Benjamin Raich: Wenn es nicht rund läuft
Auf dem Weg zurück zu alter Stärke stehen Benni Raich viele "Tore" im Weg: wenig Selbstvertrauen, das Alter, Ungeduld - und unbekannte Probleme.

Foto © APBenni Raich
Wenn Benni Raich in den letzten Jahren bei einem Weltcuprennen "nur" Fünfter geworden war, ärgerte er sich natürlich. Siege sind sein Anspruch. Und in den 15 Jahren, in denen er schon im Schi-Weltcup unterwegs ist, zwickte zwar hin und wieder das Kreuz - aber von wirklich schweren Verletzungen ist der Tiroler verschont geblieben. Bis zum 16. Februar 2011, dem Tag des Teambewerbs bei der Schi-WM in Garmisch. Raich erlitt einen Kreuzbandriss im linken Knie sowie einen Knorpelabbruch des äußeren Schienbeinkopfes. Acht Monate später gab er beim Weltcup-Auftakt in Sölden sein Comeback.
Abstand gesucht
Elf Rennen hat er in dieser Saison bestritten, Rang acht im Super-G von Beaver Creek war das einzige Top-Zehn-Ergebnis, Platz 46 in Gröden das schwächste Resultat. Auch der Slalom in Flachau (25.) verlief ganz und gar nicht nach seinem Geschmack. "Das entspricht nicht meinen Ansprüchen", sagte Raich. Und während das ÖSV-Team am Donnerstag noch auf der Reiteralm trainierte, fuhr Benni heim ins Pitztal: "Ich brauche jetzt einmal etwas Abstand." Teamkollege Rainer Schönfelder versteht ihn nur zu gut: "Er war es gewohnt, immer um den Sieg mitzufahren. Seine innere Stimme sagt ihm: Du kannst es noch immer. Doch auf der Piste sieht es anders aus. Was Benni braucht, sind Geduld und Zeit." Für ÖSV-Herrenchef Mathias Berthold stehen Raich auf dem Weg zurück viele "Tore" im Weg: "Beim Riesentorlauf in Beaver Creek war er auf Podestkurs, schied dann aber aus. Jetzt fehlt das Selbstvertrauen. Dazu wird er ungeduldig, weil er ganz genau weiß, dass er es viel besser kann." Raich steht also vor einer für ihn völlig neuen und ungewohnten Situation.
Um Gruppe eins kämpfen
Raich ist auch mit dem Problem konfrontiert, dass er um Startplätze in den ersten Gruppen kämpfen muss. Trotzdem hat sich nichts an seiner Motivation geändert. "An der fehlt es garantiert nicht", sagt Raich. "Ich gönne mir jetzt einmal zwei, drei Tage Pause und für die Einheiten zwischen den Feiertagen gibt es einen ganz genauen Plan. Ich werde auch nicht alleine trainieren, sondern gemeinsam mit dem Team. Es gibt in meiner Situation nichts Besseres als den direkten Vergleich mit den Kollegen."
Die Abfahrt am 29. Dezember in Bormio wird Raich auf jeden Fall auslassen.














