Das Warten auf Putin und Miller
Es gibt zwei Themen, die die russischen Medien zum Weltcup locken: Der Besuch von Wladimir Putin - und Bode Miller. Der übte aber Kritik.

Foto © ReutersBode Miller
Bisher waren jene Journalisten, die im Schigebiet "Rosa Chutor" den Abfahrern zuschauten, nicht aus Russland. "Aber", beeilt sich der Russe Peter, der für das Medienzelt verantwortlich ist, mit rollendem "R" und in erstaunlich gutem Deutsch zu sagen, "in Russland schauen wir schon Weltcup." An diesem Wochenende sogar live im Fernsehen, wie er sagt. Und am Wochenende, da würden dann auch ganz viele russische Journalisten hierher kommen, um den ersten Testbewerb auf Weltcup-Niveau, den es vor den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi gibt, zu verfolgen.
Hoher Besuch
Bei genauer Nachfrage erfährt man aber von anderen Mitarbeitern, was die Journalisten an diesem Wochenende wirklich anlocken wird: Wladimir Putin. "Sie kommen, wenn er kommt", sagt er und zuckt mit den Schultern. Dass Putin kommt ist inzwischen übrigens offiziell, sozusagen ist die Bekanntgabe des Besuchs autorisiert. Nur wann er kommt, ist nach wie vor unklar. "Am Wochenende", lautet die Antwort. Ein heißer Tipp: Am Sonntag kommt auch die Koordinationskomission, jene Gruppe, die den Fortschritt der Bauten und Planungen für die Olympischen Winterspiele überprüft, nach Krasnaja Poljana. Da würde sich ein Treffen mit Regierungschef Putin durchaus ausgehen.
Die Schi-Welt kennt Wladimir Putin ohnehin. Nicht nur, weil er des Öfteren hier in der Gegend ist, um selbst die Schi anzuschnallen. Putin mag Schifahrer und nützt die Gelegenheit, wenn er sie treffen kann. Dann wird er auch Bode Miller treffen. Der US-Amerikaner ist hier in Russland der große Star. Einzigund allein wegen ihm waren am Donnerstag doch rund 30 russische Journalisten da, um seinen Worten zu lauschen. Und zufrieden tippten sie in den Computer: "Der Berg und das Gelände hier sind einfach Weltklasse, die Leute sind sehr freundlich, die Olympischen Spiele werden sicher großartig."
Ja, den Berg mag der 34-Jährige wirklich: "Es ist vielleicht der idealste Berg für eine Abfahrt, den ich je gesehen habe. Hier würden sechs Tore ausreichen für ein herrliches Rennen", schwärmte Miller - und schwenkte um auf Kritik, denn es gibt nicht sechs, sondern 45 Tore. "So ist es leider keine Abfahrt mehr, aber noch immer ein sehr, sehr schöner Super-G", sagte Miller und legte nach: "Der Schisport verliert Jahr für Jahr ein wenig an Qualität. Weil alle gleich fahren, alle gleich aussehen. Wo sind die Zeiten eines Luc Alphand, eines Franz Klammer, ja, sogar noch eines Stephan Eberharter? Die riskierten, sie zeigten Herz. Unser Sport ist dabei, genau das zu verlieren."
Schuld daran sei die Kurssetzung, die viel zu viel Verantwortung von den Läufern nimmt: "Hauptsache ist, es stürzt keiner. Aber das ist nicht das Wesen einer Abfahrt. Man soll doch riskieren und ans Limit gehen. Und davon war ich bei den meisten Abfahrten zuletzt weit entfernt."
Ein freundliches Lächeln
Aber Miller schaffte es am Ende seiner Ausführungen doch noch, ein freundliches Lächeln für die russischen Journalisten auf den Lippen zu haben. Diese Olympia-Abfahrt hier habe absolut das Zeug dazu, dass man wieder Herz zeigen müsse. Die russischen Journalisten tippten zufrieden - und zogen ab, bis Wladimir Putin kommt.
















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