Der Druck einer WM
Wie geht man als Athlet in eine WM? Was zählt und was sollte man besser ausblenden? Ex-Schirennläufer Hans Knauß kommentiert und analysiert die Schi-WM in Garmisch-Partenkirchen für Sie.

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Der Tag der Eröffnung ist da. Und man hört immer: Als Läufer darf man eine WM nicht anders behandeln als ein Weltcup-Rennen. Nicht so einfach. Mir zum Beispiel hat es getaugt, wenn die Pause vor der WM kurz war. Dann hat man weniger Zeit zum Nachdenken. Die Kunst ist es, Vorfreude zu verspüren. Du darfst nicht alles, was du liest und hörst, aufnehmen. Für mich war eine WM immer etwas Besonderes. Ich habe mich aber auch immer steigern können, weil mir der Trubel getaugt hat, weil ich immer ein wenig mehr an Konzentration herauskitzeln konnte. Weil man spürt: Jetzt kommt etwas Wichtiges. Und wenn du Zeitung gelesen hast, wenn immer von der Schi-Nation die Rede ist, dann erfüllt dich das auch mit Stolz. Denn du fährst zwar grundsätzlich für dich, aber irgendwie spürt man: Jetzt hat man die Gelegenheit, für eine ganze Nation zu gewinnen. Grundsätzlich muss aber jeder für sich entscheiden, wie er mit dem Trubel umgeht. Wenn jemand die Schulterklopfer nicht verträgt, muss er sich halt abkapseln, so gut es geht. Für mich gab es nur eine goldene Regel: Die Eröffnungsfeier musst du dir sparen. Stundenlang in der Kälte stehen, einen oder zwei Tage danach ein Rennen haben - das passt nicht zusammen. Ein einziges Mal wurde ich dieser Regel untreu, in Sestriere 2006. Im Rennen ein paar Tage später wurde ich Vierter - und hab' mich geärgert, dass ich bei der Eröffnung war.
Übrigens: Vor dieser WM habe ich ein sehr gutes Gefühl. Denn, nach allen Ausfällen und Stürzen, die passiert sind, würde es die Nation verzeihen, wenn es nicht nur Siege gibt. Aber ich denke, dass die, die da sind, Lunte gerochen haben, angreifen und gut abschneiden. Sie haben keinen Druck wie früher etwa Hermann Maier. Das gilt auch für die Damen vor dem Super-G am Dienstag. Alle reden vom Duell Riesch gegen Vonn. Für beide ist es eine Tragödie, nicht zu siegen. Unser Quartett kann unbeschwert angreifen. Und mit Görgl, Fischbacher, Hosp und Fenninger haben wir vier Damen, die genau das tun werden. Riskieren, weil sie im Gegensatz zu Vonn und Riesch nichts zu verlieren, sondern nur alles zu gewinnen haben.
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Zur Person
Hans Knauß (38) feierte sieben Weltcup-Siege in drei Disziplinen, gewann drei Medaillen bei Großereignissen und ist jetzt ORF-Schi-Experte.















