Streben nach Sicherheit
Ist der alpine Schirennsport zu unsicher? Oder gibt es doch Wege, um in Zukunft schwere Verletzungen zu verhindern?
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Für jeden Rennläufer ist es das Szenario, das man am liebsten Ausblenden will, das Geräusch, das man nicht hören will: Der Rettungshubschrauber zur Bergung eines Kollegen. Samstag, in der letzten Abfahrt vor der Schi-WM (Start 12.30 Uhr, live ORF eins), wünschen sich auf jeden Fall alle, dass der Hubschrauber nicht starten muss. Ungeachtet dessen aber ist wieder die Diskussion entbrannt, ob das alles wirklich sein muss. Und warum es keine Änderungen gibt, die den Schisport sicherer machen?
Wobei die zweite Frage schon falsch ist; denn geändert wird laufend etwas, wie Toni Giger, bis zur Vorsaison Herren-Cheftrainer und seit heuer im Verband über alle Sparten für Optimierung und Materialentwicklung zuständig betont: "Das nichts passiert, stimmt einfach nicht. Es gibt laufend Änderungen. So wie etwa in diesem Jahr die Torflaggen in der Abfahrt geändert wurden; sie reißen nun leichter, damit sind die Nachwirkungen, wenn man etwa mit der Hand hängen bleibt, weit geringer. "Dank der neuen Flaggen wurden schon einige Unfälle verhindert." Für große Änderungen aber, so betont der Tüftler und Mathematiker, braucht man Zeit - und vor allem: Viel (Daten-)Material, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Dieses wird derzeit auf vielen Ebenen gesammelt.
Drei Studien in Auftrag
So sind etwa drei Universitäten beauftragt, sich dem Thema Sicherheit im Rennsport zu nähern: Die Universität Oslo geht den Verletzungen auf den Grund und analysiert, unter welchen Bedingungen welche Verletzungen auftreten, ob es Gemeinsamkeiten bei ähnlichen Verletzungen und damit Wurzeln gibt, an denen angesetzt kann.
Bereits im zweiten Jahr beschäftigt sich die Universität Salzburg mit den Kräften, die auf die Fahrer wirken. Im ersten Jahr wurden alle Beteiligten - Läufer, Trainer, Serviceleute - befragt, in diesem Jahr werden in insgesamt acht Weltcup-Orten Vorläufer "verkabelt" und dabei werden Daten gesammelt, welche Kräfte wann auf den Athleten wirken. Auch diese Daten sollen dann in etwaige Änderungen beim Material einfließen.
Und auch der österreichische Schi-Verband (ÖSV) selbst beauftragte eine Studie: Die Universität Innsbruck soll ihrerseits verschiedene Faktoren untersuchen, um die Sicherheit im Schisport zu verbessern.
Fakt ist: "Seit 1994 haben die Verletzungen zugenommen, teilweise eklatant. Aber erfreulicherweise gab es in diesem Jahr keinen Anstieg", erklärt Giger, der in seiner Trainerzeit eine riesige Menge an Daten gesammelt hat und damit selbst wertvolle Hilfe bei der Suche nach Verbesserungen bieten kann.
Airbag in Planung
Allerdings: Ein Schnellschuss ist so gut wie unmöglich. Denn: "Jede Maßnahme zieht andere nach sich. Daher muss vorher klar sein, was passiert." Fakt ist: Es geht darum, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Der Versuch, das mit kurvigeren Kursen zu tun, gelang nicht. "Wenn es mehrere und engere Kurven gibt, wird etwa in der Abfahrt mit taillierteren und aggressiveren Schi gefahren. Damit wirken noch mehr Kräfte auf den Läufer, vor allem Fliehkräfte." Auch der Ruf nach dickeren Anzügen hat Nachteile: "Werden die Anzüge dicker und bieten mehr Luftwiderstand, sind etwa leichtere Läuferinnen benachteiligt, Gewicht wird ein Siegesfaktor. Und: Bei Sprüngen verschiebt sich die Angriffsfläche über den Schwerpunkt, also kommt man viel leichter in Rückenlage."
Auch Vollvisierhelme, wie sie nach Gruggers Sturz gefordert wurden, seien bedenklich: "Weil durch mehr Gewicht und den Kinnbügel ungünstige Hebelwirkungen entstehen - dadurch wären wiederum Genickbrüche möglich." Daher hat der Internationale Schi-Verband (FIS) Anfang Jänner in München in einem Treffen mit einem Hersteller von Motorradbekleidung (Dainese) eine Zusammenarbeit gestartet, an deren Ende eine Art Airbag für Schifahrer stehen soll - um in Zukunft Kopfverletzungen zu verhindern. Frühestens in zwei Jahren wäre ein solches System einsatzbereit.
Fix ist nur: Es soll etwas getan werden. Und dafür gibt es einen Pluspunkt: "Im Schisport geht es nicht um absolutes Tempo - es geht darum, relativ gesehen schneller zu sein als die Konkurrenz. Deshalb kann man etwas tun. Was es auch immer es ist."















