Vor dem Sprung auf den Olymp
Bereits nächste Woche hebt Super-Adler und frischgebackener Vierschanzen-Tournee-Sieger Gregor Schlierenzauer am Kulm ab. Das große Fernziel des Tirolers ist der Olympiasieg 2014.

Foto © Red Bull Content Pool/DüttmannGregor Schlierenzauer über Eitelkeiten: "Wenn ich schon in der Öffentlichkeit stehe, dann will ich auch gut aussehen"
Es war ein riesengroßes Bad der Emotionen, in das Gregor Schlierenzauer nach seinem lang ersehnten Triumph bei der 60. Vierschanzen-Tournee eintauchte. 26.000 Fans jubelten im Schneetreiben von Bischofshofen ihrem "Schlieri" zu, nachdem dieser seinen größten Erfolg auf heimischen Boden gefeiert hatte. Erst, als das erste G'riss um seine Person verflogen war, fand er die nötige Ruhe, um damit zu beginnen, sein Bravourstück zu realisieren.
"Vierschanzen-Tournee-Sieger hört sich toll an, doch so richtig begreifen kann ich das wohl noch länger nicht. Aber ich möchte auf alle Fälle allen Wegbegleitern danken, die mich ausgehalten haben", lächelte der sichtlich müde Tiroler, dessen Emotionen wie in einer Achterbahn dahin brausten: "Es ist momentan eine Mischung aus Hochgefühl und einer gewissen Leere. Aber keine Sorge, ich bin noch nicht satt, habe noch Hunger auf Erfolge!"
Eine Aussage, die vor allem Hubert Neuper gerne hören wird. Denn der Kulm-Organisator brennt bereits auf die Landung der rot-weiß-roten Überflieger in Bad Mitterndorf, wo ab kommenden Donnerstag das Einfliegen der Schanze für den Weltcup auf dem Programm steht. Und Schlierenzauer, der sich 2008 in Oberstdorf zum Weltmeister gekrönt hat, drückte dem Kulm bereits 2009 seinen Stempel auf, notierte er damals doch den noch immer bestehenden Schanzenrekord von 215,5 m. "Schifliegen ist etwas ganz Besonderes. Ich freue mich schon sehr auf den Kulm und will auch dort meine Form wieder ausspielen", droht der Weitenjäger der Konkurrenz.
56 Punkte hinter Kofler
Doch der Kulm, der ja zumindest aus rot-weiß-roter Sicht als "fünfte Tournee-Station" gilt, ist nur das erste von vielen Zielen, die Schlierenzauer und die übrigen Super-Adler in dieser Saison noch ins Visier genommen haben. So steht Ende Februar noch die Schiflug-WM im norwegischen Vikersund an. Und auch der Kampf um den Gesamtweltcup verspricht jede Menge Spannung, liegt Schlierenzauer doch nur noch 56 Punkte hinter seinem führenden Tiroler Landsmann Andreas Kofler.
Den Tournee-Grand-Slam (Siege in allen vier Orten) hat Schlierenzauer mit zwei ersten, einem zweiten und einem dritten Platz knapp verpasst, doch dem eigentlichen Grand Slam der Schispringer ist der seit Samstag 22-Jährige mit dem Triumph in Bischofshofen einen großen Schritt näher gekommen: Tournee-Triumphator, Gesamtweltcup-Sieger, Einzel-Weltmeister und Schiflug-Weltmeister ist der 38-fache Sieger in Weltcup-Springen bereits. Was ihm zum endgültigen Sprung auf den Schisprung-Olymp fehlt, ist der Olympiasieg: "Deshalb sind die Spiele 2014 in Sotschi auch mein nächstes, ganz großes Ziel."
Schlierenzauer war in Bischofshofen aber natürlich nicht der Einzige im siebenten Fliegerhimmel. So beendete Thomas Morgenstern mit seinem Tagessieg eine 362 Tage lange Durststrecke. "Auf den ersten drei Stationen war das Glück nicht unbedingt mein Begleiter. Deshalb ist die Erleichterung jetzt sehr groß - ich habe mir damit viel Druck genommen", freute sich der Seebodener. Mit ihm strahlten auch Sportdirektor Ernst Vettori ("Peinlich sind mir die vielen Erfolge unserer Mannschaft noch nicht") und Cheftrainer Alexander Pointner ("Die Tournee war kein Selbstläufer, aber wir haben alle Angriffe abgewehrt") um die Wette.












