Kostelic ist wieder im "Jänner-Hoch"
Ivica Kostelic ließ sein Schi-Genie einmal mehr aufblitzen: Dritter Sieg beim Wengen-Slalom in Serie - der Kroate ist schon wieder im "Jänner-Hoch". Marcel Hirscher hatte im ersten Durchgang eingefädelt.

Foto © Reuters
Als Ivica Kostelic seine Zeit sah und den Jubel der vielen kroatischen Fans erblickte, blickte er zu seiner Schwester Janica und drehte symbolisch am Gasgriff. Kein Wunder, denn auf den letzten 20 Sekunden hatte er dem Rest des Feldes gerade locker eine halbe Sekunde abgeknöpft. "Dabei", sagte er später, "war es ein taktischer Lauf. Ich habe oben Tempo rausgenommen und erst unten richtig attackiert. Und als ich im Ziel gesehen habe, wie schnell ich auf den letzten Sekunden gewesen sein muss, hab' ich Janica gezeigt: Das war Vollgas!" Es waren die entscheidenden Tore für den Sieg, der ihn persönlich berührte: "Ich interessiere mich mehr für die Geschichte des Schisports als viele andere. Und ich habe viel Respekt vor den Legenden, die vor mir da waren." So wie Ingemar Stenmark, der der einzige Läufer war, der vor Kostelic drei Mal in Serie in Wengen gewonnen hat. "Dass mir das jetzt auch gelungen ist, macht mich stolz", sagte er und erklärte: "Ich habe zu diesem Hang ein ganz besonderes Verhältnis, ich liebe ihn. Weil er nie aufhört, dich zu fordern."
Ein Haus in Wengen?
So gut gefällt es ihm hier, dass ihm Vater Ante sogar vorschlug, doch ein Haus neben dem Slalom-Hang zu kaufen - immerhin hält er nun bereits bei vier Slalom und zwei Kombinations-Siegen in Wengen. "Und ich sagte: Gute Idee! Wenn es den Holz-Stadl mitten in der Piste zu kaufen gibt, schlage ich zu. Dann kann ich mich zwischen den Läufen genau da erholen."
Eine Erholung, die der Vielfahrer auch brauchen wird - obwohl er auch am fünften Tag in Wengen noch siegte. "Aber", betont er, "wir sind keine Trainings-Fanatiker. Wir machen sehr, sehr viel auf Schnee - vielleicht ist das der Unterschied", sagte Kostelic nach Weltcupsieg Nummer 22. Der ihn im Gesamtweltcup auch wieder auf 30 Punkte an Marcel Hirscher heranbrachte. Kostelic machte fast den gesamten Rückstand wett.
Und nicht zuletzt dank Saisonsieg Nummer vier schickt sich Kostelic an, wieder einen ähnlich fabelhaften Jänner abzuliefern wie vergangene Saison, als er den Gesamtweltcup gewann. "Damals bin ich mit 220 Punkten abgereist, heuer sind's nur 200. Der Slalom geht gut, aber in der Abfahrt läuft es noch nicht so gut. Aber vielleicht kommt das ja in Kitzbühel - ich mag' die Streif ja", sagte Kostelic.
Was neben Kostelic fast unterging: Die starke Vorstellung der Deutschen. Fritz Dopfer fuhr als Dritter erstmals aufs Podest, Felix Neureuther wurde hinter Mario Matt Fünfter.
Hirscher machte "Pause"
Im Ziel hatte er noch die Faust geballt, wenn auch vorsichtig. Marcel Hirscher merkte bald, dass da etwas nicht ganz stimmte. Und als die kroatischen Fans in Jubelchöre ausbrachen, war klar: Der erste Eindruck hatte nicht getäuscht, Marcel Hirscher hatte eingefädelt. Nach drei Siegen in Serie riss der Erfolgslauf also in Wengen. Aber keineswegs so, dass sich die Konkurrenz schon kommende Woche in Sicherheit fühlen kann: Denn trotz Einfädler lieferte Hirscher ein Slalom-Glanzstück ab, distanzierte die Konkurrenz um 77 Hundertstelsekunden. "Deswegen weiß ich gar nicht genau, ob ich mich freuen oder ärgern soll", meinte der 22-Jährige nach dem kurzen Aussetzer bei einer nahezu genialen Slalom-Vorstellung. "Klar bin ich stinkig. Aber wenn ich die Zeit anschaue, war es trotzdem genial", sagte Hirscher, der sofort nach dem Ausfall die Heimreise antrat: "Das Motto lautet: Schnell weg von hier - und dann trainieren, trainieren, trainieren, damit mir so ein Sch... nicht noch einmal passiert."
Obwohl: Mit kurzer Nachdenkpause war das Fazit schon wieder ein sehr Positives. Denn auf die Frage, was er nun denn mitnehmen könne aus Wengen sagte er grinsend: "Am liebsten alles. Bis auf das eine Tor, an dem ich eingefädelt habe." Die Richtung stimmt auf jeden Fall, eine vor dem Wengen-Slalom vorgenommene Änderung am Kanten-Tuning scheint voll aufzugehen. Die Fans in Kitzbühel und Schladming wird's freuen: Denn trotz des Einfädlers strotzt Hirscher vor den Heimrennen vor Selbstvertrauen. Und dass er im Gesamtweltcup nun kaum noch Vorsprung hat, war ihm ohnedies egal. Im Ernst.
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Endergebnisse
- 1. Ivica Kostelic (CRO)
- 2. Andre Myhrer (SWE)
- 3. Fritz Dopfer (GER)
- 4. Mario Matt (AUT)
- 5. Felix Neureuther (GER)
- 12. Manfred Pranger (AUT)
- 14. Christoph Dreier (AUT)
- 15. Benjamin Raich (AUT)
- 23. Marc Digruber (AUT)
- 27. Wolfgang Hörl (AUT)
















