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Zuletzt aktualisiert: 20.02.2010 um 23:14 UhrKommentare

Knauß analysiert: "Im Team fehlt der Spirit"

Der Blick auf die Super-Kombination am Sonntag ist nahezu schockierend.

Hans Knauß

Foto © GEPAHans Knauß

Am Sonntag wartet die olympische Super-Kombination. Und ehrlich: Egal, ob wir danach im Riesentorlauf oder im Slalom noch fünf oder sechs Medaillen machen: Eigentlich ist die Super-Kombi schon bevor sie begonnen hat der Gipfel, allerdings im negativen Sinn. Dass die Schi-Nation Österreich nur eineinhalb ernst zu nehmende Läufer stellt, ist nahezu schockierend.

Vor zehn Jahren wurde allen erklärt: Die Zukunft sind Allrounder, alles andere war unwichtig. Es gab immer mehr Trainer, immer mehr Spezialisten, die immer individueller betreuen sollten. Und, ohne den Läufern einen Vorwurf machen zu wollen, die sicher alles versucht haben: Das Ergebnis ist ernüchternd, wie der Super-G gezeigt hat. Diese Vorstellung war tatsächlich indiskutabel. Fast hat man den Eindruck, dass die Schi-Nation Österreich zu einer Rodel-Nation geworden ist. Auf Schi fahren die anderen derzeit Schlitten mit uns.

Läuft alles richtig?

Was mich bedrückt: Anscheinend ist es trotzdem wichtiger, dass die Trainer in gutem Licht dastehen und sich rechtfertigen, als etwas zu ändern. Und nur um eines klar zu stellen: Ich spreche keinem einzigen unserer Trainer ab, vielleicht der beste der Welt zu sein. Trotzdem darf man sich Gedanken machen, ob alles richtig läuft. Das Hauptproblem aus meiner Sicht: Es ist zwar alles bestens durchorganisiert, aber wenn man genau hinschaut, dann fehlt der Spirit. Der Geist, den man als Läufer unbedingt braucht. Es werden zum Beispiel die besten Trainer aus dem Ausland zurückgeholt, auch um das Ausland zu schwächen. Bei uns dürfen sie sich dann allerdings nicht entfalten und müssen sich dem fast diktatorischen System unterwerfen.

Ich war hier bei Olympia bei den österreichischen Biathleten. Die hat man vor vier Jahren nach Turin abgeschrieben, für tot erklärt. Das Budget wurde gekürzt - aber sie haben das Beste aus der Situation gemacht. Sie mussten im wahrsten Sinne des Wortes zurück zu den Wurzeln.

Dort spürt man den Spirit, das Bemühen, besser zu werden, die Freude am Sport. Und das ist das, was mir bei den Alpinen derzeit abgeht. Es wäre an der Zeit, dass auch die Alpinen wieder zu den Grundlagen zurückkehren. Und wieder mehr aufs Schifahren geachtet wird als auf die Daten der Wetterstationen oder die GPS-Vermessung der Pisten oder die Abstände der Tore.

Hans Knauß gewann 1998 in Nagano Olympia-Silber im Super-G.


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