Sieg der Natur: Island statt Grönland
Sechs Wochen nach dem Weltcup-Finale will der ÖSV eine weitere "Generalprobe" für die alpine Schladming-WM 2013 abwickeln. Aus dem ursprünglichen Ziel - Grönland - wurde aber kurzfristig Island.

Foto © APAÖSV-Alpinchef Hans Pum, Skirennläufer Philipp Schörghofer und Herren Cheftrainer Mathias Berthold vor einem Geysir
Laut sagt es ja keiner aus dieser mehr als 100-köpfigen Reisegruppe, gedacht haben es sich aber wohl einige. Einen PR-Trip für die Schladminger Ski-WM nach Grönland zu unternehmen und diesen mit der Botschaft einer sauberen und reinen Umwelt zu versehen, ist gewagt. Zehn Tonnen Kerosin wurden gleich einmal auf dem Charterflug zum Zwischenstopp in Keflavik auf Island verbrannt, dann warteten eine Busstunde später in Reykjavik drei kleinere 39-Sitze-Flieger für die Weiterreise nach Grönlands Hauptstadt Nuuk. Wofür? Ein Gaudi-PR-Skirennen. Warum von A wie Annemarie Moser bis W wie Michael Walchhofer, Journalisten von B wie Bild, L wie La Gazzetta dello Sport bis zu Z wie Zürcher Tages-Anzeiger und Sponsoren-Vertreter die Einladung angenommen haben? Weil keiner von ihnen je zuvor in Grönland war. Und weil wohl auch niemand in Zukunft jemals nach Nuuk kommen wird.
Peter Schröcksnadel, der ÖSV-Präsident, ist bemüht, die Idee hinter der Reise zu begründen. Grönland ist ein Synonym für eine sensible Umwelt mit schmelzenden Gletschern durch die Klimaerwärmung. "Wir werden in Schladming zeigen, dass man eine umweltverträgliche WM veranstalten kann - deshalb ist Grönland ideal, um diese Botschaft zu vermitteln." Steuer-Euro, betont er, fließt kein einziger, Sponsoren zahlen die Reise.
Nur spielt ausgerechnet die Natur nicht mit: Windböen in Nuuk bis über 100 km/h. Flughafen gesperrt. 108 Personen sitzen in Reykjavik fest. Ein "English Pub" neben dem örtlichen Bestattungsinstitut überträgt die Champions League. Wann gehen die Flieger? Halbzeit in Madrid. Gibt's was Neues? Vielleicht bleiben alle hier. Verlängerung bei den Bayern. Ein in Island lebender Däne, Prototyp eines 120-Kilo-Wikingers, hat derweilen Hannes Trinkl erkannt. Der Weltmeister war sein Idol bei der WM 2001 in St. Anton. Alaba trifft im Elferschießen und Peter Wirnsberger, Leo Stock, Sigrid Wolf oder Philipp Schörghofer sind vom Wiener begeistert. Auch die Isländer jubeln im Pub mit den Bayern. Und draußen ist es hell, weil die Nacht um diese Jahreszeit gar nicht mehr pechschwarz ist. Flug gestrichen, alle bleiben in Reykjavik! Auch Christian Ludwig Attersee, der in Nuuk das WM-Poster präsentieren wollte.
Improvisation
Tatsächlich wurden in kürzester Zeit mehr als 100 Hotelbetten sowie ein Fischbuffet in einem anderen Pub aufgetrieben. Die Island-Busrundfahrt am nächsten Tag war auch schnell auf Schiene. Und die Schladminger Vorhut, die in Nuuk das Ski-Rennen vorbereitet hat, saß fest. Die Rennstrecke war ausgeflaggt, die Zeitnehmung installiert, das Starthaus und die Werbe-Transparente aufgebaut, die Ski lagen für den Tross bereit. Alles wieder abbauen, rein in den Container mit seinen zwei Tonnen Gewicht, hoffen, dass es die Freigabe für den Flug nach Island gibt, schließlich soll das Rennen jetzt hier nachgetragen werden.
Die Natur hat gesiegt. "Aber", sagt Peter Schröcksnadel, "dann lade ich halt nach der WM alle nach Grönland ein." Und dann wird auch der Kooperationsvertrag mit dem Skiklub Nuuk unterzeichnet.














