Extreme Renn-Schi haben ausgedient
Der Internationale Schiverband (FIS) hat ob des hohen Verletzungsrisikos im Schisport eine Materialreform angekündigt. Die Schi sollen wieder länger werden und weniger tailliert sein. Kritik kommt von der Industrie.

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Das Motto ist klar: "Vorwärts, wir gehen zurück!" Oder anders formuliert: Der Internationale Schiverband reagiert endlich auf die vielen Verletzungen im alpinen Rennsport, die zu einem Gutteil dem Material zugeschrieben wurden. Den aggressiven Schi, die zwar unglaubliche Kurvengeschwindigkeiten und geschnittene Schwünge (= Carven) bis zum Extrem erlaubten, aber oft den menschlichen Körper überforderten. Die Folge: Stürze und/oder schwere Knieverletzungen. Oft auch ohne Sturz hielten Bänder den Fliehkräften nicht stand.
Seit Jahren wurde daher geforscht, was man anders, besser machen könnte. Die Universitäten in Oslo und Salzburg waren mit Studien beauftragt, Daten wurden gesammelt, in diversen Gremien wurde gestritten und diskutiert. Jetzt, fast unbemerkt, wurde beim Kongress des Internationalen Schiverbandes (FIS) in Portoro reagiert - und vergangene Woche wurden diese Änderungen, die ab der Saison 2012/13 in Kraft treten sollen, auch der Industrie präsentiert. Sollen? Ja - weil der endgültige Beschluss erst beim Herbst-Kongress der FIS fallen wird; so sich nichts mehr ändert. Vor allem im Riesentorlauf wurde massiv eingegriffen .
Länger, schmäler, gerader
Die Maßnahmen: Die Schi werden wieder länger, sie werden schmäler, die Radien werden größer. Salopp formuliert: Die Schi werden optisch wieder jenen ähnlich sehen, die es Mitte der 90er-Jahre schon gegeben hat. Der Zweck ist klar: Weniger aggressiv soll das Material sein, damit es weniger Verletzungen gibt.
"Es ist endlich das passiert, was wir gefordert haben", zeigte sich ÖSV-Cheftrainer Mathias Berthold erfreut. Er ist sich sicher: "So sind die Schi weniger aggressiv, auch die Fliehkräfte werden reduziert."
Und auch Ex-Cheftrainer Toni Giger, der beim Österreichischen Schiverband für dieses Thema zuständig ist, zeigt sich zufrieden: "Das Wichtigste ist, dass die Schi schmäler sind. Dadurch sollte es gelingen, dass man am Schwungansatz nicht mehr so aggressiv sein kann - das sollte Verletzungen verhindern." Eines ist dem Salzburger aber ganz wichtig: "Den Schi zu verändern ist nur eine Maßnahme - ich hoffe nicht, dass es damit getan ist. Denn auch Kurssetzung, Pistenpräparierung und Protektoren spielen eine Rolle." Sicher ist: Mit dem neuen Schi werden sich auch die Anforderungen an den Schifahrer ändern. Berthold: "Ich würde es so formulieren: Ein technisch guter Schifahrer wird sich mit der Umstellung, die zweifellos kommen wird, sicher leichter tun."
Industrie ist gefordert
Der Druck, die Änderungen umzusetzen, liegt bei der Industrie. Etwa ein Jahr dauert die Entwicklung, deshalb war es höchste Zeit, den Beschluss zu fassen. Und während Fischer-Rennchef Siegfried Voglreiter zürnt ("Das Carving wird abgeschafft!"), sieht es Atomic-Rennchef Rudi Huber etwas anders: "Es ist viel zu tun." Allerdings nur im Rennsport, denn: "Auf den Verkaufsschi hat das alles keine Auswirkung!"
Features
Fakten zu den Neuerungen
- RIESENTORLAUF: Damen: Schilänge 180 cm, Radius mind. 23 m
Herren: Schilänge 185 cm, Radius mind. 27 m - SUPER-G: Damen: Schilänge 200 cm, Radius mind. 33 m
Herren: Schilänge 205 cm, Radius mind. 33 m - SLALOM: Damen: Schilänge 155 cm, Radius nicht definiert
Herren: Schilänge 165 cm, Radius nicht definiert - ABFAHRT: Schilänge: 215 cm statt 210 cm für Damen, 218 cm statt 215 für Herren.
Radius: Dieser erhöht sich ab 2012 von 45 m (Damen und Herren) auf 50 m.














