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Zuletzt aktualisiert: 24.01.2011 um 18:16 UhrKommentare

Triumphe, Tränen und Träume

In 15 Jahren hat der Schladminger Nachtslalom einiges mitgemacht. Von der belächelten Illusion, über manche Belastungsprobe bis hin zum gefeierten Massenphänomen.

Marcel Hirscher in Schladming beim Nightrace 2010

Foto © APA I HERBERT PFARRHOFERMarcel Hirscher in Schladming beim Nightrace 2010

Ein Weltcuprennen in der Nacht war in den Jahren vor 1997 wenn schon nicht undenkbar, dann zumindest exotisch. Fast wie (bis vor Kurzem) eine Fußball-Weltmeisterschaft in der Wüste. Das bekam auch Schladmings OK-Chef Hans Grogl zu spüren: "Am Anfang wurden wir belächelt." Und das zählte noch zu den freundlichen Reaktionen. Grogl: "Manche haben gemeint: Ihr seid Volltrottel, ein Slalom an einem Wochentag und noch dazu am Abend - da steht's alleine draußen! Acht Standbetreiber haben damals mitgemacht und die haben wir fast bitten müssen." Aus der Ruhe gebracht hat ihn das freilich wenig. Immerhin gab es gute Gründe und außerdem ein erfolgreiches Vorbild.

Intermezzo der Profis

Nachdem Schladming 1990 seinen Platz im FIS-Weltcupkalender verlor, zog für einige Jahre der US-Profizirkus auf der Planai ein. Nicht zufällig, immerhin hatte man mit Bernhard Knauss einen sechsfachen Profiweltmeister zu bieten. Und Mitte der 1990er Jahre dann auch Profi-Nachtrennen - mit durchaus beachtlichem Zulauf. 8000 Fans wollten den nächtlichen Auftritt der Profis sehen, was schnell einen anderen Profi auf den Plan rief, nämlich ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Grund genug sich zusammenzusetzen, was Peter Schröcksnadel, Hans Grogl, Trainerlegende Charly Kahr und der damalige Planaichef Albert Baier auch taten.

In einer Privatinitiative wurde eine Flutlichtanlage am Zielhang der Planai errichtet - und der erste Nachtslalom am 30. Jänner 1997 war geboren. Mit acht Gastronomieständen - und mit sensationellen 25.000 Fans, die die acht Stände und sämtliche Schladminger Supermärkte gnadenlos überrannten. Im Jahr darauf trotzten schon 40 Stände dem feiernden Nachtslalom-Volk, heute sind es an die 60. Weil für mehr gar kein Platz wäre.

Dass die Geschichte des Nachtslaloms eine durchaus triumphreiche ist, ist aktenkundig. Immerhin neun Mal in 15 Jahren kürte sich ein österreichischer Rennläufer zum König der Schladminger Slalomnacht. Unbestritten die Nase vorne hat in den Siegerlisten Benjamin Raich, der gleich vier Mal ganz oben am Stockerl stand. Und trotzdem gab's in der Historie rund um den Nachtslalom auch Tränen. Tränen der Enttäuschung - immerhin fallen auch zwei gescheiterte Schladminger WM-Bewerbungen in die vergangenen 15 Jahre. Und es gab Tränen der Erleichterung. Die flossen im Jahr 2000, als der große Regen am 9. März das Rennen wegzuschwemmen drohte. Nicht umsonst muss Hans Grogl auf die Frage, was für ihn der emotionalste Nachtslalom war, nicht lange überlegen: "In der ganzen Steiermark hat es geschüttet wie aus Kübeln und jedes andere Rennen wäre wohl abgesagt worden."

In Schladming waren es damals wohl die 30.000 Fans, die pitschnass, aber unverdrossen, zum Rennen strömten. "Kjetil Andre Aamodt war damals Sprecher der Rennläufer", erinnert sich Hans Grogl, "und er hat gemeint: Da sind 30.000 Fans nur wegen uns gekommen, da müssen wir einfach fahren." Auch FIS-Rennchef Günter Hujara nahm Risiko und meinte: "Okay, wir probieren's einfach."

Kultstatus

Heute ist der Nachtslalom längst eine fixe Größe, vor der selbst das große Kitzbühel ehrfürchtig den Hut zieht. Michael Huber, der Präsident des Kitzbüheler Schiklubs, attestiert dem Schladminger Nachtslalom Kultstatus: "Besonders die Fans aus der Steiermark, Salzburg, Kärnten und Oberösterreich zieht es vermehrt nach Schladming. Wir bauen auf die Fans aus Tirol, Südtirol und Bayern."

CHRISTIAN NERAT

Wetterprognose

Einen Tag vor dem 15. Nightrace schneit es den ganzen Tag heftig in Schladming.

Für Dienstag wird winterlich kaltes Wetter erwartet.

Warm anziehen heißt es für die Skifans, denn die Temperaturen werden beim Rennen kaum über -2 Grad liegen. Am Vormittag vor dem Rennen ist noch etwas Neuschnee zu erwarten, am Nachmittag lässt der Schneefall nach, zum Abend hin sollte er bereits Pausen einlegen.

Grafik: Das Rennen der Rennen

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