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    Zuletzt aktualisiert: 21.12.2012 um 20:56 UhrKommentare

    Lichtgestalt und Sorgenkinder

    Rund 44 Tage vor der Ski-WM in Schladming muss sich der ÖSV die Frage gefallen lassen, wer außer Superstar Marcel Hirscher Medaillen holen soll. Slalom-Königin Marlies Schild wird die Heim-WM im Fernsehen verfolgen müssen.

    Marcel Hirscher

    Foto © GEPAMarcel Hirscher

    Auf den ersten Blick liest sich die Bilanz gar nicht so schlecht. Österreichs Ski-Herren halten zu Weihnachten bei elf Podestplätzen und zwei Siegen, die Damen bei zehn Platzierungen auf dem Stockerl und einem Erfolg. Dann kommt der zweite Blick. Und der besagt: Die Herren haben es einer Lichtgestalt zu verdanken, dass man gar um einen Podestplatz mehr als im Vorjahr um diese Zeit hat. Denn sieben der elf Stockerlplätze holte Marcel Hirscher im Alleingang. Der Rest des Teams fuhr sich in ein veritables Tief, wenn man die Ergebnisse ansieht. Und bei den Damen ist Kathrin Zettel zwar fast schon wieder so gut wie vor ihren gesundheitlichen Problemen, die einzige Medaillenbank aber, Slalom-Königin Marlies Schild, wird die Heim-WM im Fernsehen verfolgen müssen.

    Man stelle sich vor, Marcel Hirscher verletzt sich; so wie vor zwei Jahren vor der WM in Garmisch. Dann droht Österreich das, was Schladming am wenigsten brauchen kann: eine WM ohne Medaillen für das Heimteam. Kurz: eine sportliche Katastrophe, eine skifahrerische Katastrophe.

    Hirscher & Messi

    Hans Pum kennt diffizile Situationen wie diese aus dem Effeff. Immerhin ist er seit 35 Jahren im ÖSV, seit zwei Jahren als Sportdirektor. Er ist es gewöhnt, dass sich die Stimmung im Land aufheizt, je näher ein Großereignis rückt. Ist dieses Ereignis noch dazu im eigenen Land, potenzieren sich die Emotionen. "Ja", sagt er, "wir werden derzeit unter Wert geschlagen. Wir brauchen da auch nichts schönzureden." Und er sagt auch: "Ja, wir haben auch nur einen Marcel Hirscher. Aber Barcelona hat auch nur einen Lionel Messi und der schießt ihnen 90 Tore. Nimm den anderen Nationen den Besten weg - die schauen noch schlechter aus als wir." Und Pum, auch ausgebildeter Fußballtrainer, setzt zum Konter an. "Deswegen brauchen wir auch nichts schlechter zu reden, als es ist." Der 58-Jährige ist gewappnet, rezitiert die Statistik fast, wie manch einer in der Schule die Bürgschaft aufsagen konnte. "Es ist ersichtlich, dass wir Probleme haben. Aber wir haben in der Vorsaison um diese Zeit bei Damen und Herren weniger Stockerlplätze gehabt als jetzt - 2011/12 hatten Damen wie Herren jeweils neun Podestplätze. Gut, die Damen hatten zwei Siege mehr, dafür haben sie heuer gleich sechs zweite Plätze."

    Sorgenkinder

    Pum weiß, dass die Statistik ihm zwar tendenziell recht gibt, aber nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Weil es neben der Lichtgestalt eben viele gibt, die nach ihrer Form suchen, die Sorgenkinder sind. "Die Probleme sind sehr individuell, hängen oft mit Gesundheit zusammen. Ein Klaus Kröll, ein Joachim Puchner, ein Matthias Mayer, eine Lizz Görgl - die konnten im Sommer ja kaum trainieren, da fehlt natürlich noch was." Ein Sorgenkind ist seit Freitag wieder im Training: Max Franz kehrt nach Gehirnerschütterung zurück. Sorgen macht auch die Materialabstimmung: "Da brauchen einige länger. Klar ist, dass wir am Materialsektor noch Feinabstimmungen vornehmen müssen."

    Aber Hans Pum war und ist nicht nur ein Erfolgstrainer, er wäre auch ein guter Diplomat. Schnell schwenkt er zu Positivem. Und dabei kommt ein Satz immer wie das Amen im Gebet: "Wir haben eine starke Mannschaft. Auch wenn das bei uns selbstverständlich ist: Wir führen auch heuer klar im Nationencup. Und alle arbeiten mit Volldampf."

    Warum das reicht, um in Schladming für Furore zu sorgen? "Weil alle an einem Strang ziehen bei uns. Weil wir deswegen bei den Athletinnen und Athleten, die Probleme haben, Lösungen finden werden. Wir bringen das hin."

    Pum spricht diese Sätze voll Vertrauen, das dem einen oder anderen seines Teams im Moment fehlt. Sein Credo: "Man darf nicht nervös werden und zweifeln. Man muss von der Sache, die man gemacht hat, überzeugt sein. Und das sind wir!" Es gehe um Nuancen, die nicht stimmen. Eine Schlüsselsituation, in der es "Klick" macht, genügt oft.

    Erinnerungen

    Und, so sagt Pum mit der Erfahrung aus 35 Jahren: "Es war oft so, dass wir vor einer WM oder vor Olympia gar nichts gewonnen haben: Saalbach 1991, Olympia Albertville 1992. Und dann waren wir da, als es drauf ankam." Denn kein Nachteil ohne Vorteil: "Wenn wir vor der WM nichts gewinnen, lastet der Druck auf den anderen. Und das ist nie schlecht. Weil Favoriten selten siegen." Und schon hat der Herr Direktor eine Antwort auf die Frage, was uns in Schladming erwartet: "Eine schöne WM." Auch sportlich gesehen? "Mit ,schön' verbinde ich auch Erfolg."

    MICHAEL SCHUEN

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