Wolfgang Loitzl: "Ich mach' mir keinen Stress"
Trotz verpatztem Saisonauftakt bleibt Wolfgang Loitzl gelassen. "Es steht außer Frage, dass ich mir etwas überlegen muss, aber von Verzweiflung oder Panik kann noch keine Rede sein."

Foto © GEPAWolfgang Loitzl
Platz 16 beim Auftakt in Kuusamo, Rang 26 in Kuopio - die Saison ist für Sie nicht wirklich nach Plan angelaufen, oder?
WOLFGANG LOITZL ( schmunzelt): Nicht unbedingt, aber es gibt Schlimmeres im Leben, als so einen verpatzten Auftakt. In Kuusamo war ich ja noch halbwegs zufrieden, aber Kuopio hätte ich mir gleich sparen können.
Wissen Sie schon, warum es schief gegangen ist?
LOITZL: Nun ja, die Schanze in Kuopio hat mir noch nie getaugt und liegt nicht jedermann. Ihr prominentestes Opfer ist wohl Janne Ahonen. Der hasst den Bakken so sehr, dass er dort auf das Training stets verzichtet, um nicht das Schispringen zu verlernen. Ich bin es diesmal mit der Brechstange anstatt mit Gefühl angegangen - und das war definitiv der falsche Weg.
Haben die mäßigen Ergebnisse bei Ihnen bereits "Alarmstufe Rot" ausgelöst?
LOITZL: Nein, dafür ist es nach zwei Wettbewerben noch zu früh. Da mach' ich mir noch keinen Stress. Aber es steht außer Frage, dass ich mir etwas überlegen muss, damit die Form in die richtige Richtung abbiegt. Aber von Verzweiflung oder gar Panik kann noch keine Rede sein.
Laien zu erklären, wo genau es bei der Technik derzeit hapert, ist im Schisprung-Sport nicht leicht. Können Sie es dennoch versuchen?
LOITZL: Das ist gar nicht so kompliziert. Derzeit zwickt's bei mir vor allem beim Übersetzen vom Absprung bis zur Flugphase. In dieser Verbindungsphase ist der Hund begraben. Ich stehe momentan zu steif da und verliere dadurch wichtige Geschwindigkeit. Das ist eine reine Gefühls- und Überwindungssache.
Das klingt plausibel. Und lässt sich dieses Problem so mir nichts, dir nichts ausmerzen?
LOITZL: Ich muss jetzt ganz einfach versuchen, alles auf hohem Niveau zu stabilisieren. Dann noch ein, zwei gute Wettkämpfe und das Werk'l läuft quasi wieder wie von alleine. Vielleicht geht es ja schon dieses Wochenende in Lillehammer bergauf. Wenn nicht, bleibe ich hoffentlich geduldig.
Der Saisonhöhepunkt ist die Nordische WM Ende Februar in Oslo. Als Titelverteidiger haben Sie dort Ihren fixen Startplatz. Beruhigt das?
LOITZL: Natürlich ist es gut zu wissen, dass man auf alle Fälle dabei ist, da ein gewisser Druck abfällt. Aber nur dabei zu sein, ist für mich definitiv zu wenig. Dafür sind meine Ansprüche zu hoch. Ich will nach Oslo fahren und dort eine realistische Chance auf eine Medaille haben.
Ihr steirischer Landsmann David Zauner macht nach seinem Kreuzbandriss sensationelle Genesungsfortschritte und will bereits Mitte Dezember sein Comeback geben. Hat es für Sie irgendeine Bedeutung oder Vorteil, einen Kollegen aus der eigenen Heimat im Team zu haben?
LOITZL (lächelt): Vor seinem Sturz war er ein Kandidat für die vordersten Ränge. Sollte er jetzt zurückkommen, habe ich wieder einen gefährlichen Konkurrenten mehr. Also wo soll hier der Vorteil liegen? Aber im Ernst: Ich hoffe, dass es mit seiner Rückkehr ohne Operation klappt. Denn wenn nicht, dann ist für ihn die Saison vorbei.










