Hohe Ziele am Fuße des Großglockners
"Die meisten in unserer Trainingsgruppe sind keine großen Kletterer. Es war für alle Athleten die Glockner-Premiere", teilt der ÖSV mit: "Teambuilding" war das Zauberwort.

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Österreichs Schi-Herren haben am Donnerstag den Gipfel des Großglockners erklommen. Um 05.45 Uhr machte sich die Riesentorlauf- und Kombi-Gruppe von der Stüdlhütte aus, auf der übernachtet worden war, auf den Weg zum Aufstieg über den Stüdlgrat auf den mit 3.798 Metern höchsten Gipfel Österreichs. Knapp vier Stunden später erreichte die Gruppe das Gipfelkreuz.
Symptomatisch für die Saison?
Wenn Österreichs alpine Schi-Herren im kommenden Winter so zusammenhalten wie beim Klettern auf Österreichs höchstem Berg, kann es nur aufwärtsgehen. Die Truppe unter "Trainer-Heimkehrer" Andi Puelacher ist jedenfalls ein Versprechen auf wiederkehrende Erfolge. "Vielleicht noch nicht am Saisonbeginn, weil die Schweizer mit einem Überschuss an Erfolgen daherkommen. Aber spätestens bei der WM in Garmisch sollten wir aufgeholt haben", meinte der Tiroler beim vom Glockner-Sturm gekrönten Konditionskurs in Osttirol.
Während sich die Schweizer Herren seit Jahren konsequent nach oben entwickeln, ging es bei den ÖSV-Herren zuletzt eher seitwärts dahin. Als man zuletzt in Kanada erstmals sogar ohne Olympia-Medaille geblieben war, war das Fass übervoll. Mathias Berthold wurde aus Deutschland "heimgeholt" und Herrenchef. Der Nachfolger von Toni Giger wiederum installierte "Weltenbummler" Puelacher, zuletzt als Europacup-Coach an der Quelle der Schweizer Schi-Erfolge, als Chef der Riesentorlauf-Kombigruppe.
Der 46-jährige Puelacher hatte in 15-jähriger Tätigkeit in der Schweiz und Liechtenstein weder Patriotismus noch Einblick ins ÖSV-Geschehen ("Ich war immer Patriot") verloren. Als erstes räumte der Neo-Coach von Vorzeige-Schifahrer Benni Raich und Co. deshalb am Großglockner mit einem verkrusteten Feindbild auf. Nämlich dass einzigartiges Know-How ins Ausland abwandern würde, wenn man erfahrene Trainer gehen lässt. "Darüber haben wir im Ausland arbeitende Österreicher nur gelächelt. Der ÖSV hatte zwar in der Tat einst einen Material-Vorteil, aber alles andere ist Blödsinn".
Vielmehr dürfte man sich durch das zu lange Festhalten an verdienten Coaches ein hausgemachtes Problem erzeugt haben. Puelacher: "Man hat versäumt, frisches Blut in die Trainermannschaft zu bringen. Das läuft sich dann eben irgendwann tot. Die Österreicher waren zwar nie weit weg, die Big Points haben aber die Schweizer gemacht". Problemzone Nummer zwei machte Puelacher beim (zu?) individuellen Training aus. Unter dem 46-jährigen Tiroler wird deshalb nun wieder verstärkt gemeinsam auf Schnee trainiert und profitiert. Puelacher macht dabei selbst vor Aushängeschildern wie Allrounder Raich nicht halt. Geklärt hatte er diesen Schritt noch vor seiner Unterschrift beim ÖSV mit dem von Bruder Florian gecoachten Raich in einem "sehr guten und offenen" Gespräch. "Es war mir extrem wichtig, das vorher mit Benni geklärt zu haben. Ich will nicht, dass ein und derselbe Trainer auf einem Athleten draufpickt".Stattdessen forciert der dreifache Familienvater, der vor 22 Jahren beim ÖSV begonnen hat und danach in Liechtenstein und der Schweiz tätig war, Rochaden. "Wir hatten auch in der Schweiz vier Schneetrainer, das war sicher mit ein Grund für die Erfolge. Auch wenn Schifahren ein Einzelsport ist, kann sich jeder von jedem etwas abschauen, etwas lernen", so Puelacher. Deshalb will der Fluglehrer für Paragleiten und Hängegleiter nun seine Jungs schon im Training aufeinander loslassen. "In den vergangenen Jahren hat man es in Österreich sehr individuell versucht und dadurch Hierarchien erzeugt. Übertrieben dargestellt, hat sich jeder vor dem anderen versteckt." Damit ist jetzt Schluss. "Je mehr Fahrer zusammen sind, desto mehr Reibungspunkte und Motivation erzeugt das". Und, so Puelacher: "Ein gewisser Umfang ist wichtig. Schifahren verbessert man nur mit Schifahren".
Neue Vorzeige-Gruppe?
Puelachers Truppe könnte also trotz der starken ÖSV-Slalom-Mannschaft zur Vorzeuge-Gruppe im "neuen" ÖSV-Herrenbereich werden. Von den Top-Riesentorläufern trainiert bekanntlich nur Marcel Hirscher mit den Slalomfahrern. Dafür sollen sich Routiniers wie Benjamin Raich, Stephan Görgl oder Hannes Reichelt zusammen mit Romed Baumann (Puelacher: "Er war früher schneller als Weltcupsieger Carlo Janka, wie gibt es das?"), Philipp Schörghofer ("Ein ganz edler Schifahrer, aus dem muss man doch was machen können") sowie jungen Fahrern wie Björn Sieber (mit 21 jüngster A-Kader-Athlet), Christoph Nösig und Florian Scheiber ("Alle auf einem Level mit den jungen Schweizern") schon im Training matchen und zu Top-Leistungen anspornen.
Ob beim Checken auf dem Eishockey-Feld, beim Wildwasser-Paddeln, dem aufregenden Klettern im ewigen Fels und Eis oder beim gemeinsamen "WM-Schauen" auf der 2.801 m hoch liegenden Stüdlhütte am Fuße des Großglockners: Die neuen Wege von Berthold und Co. waren schon bei den Konditions-Kursen deutlich sichtbar. Kommende Woche steigt in Sölden der erste Schneekurs. Da sind dann auch die im Konditionsbereich andersweitig trainierenden Raich und Baumann erstmals mit von der Puelacher-Partie.















