumen gelernt: "Ich setze mir nie wieder ein so hohes Ziel wie den Olympiasieg. Ich halte den Spruch vom Weg, der das Ziel ist, gar nicht mehr für so blöd. Hauptsache ist, dass ich immer lernen kann. Ich bin noch lange nicht am Zenit. Ich will noch viel erreichen."


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