Schmerzen und die Angst waren zu groß
Der Osttiroler Mario Scheiber hat in Schladming seinen Rücktritt vom Skirennsport bekanntgegeben. Schmerztabletten führten zu Magenproblemen und die Angst wurde immer größer.
1 / 22
Seit mittlerweile sieben Jahren schluckt Mario Scheiber Schmerztabletten. Täglich. Etliche Operationen am rechten Knie, ein Kreuzbandriss, eine Schulterluxation, eine schwere Gehirnerschütterung und viele andere Wehwehchen machten die Einnahme der Pillen nötig. "Ich weiß gar nicht mehr, ob es sieben oder acht Operationen waren", sagte Scheiber. Aber die Tabellen griffen immer mehr den Magen an. Als ihm vor zwei Wochen in Kvitfjell so richtig übel wurde, reifte der Rücktrittsgedanke. In Schladming gab Scheiber das Karriereende bekannt.
Die Schmerztabletten waren der eine Grund, Angst kam ebenfalls hinzu. "Ich bin zwar nach meinen vielen Verletzungen immer wieder zurückgekommen, aber es ist auch immer etwas zurückgeblieben", sagte der 29-Jährige. "Vor allem nach dem schweren Sturz im Jänner 2011 in Chamonix begannen die Räder im Kopf zu laufen." Ganz arg war es bei der Olympia-Generalprobe in Sotschi. "Da hatte ich richtig Schiss." Auf der vereisten und schwierigen Strecke fuhr die Angst mit: "Sie wurde sogar so groß, dass ich selbst zu mir sagte: Riskier' jetzt nichts mehr, geh nicht mehr ans Limit."
Chancenlos
Das Karriereende war somit eine beschlossene Sache: "Wenn du nicht mehr bereit bist, alles zu geben, hast du keine Chance mehr. Du verlierst immer zwei, drei Sekunden." Beim Weltcup-Finale trat der Osttiroler, der 109 Weltcuprennen bestritten hat, von der Bühne ab: "Mit 13 Podestplätzen und 36 Top-Zehn-Platzierungen kann ich auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Jetzt will ich einmal herunterkommen, den Rücktritt setzen lassen und viel Zeit mit meiner Freundin Ursula und mit meiner Tochter Joleen (acht Monate, Anm.) verbringen. Außerdem gibt es beim Hausbau viel zu tun."
Was dann kommen soll, weiß Scheiber noch nicht. Mein größter Wunsch wäre es, dem Skisport in irgendeiner Form erhalten zu bleiben. Nur eines werde ich sicher nicht - Trainer." Trotz all der Schmerzen, die der Mann, der am 15. März 2003 in Lillehammer erstmals Weltcup-Luft schnupperte, ertragen musste, würde er "nichts anders machen, wenn ich nochmals auf die Welt käme". Selbst das viele Pillenschlucken schreckt ihn nicht ab: "Als es begann, war ich etwas über 20 Jahre alt. Da ist dir egal, was mit 35 ist, da willst du nur fahren. Ich hatte das Glück, mein Hobby zu meinem Beruf machen zu können." Scheiber kann daher auch jedem Jungen nur zum Skisport raten: "Es ist ein geiler Sport, der dir so viel gibt. Wenn es jemandem taugt, soll er es machen. Nur eines muss er tun - täglich hart arbeiten."
Features
Fotoserie
Zur Person:
- Geb.: 6. März 1983 in St. Jakob im Defereggental/Osttirol
- Wohnort: St. Jakob/Tirol
- Größe/Gewicht: 1,77 m/87 kg
- Verein: WSV St. Jakob
- Familienstand: Freundin Ursula, Tochter Joleen Sophie
- Hobbys: Fußball, Tennis, Musik
- Homepage: www.mario-scheiber.at
Größte Erfolge:
- Olympia: Vierter Abfahrt 2010 Vancouver/Whistler
- WM: Platz 8 Abfahrt und Platz 11 Super-G Aare 2007
- Weltcup: 13 Podestplätze (8 Abfahrt, 5 Super-G)
- Junioren-WM: Gold Riesentorlauf 2003 in Serre Chevalier, Silber Abfahrt 2002 in Tarvis, Bronze Super-G 2003 in Serre Chevalier
















