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Zuletzt aktualisiert: 02.12.2011 um 12:46 UhrKommentare

Ein Hass-E-Mail sorgt im Schi-Zirkus für Aufregung

Empörung beim Welt-Schiverband: In einem E-Mail wird die FIS mit Hitler und der SS verglichen. Indes nehmen sich manche Rennläufer weiter kein Blatt vor den Mund, eine FIS-Reaktion blieb aber bisher aus.

Heftiger Gegenwind für FIS Renndirektor Günter Hujara & Co.

Foto © GEPAHeftiger Gegenwind für FIS Renndirektor Günter Hujara & Co.

Seltsame Dinge spielen sich dieser Tage beim alpinen Schiweltcup in Beaver Creek ab. Bei der Mannschaftsführersitzung, den täglichen Arbeitsmeetings des Organisationskomitees mit den Teamchefs, hatte FIS-Renndirektor Günter Hujara am Mittwoch wegen der erfolgreichen Verlegung der Frankreich-Rennen in die USA noch Blumen, Umarmungen und Küsschen verteilt. Einen Tag später kam es dann ganz anders. Hujara präsentierte eine E-Mail, in der die FIS mit der SS verglichen wurde.

Auslöser der nicht anonymen Botschaft ist offensichtlich die Diskussion darüber, dass der Schi-Weltverband (FIS) Überlegungen anstellt, Rennläufer auch für außerhalb des Wettkampfes und speziell in den neuen, sozialen Netzwerken geäußerte Negativ-Meldungen zu sanktionieren. Hujara zeigte sich bestürzt von der Elektronikpost, in der die Frage gestellt wurde, seit wann Hitler und seine SS-Schergen wiederauferstanden wären und die FIS übernommen hätten.

Hujara vs. "Idioten"

Der Deutsche betonte ausdrücklich, dass er diese Nachricht nicht in Zusammenhang mit der zuletzt durchaus auch heftigen Läuferkritik an der anstehenden Material-Reform bringe. "Die Aussagen der Sportler sind meistens sachlich fundiert. Traurig ist, dass sich ein paar Idioten von außen bemüßigt fühlen, sich einzumischen", sagte Hujara und versprach: "Ich liebe meinen Job und werde ihn weiter so machen, wie ich ihn mache."

Es ist allerdings bemerkenswert, dass die FIS bisher keine Reaktion auf Läufer-Kritik wie sie zuletzt Ted Ligety äußerte, reagiert hat. Der US-Amerikaner war unlängst in einem Blog schwer über die FIS hergezogen und hatte den Weltverband u.a. als "inkompetent" und seine Vorgehensweise als "Diktatur" bzw. "Tyrranei" bezeichnet.

Dass sich der Riesentorlauf-Weltmeister trotz begründeter Sachkritik dabei mehrmals gewaltig in der Wortwahl vergriffen hat, ist bisher ohne Reaktion geblieben. Auch Hujara hielt sich in Colorado zurück, wollte nicht bestätigen, dass gegen Ligety eine Untersuchung läuft. Im vom Österreicher Patrick Riml geführten US-Verband hat man mit den Äußerungen offenbar kein Problem, auch Athletensprecher Kilian Albrecht ("Sonst wird man ohnehin nicht gehört") nicht. Die freie Rede sei in den USA höchstes Gut, hieß es.

Olsson: "FIS sucks"

Auch dem Schweden Jon Olsson droht Ungemach, nachdem auch er "FIS sucks" (FIS nervt) vor längerem auf seinen Helm geklebt hatte. Sanktionen drohen dem Freeschier, der sich nach einer Wette für Olympia 2014 in Sotschi qualifizieren will, aber kurioser Weise nicht wegen des Schimpfwortes, sondern weil er dieses im Zusammenhang mit dem FIS-Logo verwendet hat. Dies, so Hujara, sei eine Markenrechtsverletzung. "Da wird es wohl eine Aktion geben, das darf sich normalerweise niemand gefallen lassen."

Ligety hingegen bleibt vorerst offenbar unbehelligt und legte in Beaver Creek gemeinsam mit seinem US-Teamkollegen Bode Miller sogar noch ein Schäufelchen nach. Die Jury, die vor Ort mit bis zu 5.000 Schweizer Franken (4.077 Euro) strafen darf, sei nicht angerufen worden, erklärte Hujara. Die Berufungskommission könne bis zu 100.000 Franken (81.539 Euro) und/oder Lizenzentzug gehen. "Das ist aber dann Sache des Vorstandes."

Laut Hujara ist in der IWO geregelt, wie sich lizenzierte Rennläufer zu verhalten haben. "Jeder Athlet hat unterschrieben, dass er die Wettkampfordnung kennt. Das Council beobachtet auch in der neuen Medienlandschaft kritische Äußerungen und bewertet sie dann", erklärte Hujara. Jeder Normalsterbliche müsse Bedingungen akzetieren, wenn er sich etwas im Internet herunterladen wolle. "Bei uns aber denkt jeder, er kann das System nutzen, muss aber keine Bedingungen akzeptieren."

Er sei deshab über die neuen Athletenvertreter äußerst froh, so Hujara. "Damit kann man das jetzt direkt regeln. Denn wenn jeder seine eigenen Bedingungen macht, kann das nie funktionieren."


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