Statt Siegen zählt für Vreni die Familie
Vreni Schneider dominierte über Jahre den Slalom-Weltcup. Die heute 46-Jährige über ihre Siege beim "Goldenen Fuchs" in Marburg, ihre Rekorde und Marlies Schild.

Foto © GEPAVreni Schneider betreibt heute in Elm eine Schi- und Snowboard-Schule
Marlies Schild ist im Slalom eine Klasse für sich. Vor dem Riesentorlauf und dem Slalom in Marburg hält sie bei 27 Weltcupsiegen, 25 davon im Torlauf. Zwei Mal, 2006 und 2007, sicherte sich die Saalfeldnerin bereits den "Goldenen Fuchs", die Gesamtwertung der beiden Rennen auf dem Bachern.
Beeindruckend, aber bei Weitem noch nicht das Maß aller Dinge, wie eine Schweizerin zwischen 1983 bis 1995 bewiesen hat. Vreni Schneider machte der Konkurrenz und der rot-weiß-roten Fan-Seele das Leben richtig schwer. Nur wenige schafften es, eine Sportart in solchem Maße zu dominieren. Drei Goldene bei Olympia, drei Mal WM-Gold, drei große und elf kleine Kristallkugeln und 55 Weltcupsiege fuhr die Schweizerin ein - und das waren nur die Siege. Doch dann war Schluss: "Auf einmal war ich die einzige ,Alte' unter lauter 18-Jährigen im Schweizer-Team. Da wusste ich, dass ich aufhören sollte", sagt Schneider. Bereut hat sie den Abschied nie. "Ich habe mein Glück in der Familie gefunden", sagt die Mutter von zwei Söhnen, die sie heute bei Hobby-Rennen bremsen muss: "Zu bremsen ist zwar ungewohnt, aber ich bin ja eine Mutter."
Noch unerreicht
Seit ihrem Karriereende hat sich im Schizirkus viel getan, einige ihrer Bestmarken haben aber immer noch Bestand. Noch keine Athletin holte wie Schneider 34 Siege im Slalom-Weltcup, 14 Siege in einer Saison und sieben Mal den "Golden Fuchs" in Marburg. "Selbst wenn ich mit einem Formloch nach Marburg gekommen bin", erzählt die 46-Jährige, "wusste ich immer, dass ich gewinnen kann."
Dass Marlies Schild sich mit ihren 25 Slalom-Siegen anschickt, ihren Rekord anzugreifen, freut die Schweizerin. "Es würde mich sehr freuen, wenn Marlies das schaffen würde", sagt Schneider, deren im November verstorbener Vater ein Fan von Marlies Schild und Benni Raich war. "Nach dem Sieg von Marlies in Courchevel dachte ich sogar, dass er gleich in der Türe stehen und mich fragen würde, ob ich diesen tollen Lauf wohl gesehen habe."
Siege trotz Fehler
Im Stangenwald ist Schneider auch heute noch im Einsatz. Aber nur noch als Vorläuferin oder um Richtzeiten zu legen. Ob man ihre Ära vor der Einführung des Carving-Schis mit dem modernen Alpinsport von heute vergleichen kann? "Die Abstände sind viel enger geworden. Ich konnte einen Fehler machen und trotzdem noch gewinnen. Aber Zeiten kann man ohnehin schwer miteinander vergleichen. Ausnahmeerscheinungen gibt es aber immer."
Wenn es in Marburg wieder um den Fuchs geht, wird Schneider vor dem Fernseher wieder zu den Schweizerinnen halten, aber auch "mit den Österreicherinnen mitfiebern".














