Wenn der Trainer ins Haus kommt
Er hält sich stets und ganz bescheiden im Hintergrund: Der Kärntner Heinz Kuttin half mit, Kärntner Schispringer wie Thomas Morgenstern oder Martin Koch zu neuen sportlichen Höhen zu führen.

Foto © GepaThomas Morgenstern verdankt seinen Erfolg mitunter dem Kärntner Heinz Kuttin
Die Zeitungsartikel, die in den letzten Tagen und Wochen über Thomas Morgenstern produziert wurden, dürften Bände füllen. Nicht nur die heimischen Medien, auch international anerkannte, wie die Frankfurter Allgemeine, die Neue Zürcher Zeitung oder die Süddeutsche, beschäftigten sich ausführlich mit dem Kärntner Schispringer. Dass der Hype den Kärntner in Österreich sogar in die Nachrichtensendungen des Fernsehens führte, verwunderte angesichts der (übertriebenen) Bedeutung des Wintersports hierzulande nicht mehr. Der Überbegriff dieses medialen Trommelfeuers lässt sich in einem kurzen Satz zusammenfassen: "Der Morgenstern leuchtet wieder." Und wie.
Seit der 24-Jährige die Vierschanzentournee gewonnen hat, wird alles rund um den Seebodener ausgeleuchtet. Zu einem fiel das Licht nur spärlich hin, obwohl er einen wesentlichen Anteil am "neuen" Morgenstern hat: Heinz Kuttin ist mehr als ein sogenannter Stützpunkttrainer. Viel mehr. Kuttin? Der hatte doch auch mit Schispringen zu tun? Der Mann aus Zlan war zweifacher Weltmeister (1991 in Predazzo), arbeitete u. a. als Co-Trainer im ÖSV-Team und bei den Polen, wo er Adam Malysz unter seinen Fittichen hatte. Seit der Heimkehr vor drei Jahren werkt Kuttin, der zuletzt für den Deutschen Schiverband tätig war, als angestellter Trainer des Kärntner Landesschiverbandes. Dienstorte sind Spittal und die Alpenarena in Villach. Und neuerdings Seeboden.
Da Kuttin mit dem heimischen Kärntner Springernachwuchs vorwiegend nachmittags arbeitet, hatte er zeitliche Ressourcen frei. Eine lose Zusammenarbeit mit Morgenstern begann vor drei Jahren, die, je länger sie dauerte, intensiver wurde. In der ersten Zeit sei er eher nur das ausführende Organ von ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointer gewesen, erzählte Kuttin, der einen Tag vor Morgensterns Tourneesieg 40 Jahre alt wurde. Aber seit dem letzten Jahr hätte er mehr auf Morgensterns Gefühl Rücksicht genommen, das Trainingsprogramm auf ihn abgestimmt. Kuttin fungiert im wahrsten Sinne des Wortes als "Heimtrainer", kam und kommt auch nach Seeboden ins neue Haus des alten und neuen Überfliegers: "Dort hat Thomas einen Super-Fitnessraum installiert." Oder er arbeitet mit Morgenstern auf der Schanze in Villach.
Die Konstanz, sagt Kuttin, habe sich bereits in der Vorbereitung abgezeichnet. Drei Punkte seien aus seiner Sicht für den Höhenflug entscheidend gewesen: Mit Mentaltraining sei es gelungen, seinen Ehrgeiz zu zügeln. Dadurch wirke er als Person erwachsener und gereift. Dazu seien die gelungene Abstimmung des Materials und ein verbesserter Absprung ("Thomas reißt nicht mehr so") gekommen. Letzten Winter war Morgenstern eine Nuance kräftiger, findet Kuttin, nun setzt er die Energie gezielter ein. Das Ergebnis sind harmonischere, rhythmischere Sprünge. Gemeinsam mit seinem Heimtrainer entwickelte der Oberkärntner die von Simon Ammann bei den Olympischen Spielen kreierte Bindung weiter, richtete sie auf seine Fähigkeiten und Bedürfnisse aus. "Nun passt das Gesamtpaket aus Bindung und Technik", berichtet Kuttin stolz.
Als Verbandstrainer verdient Kuttin keine Häuser. "Ich bin zufrieden", sagt der Zlaner, dem seine zwei Weltmeistertitel auch nicht unbedingt den großen Rebbach gebracht hatten. Als erfreulicher Nebenaspekt kann er in seinem Job auch Sohn Philipp betreuen. Der 13-Jährige bevorzugt das Springen und das Langlaufen, also die Nordische Kombination. Da zählt er in seiner Alterskategorie bereits zu den Besten in Österreich.










