Grugger-Sturz überschattete einziges Kitz-Abfahrtstraining
Das erste und einzige Training am Donnerstag für die Weltcup-Abfahrt am Samstag auf der 3.312 Meter langen Streif ist vom Horrorsturz des Salzburgers Hans Grugger überschattet worden.

Foto © APDidier Cuche
Der 29-Jährige erlitt schwere Kopfverletzungen und musste noch am Donnerstagnachmittag einer Notoperation unterzogen werden. Da wurde es zur Nebensache, dass der Schweizer Vorjahressieger Didier Cuche in 2:01,12 Minuten vor dem Südtiroler Christoph Innerhofer (+0,37 Sek. zurück) und den Österreicher Georg Streitberger (1,18) Trainingsschnellster war.
Wengen-Sieger Klaus Kröll kam auf Platz fünf (1,70). Abfahrts-Weltcup-Leader Michael Walchhofer landete mit "angezogener Handbremse" auf Platz zehn (2,58), einen Rang hinter Lokalmatador Romed Baumann (2,51).
"Ab dem Start war es sehr unruhig. Durch die schlechte Sicht sieht man den Boden nicht. Das macht es noch schwieriger, man kann keinen Schwung richtig schneiden und kaum die Linie halten", sagte Kröll, der vom schweren Sturz seines Zimmerkollegen Gruggers richtig geschockt war. Er habe den Gott sei Dank nicht gesehen, jedoch während seiner Fahrt nie ein gutes Gefühl fürs Schifahren entwickeln können. Umso froher war der 30-jährige Steirer, dass am Freitag vorerst ein Super-G auf dem Programm steht: "Das bringt Abwechslung und uns auf andere Gedanken, damit wir Grugger ausblenden."
Walchhofer, der nach seinem Sturz am Mittwoch im Super-G-Training in Hinterreit gehandicapt an den Start gegangen war, war mit seinem zehnten Platz trotz seines Rückstandes zufrieden. Das geschwollene Knie hatte ihn während der Fahrt wegen der vielen kurzen Schläge auf unruhiger Piste sehr geschmerzt. Mit der Knorpelverletzung im Hals konnte der Routinier besser umgehen: "Das Atmen und Reden geht schon, nur das Schlucken macht noch Probleme", sagte er mit rauchiger Stimme. Und war froh, dass er so weit fit ist, dass er seine letzte Streif-Abfahrt auch wird bestreiten können.
Natürlich alles andere als ungerührt hatte Walchhofer der Sturz von Grugger gelassen. "Das hat extrem brutal ausgeschaut", betonte der 35-Jährige. Kurzfristig überlegte der dreifache Familienvater, ob es überhaupt wert sei, diese Abfahrt zu bestreiten. "Aber ich konnte diese Gedanken sofort auf die Seite schieben, denn sonst müsste ich das Rennfahren sofort lassen."
Mario Scheiber, der das Training als Zwölfter beendet hatte, sprach nachdem er während der Startvorbereitung den Sturz gesehen hatte, von Angst. "Das ist mir noch nie passiert, dass ich während der Fahrt richtig Angst gehabt habe", bekannte der Osttiroler, der von der unruhigsten und schwierigsten Streif sprach, seit er in der Gamsstadt an den Start geht. "Mein Ziel war eigentlich nur, gesund ins Ziel zu kommen."
Schnellster Österreicher im Training war Streitberger als Dritter, er verfolgte den Sturz Gruggers im Zielraum auf der Videowand. "Ich habe mich nicht gut gefühlt, das Licht war schlecht, es war sehr schwierig zum Riskieren", meinte Streitberger, der hofft, dass für das Rennen die Kante an der Mausefalle, bei der es zum Sturz Gruggers gekommen war, noch abgetragen wird: "Wir kommen dort so schnell hin, auch wenn es entschärft wird, springen wir trotzdem hoch und weit in die Mausefalle."
Auch Benjamin Raich absolvierte das Streiftraining, weil die Abfahrt ja zur klassischen Kombination zählt. Als 47. hatte er einen Rückstand von 6,62 Sekunden, den er nicht überbewerten wollte. "Weil ich grippig bin, stand auch zur Diskussion, dass ich überhaupt verzichte", erklärte der Pitztaler, der bekannte, dass ihm die Streif tauge, auch wenn sie bei der 71. Auflage "scharf und extrem unruhig" sei.
Der Schweizer Cuche, der am Samstag seinen vierten Abfahrtstriumph auf der Streif anstrebt, analysierte, dass die Piste heuer zwar langsamer als im Vorjahr sei, aber sehr schwierig. "Es ist extrem unruhig, man übersieht die Schläge, aber am Samstag wird es schon gehen", meinte der 36-jährige Routinier.














