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Klaus Kröll: Von der Krücke auf das Podest "Ich bin dankbar, dass alles so ist" Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Ski Alpin Nächster Artikel Klaus Kröll: Von der Krücke auf das Podest "Ich bin dankbar, dass alles so ist"
Zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 um 16:58 UhrKommentare

Bauboom am Ende der Welt

In Krasnaja Poljana entsteht derzeit ein Wintersport-Zentrum für Olympia - gebaut wird überall unter strengster Bewachung.

Foto © APA

Es rührt sich was. Tag und Nacht wird zwischen Sotschi und Krasnaja Poljana, so der Name des kleinen Ortes, gearbeitet. Gehämmert, geschweißt, gebaut. Trotzdem wurde das Hotel, in dem praktisch der gesamte Weltcup-Tross logiert, erst Tage vor dem Ernstfall fertig. Alle Details sind auch noch nicht fertig, darüber täuscht auch der Empfang einer Folkloregruppe mit Gesang und Musik nicht hinweg. Aber wenigstens gab es für Klaus Kröll & Co. endlich etwas zu essen - nachdem in den drei vom internationalen Schiverband gecharterten Flugzeugen nicht einmal Wasser ausgeschenkt wurde. In den Zimmern riecht es noch nach Teppichkleber, die Nacht war kurz.

Schon für acht Uhr hat FIS-Renndirektor Günter Hujara die Trainer einberufen. Die eindringlichste Warnung: "Bitte lasst nirgends etwas stehen, schon gar keine Taschen und Rucksäcke. Hier ist es wie am Flughafen, jede Tasche löst Alarm aus. Dann stehen alle Lifte - und wir sind machtlos." Ergänzend sagt er: "Das Streben nach Sicherheit kommt von ein paar Etagen ober uns. Da können, dürfen und werden wir uns nicht einmischen." Zu nah ist die Krisenregion Abchasien, aus der zwar Kies und Arbeiter kommen, aber deren Unabhängigkeitsbestrebungen viel Konfliktpotenzial in sich tragen. "Mir haben sie einmal gesagt: Mit einem Raketenwerfer erreicht man das Schigebiet schon", sagt Wolfgang Mitter. Der Steirer ist im Organisationskomitee tätig, lehrt die Russen derzeit, wie man ein Schirennen organisiert, und ist bereits einige Male hier gewesen. 5000 Sicherheitsleute, erzählt er, sind rund um die Strecke postiert, meist im weißen Tarnanzug, unsichtbar für den Schi-Tross. Aber doch allgegenwärtig - kontrolliert wird man oft.

Polizei ist überall, am Flughafen hatten die meisten noch geschmunzelt, als Uniformierte mit der Videokamera alles filmten. Jetzt wird man kontrolliert. Schon beim Einstieg in die Gondel - oder, wenn man mit einem offiziellen Shuttle die nagelneue Straße hinauf ins einige Hundert Meter höher gelegene Schigebiet unterwegs ist - auch auf der Straße. Jede Liftstütze wird bewacht, Sicherheitsdienst und Polizei ist überall zu sehen.

An sie gewöhnt man sich schnell, die unglaubliche Dimension der Baustelle auf jenen Bergen, die in zwei Jahren die Heimat für die Schnee- und Eiskanalbewerbe bei Olympia sein sollen, begreift man allerdings nur schwer. Vom Lift sieht man das erste Mal Krasnaja Poljana bei Tageslicht. Ein Talschluss, der gerade völlig neu geschaffen wird. Etwas hinauf auf den Hügel entstehen gerade die Sprungschanzen, vom Sessellift aus erhascht man auch einen Blick auf den Eiskanal. Oder besser gesagt auf das Stahlgerippe einiger Kurven. Man sieht auch das olympische Dorf, das hier geplant und im Entstehen ist - der Tunnel darunter für die Shuttles ist bereits fertig. Man sieht die Rohbauten weiterer Hotel-Blocks, die bis 2014 fertiggestellt werden.

Krasnaja Poljana wird auch dann noch irgendwie das Ende der Welt sein. Nur eines mit einem völlig anderen Gesicht. Ob es hübsch ist? Geschmacksache.

MICHAEL SCHUEN, KRASNAJA POLJANA

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