Schönfelders Show muss weitergehen
Die bunten Vögel sterben aus. Deshalb braucht der Schisport Typen wie Rainer Schönfelder.

Foto © APADieses Bild ging um die Welt: Schönfelder nackt auf der Piste
Es war so etwas wie sein Heimrennen: In Kranjska Gora ist Rainer Schönfelder, als er 1999 im Weltcup-Slalom von Platz 26 auf Rang vier fuhr, praktisch der internationale Durchbruch gelungen. Elfe Jahre später wird am Sonntag der Torlauf im slowenischen Wintersportort ohne "Schönefelder", wie der Kärntner vom dortigen Platzsprecher meistens angekündigt wurde, vor sich gehen. Der 32-Jährige hatte sich ein Timeout genommen - weil sein Körper nicht mehr mitmacht.
Egal, ob auf dem Podest oder ausgeschieden im Schnee: Der Bleiburger zählte jahrelang zu den gefragtesten Typen der Branche, der außerhalb seiner Dienstzeit gern als Showman die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zog. Durch lackierte Fingernägel, ausgefallene Gesten und Kopfbedeckungen, brillanten Interviews und gar einer Nacktfahrt nach einer verlorenen Wette mit dem Masseur. Das Foto des "Flitzer vom Lauberhorn" ging um die Welt, wurde in exotischen Ländern von Zeitungen abgedruckt, denen selbst Kitzbühel keine Zeile wert war und die auch Schönfelders Slalom-Triumph im Jahre 2002 nicht registriert hatten.
Alleinunterhalter
Als er in Adelboden gewann, tanzte er nicht nur Lambada und warf sich in den Schnee, sondern zog auch die Schweizer Schifans auf seine Seite, als der Alleinunterhalter aus dem Stegreif "Heidi" trällerte. Die Art und Weise wie der Kärntner auftrat, fand logischerweise nicht nur Befürworter. Schönfelder hatte sich längst damit abgefunden, nicht jedermanns Liebling zu sein. Derzeit ist ihm freilich nicht zum Spaßen. Schließlich hatte "Schöni" seine Musikkarriere auf Eis gelegt, im Sommer mehr denn je trainiert und sogar einen fahrbaren 20-Tonnen-Fitnesstempel gechartert. Für genau 227 Sekunden. So lange dauerte in dieser Weltcup-Saison seine Weltcup-Präsenz.
Für Werbung in eigener Sache hatte der 32-Jährige schon immer viel übrig. Seine geplante und vorerst misslungene Rückkehr auf die Weltcup-Bühne war im Internet nachzuvollziehen. Doch Mikrofone wurden ihm zuletzt nur noch hingestellt, um seinen körperlichen Zustand zu erklären: "Ich kann nicht einmal bergab gehen." Von einem Abschied aus dem Weltcup will er nichts wissen: "Die Vorbereitung für die WM 2011 hat begonnen", verkündete der Berufsoptimist, als er diesen Schiwinter endgültig abgehakt hatte.
Es wäre Schönfelder zu wünschen, noch einmal auf die Schibühne zurückzukommen. Viele trauen es ihm allerdings nicht mehr zu. Solche Typen wie Schönfelder braucht der Weltcup. Brave und Angepasste gibt es ohnehin genug. Wer Schönfelder kennt, der ahnt: Er steigt nur wieder ein, wenn er mit der Weltelite einigermaßen mithalten kann. The show must go on.
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